SMA will mit neuer Produktgeneration aus der Krise – Vorstand warb um Vertrauen

Neuheiten sollen es richten

Pierre-Pascal Urbon

Niestetal / Kassel. Der große Konferenzsaal an der Dresdner Straße glich gestern der Höhle des Löwen - zumindest aus der Sicht von SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon. Auf dem bisherigen Höhepunkt der Krise, in der das Unternnehmen seit zwei Jahren steckt, trat der 44-Jährige vor 40 Kapitalmarktteilnehmer, um Unternehmensstrategie und Perspektiven aufzuzeigen. Und Analysten sind dafür bekannt, unbequeme Fragen zu stellen, was sie auch taten.

Urbon machte seine Sache gut. Er redete stundenlang frei, auf Englisch, wirkte trotz des enormen Drucks, der auf ihm lastet, locker und gut aufgelegt. Nur wer ihn gut kennt, hat seine Anspannung gespürt und gesehen, dass der Mann in letzter Zeit schlecht oder wenig geschlafen hat.

Seine Botschaft an Analysten, Investoren und Bankenvertreter: SMA hat das Problem erkannt, tritt ordentlich auf die Kostenbremse, strebt die Rückkehr in die Gewinnzone an und will mit einer neuen Generation von kompakteren, leistungsfähigeren, vor allem aber in der Produktion deutlich preiswerteren Wechselrichtern über alle Leistungsgruppen hinweg seine Weltmarktführerschaft verteidigen. So seien die Herstellungskosten eines mittelgroßen Wechselrichter-Typen in den vergangenen zwölf Monaten um 40 Prozent, die für große Geräte um 25 Prozent gesunken - allein durch einen anderen technischen Aufbau und Materialeinsparungen. Dies, die Technologieführerschaft und Internationalität sowie das Komplettangebot und der Service von SMA sicherten die Wettbewerbsfähigkeit.

Die größten Märkte machen die Niestetaler derzeit und auch für die absehbare Zukunft in Japan und den USA aus, aber auch Europa und China gehören den solaren Treibern. Etwa 80 Prozent der Produktion schickt SMA in den Export. Zum Vergleich: Im Boomjahr 2010, als die deutsche Fotovoltaik-Welt noch in Ordnung war, waren es 50 Prozent. In den USA läuft es für SMA gut, in China könnte es deutlich besser sein, in Europa sind Teilmärkte regelrecht zusammengebrochen, und im abgeschotteten Japan kommen die Niestetaler nur schwerlich ins Geschäft. Dafür entwickeln sich andernorts interessante Märkte, wie etwa in Australien, der Türkei und im Mittleren Osten.

Urbon versicherte, dass Niestetal Firmensitz und -zentrale bleibe. „Wir haben hier die besten Ingenieure der Welt, unsere Kompetenz ist einzigartig. Unser Geschäftsmodell ist intakt, wir kommen wieder“, warb er um das Vertrauen der Teilnehmer.

Analyst Johannes Ries von Apus Capital sah gestern denn auch eine Stabilisierung der Lage von SMA, auf eine Prognose mochte er sich aber nicht festlegen. Vieles hänge davon ab, wie sich die Märkte entwickelten. Ein Anleger, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: „Die Strategie kann aufgehen.“

Kapitalmarkttag

Am „Capital Markets Day“ - zu Deutsch: Kapitalmarkttag - präsentiert sich ein Unternehmen Analysten, Fondsmanagern und Bankern. Er ist also eine Informationsversanstaltung für Kapitalmarktteilnehmer. So schildert das Unternehmen seine aktuelle Lage, zeigt Perspektiven auf, stellt seine Strategie und neue Produkte vor. Hintergrund ist die Bewertung der Aktiengesellschaft. Neben dem Kapitalmarkttag legen Unternehmen während sogenannter Analytstentage ihre Zahlen und Geschäftspolitik offen. (jop)

Von José Pinto

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.