Kaum Kritik unter Spaziergängern

Feldbogenturnier in der Karlsaue: Neugier statt Nörgelei

Neugierig: Egon Heise aus Kassel (von links), seine Nichte Sabine Wingen und Sebastian Heimann aus Köln waren zufällige Zaungäste. Sie nahmen gern einen Umweg in Kauf.

Kassel. Die Sonne scheint, ein idealer, milder Wintertag für einen Spaziergang durch die Aue. Das haben sich Sergej und Natalja Jäger am Samstagmittag überlegt. Doch am Eingang des Parks, in Höhe des Ruderhauses vom PSV Grün-Weiß, wird das Ehepaar jäh gestoppt. Ordner mit Signalwesten und ein rot-weißes Plastikband versperren den Weg.

Ein paar Meter weiter spicken Schützen mit ihren Bögen einen 40 Meter entfernt stehenden „Hirsch“ aus Schaumstoff mit ihren Pfeilen. Ines Manske erklärt den Jägers, warum es zu gefährlich ist, hier den Park zu betreten. Sergej Jäger zeigt nicht nur Interesse. Er ist auch richtig neugierig. Ob auch seine beiden jungen Söhne mal Probe schießen dürften?

Diese Szene war symptomatisch für das Turnier des Vereins Feldbogen Kassel-Helsa in der Karlsaue am Wochenende. Die 174 Bogenschützen aus ganz Deutschland zogen bei der Pirsch auf Wildtier-Figuren geruhsam ihre Bahnen auf den zum Teil abgesperrten Parkwegen. Viele Spaziergänger gingen achtlos vorbei, einige zeigten freundliche Neugier, kaum einer nörgelte.

Nur ein Rentner habe kurz vor Auftakt des Turniers heftig über die Absperrungen geschimpft und diese dann missachtet, sagte Erich Manske, Vorsitzender des 2010 gegründeten Vereins. Augenscheinlich hatte sich die im Vorfeld auf HNA-Online von einigen geäußerte Entrüstung über die Pirsch auf Kunststofftiere in der Karlsaue gelegt.

Zu den wenigen, die bewusst gekommen waren, um sich diesen Schießsport anzusehen, gehörten Bettina und Walter Kröger aus Kassel. Das Ehepaar hatte davon in der HNA gelesen. „Das erinnert mich an meine Flitzebogenzeit, das ist eine schöne Auflockerung unseres Spaziergangs“, sagte Walter Kröger. Feldbogen sei ein schöner Sport und weniger gefährlich als beispielsweise Hallenhandball. „Total harmlos“ sei dieser Bogensport, sagt ein weiterer Zaungast, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die Bogenschützen machten keinen Lärm und hinterließen keinen Müll in der Landschaft. In der Karlsaue gebe es Schlimmeres.

Geradezu „albern“ findet Klaus Krekeler die Aufregung um das Bogenturnier. Der Kasseler ist mit seinem Rad zufällig an einer Jägergruppe vorbeigekommen. Vereinschef Erich Manske erklärt ihm die Regeln des Sports. Krekeler hat wie viele andere Passanten noch nie etwas von Feldbogen gehört. Diese Unkenntnis sei ein großes Problem für den Verein, sagte Manske. (pdi) Infos: www.feldbogen-kassel.de

Von Peter Dilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.