49-Jähriger muss sich erneut vor Gericht verantworten, weil weitere Verfahren anstehen

Neun Monate für Taten im Rausch

Kassel. Neun Monate muss ein 49-Jähriger hinter Gitter, der drei Mal betrunken andere Menschen bedroht, beleidigt und verletzt hat.

Ob das der Endpunkt oder nur eine weitere Station einer seit fast 30 Jahren andauernden Alkoholiker-Karriere ist, muss sich zeigen. Der Prozess vor dem Amtsgericht, der vor einem Monat begonnen hatte, gestaltete sich schwierig, nicht nur weil diverse Zeugen gehört werden mussten, sondern auch, weil der Angeklagte widersprüchliche Aussagen machte. In einem Fall bestritt er die Tat, später räumte er sie ein, um sie kurz darauf wieder zu bestreiten. Eine Anklage wurde eingestellt, zwei weitere abgetrennt und vertagt.

Richter Stefan Arenz war am Ende überzeugt davon, dass der Angeklagte im Juni 2010 betrunken in dem Mietshaus randaliert hatte, in dem er damals wohnte. Da klingelte er im Erdgeschoss Sturm, und als die Lebensgefährtin des Mieters öffnete, beschimpfte er sie. Verängstigt schloss sie die Tür, da trat er sie von außen zu Bruch. Die beiden Bewohner gaben an, der Randalierer habe gedroht, sie zu erschießen. Der Angeklagte hingegen beteuerte, nicht er, sondern sein Bruder sei ausgerastet.

Der einzige Fall, den er einräumte, war die Beleidigung eines der beiden Iraner, die im Vorjahr vor dem Rathaus wegen eines Hungerstreiks campierten.

Anders verlief die Begegnung zwischen einem Zeugen und dem Angeklagten im Oktober 2010 in den Räumen des Musikfördervereins Ölmühlenweg. Ein 36-Jähriger berichtete, der Angeklagte habe ihm eine Kopfnuss versetzt und ihn verletzt. Auch das stritt der 49-Jährige ab. Seine Version: Er habe reichlich Bier und Whisky getrunken und dann selbst eine Kopfnuss bekommen. Richter Arenz glaubte den Zeugen.

17 Vorstrafen hat der Angeklagte bisher gefangen, unter anderen fünf Jahre wegen Körperverletzung und sexueller Nötigung. Bei seinen Taten, um die es jetzt vor dem Amtsgericht ging, stand er unter Bewährung. Immer wieder spielte Alkohol eine Rolle, zwei stationäre Therapien brachten bisher nichts. Immerhin hat der Angeklagte gelernt, „dass es nichts bringt, die Probleme wegzuspülen“, sie seien hinterher oft noch größer. Deshalb wolle er die begonnene ambulante Therapie fortsetzen, versicherte er.

Richter Arenz kündigte an, dass es ein Wiedersehen geben wird, denn die beiden abgetrennten Verfahren, in denen es um Beleidigung und um Bedrohung geht, müssen noch verhandelt werden. (pas)

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