Neuwagen für VW-Mitarbeiter werden künftig in Kassel übergabefertig gemacht

Im Lichttunnel wird jeder kleinste Makel aufgespürt: Rainer Unzicker (links) vom Dienstleister Dirks Automotive bereitet im Kundencenter auf dem Werksgelände einen Golf Plus zur Auslieferung vor. Rechts Christoph Becker, Leiter des Autoverkaufs an Werksangehörige. Foto:  Schwarz

Kassel/Baunatal. Die Beschäftigten von Volkswagen in Baunatal bestellen bei ihrem Arbeitgeber jährlich etwa 16 000 neue Autos. Diese werden künftig im Industriepark Kassel-Waldau auslieferungsfertig gemacht.

Zum 1. November wird der Autoindustrie-Dienstleister Formel D dieses Geschäft übernehmen. Dazu investiert das Unternehmen 2 Millionen Euro auf dem früheren Gelände der Kurhessischen Molkereizentrale an der Falderbaumstraße.

„Wir werden etwa 90 Prozent der Gebäudefläche nutzen“, sagt Formel-D-Geschäftsführer Hans-Josef Orth, „plus das ganze Außengelände“, Dort ist Platz für 1200 neue Autos, entsprechend aufwändig plant Formel D die Sicherheitsvorkehrungen mit Zäunen und Videoüberwachung. An der Halle, die derzeit noch mit Sektionaltoren in Rampenhöhe für Lastwagen ausgestattet ist, seien umfassende Umbauarbeiten erforderlich.

40 Mitarbeiter werden Tag für Tag 100 bis 150 Fahrzeuge für die Auslieferung an VW-Beschäftigte vorbereiten. Zum Teil haben die Autos schon eine lange Reise hinter sich - 14 Tage per Schiff etwa jene Modelle, die in Mexiko gebaut wurden. Andere VWs kommen aus Spanien, Ungarn, Polen oder der Slowakei nach Nordhessen. „Bevor ein Neuwagen ausgeliefert wird, hat durchschnittlich schon ein gutes Dutzend Leute darin gesessen und das Auto bewegt, sagt Christoph Becker, Leiter des Autoverkaufs an Werksangehörige. In Waldau werden dann Folien und sonstige Schutzvorrichtungen abgenommen, die Autos werden auf Transport-Makel untersucht, grundgereinigt, betankt und erhalten eine Übergabeinspektion. Dann geht es im geschlossenen Lkw zur Auslieferung ins VW-Kundencenter auf dem Baunataler Werksgelände.

Bislang wird die Neuwagen-Aufbereitung dort noch ganz in der Nähe erledigt - an der Kupferstraße, auf halber Luftline zwischen der Haupzufahrt zum Werk und dem Autobahnkreuz Kassel-West gelegen. In den vergangenen elf Jahren hat die Emdener Firma Dirks Automotive dieses Geschäft besorgt und verfügte dazu über 1000 Pkw-Stellplätze, die direkt an das große Parkplatz-Areal des Werks angrenzen.

Dieses Gelände brauche Volkswagen künftig aber selber als zusätzliche Parkfläche, sagt Christoph Becker. Der Auftrag zur Pkw-Aufbereitung sei im vergangenen Frühjahr - wie alle drei Jahre - neu ausgeschrieben worden, und zwar mit der Maßgabe, dass sich Bieter an einem neuen Standort orientieren müssten. Unter den Interessenten sei auch der bisherige Auftragnehmer Dirks gewesen. Formel D habe schließlich aber „die schnellste und überzeugendste Lösung“ gehabt, sagt Becker. Er gehe davon aus, dass ein großer Teil der bisher in der Neuwagenaufbereitung Beschäftigten zu dem neuen Auftragnehmer wechseln werde.

Das Unternehmen aus dem rheinischen Troisdorf ist mit VW Baunatal bereits auf dem Sektor Qualitätskontrolle im Geschäft. Formel D will den Standort in Waldau zum 1. August übernehmen. Auf dem bisherigen Neuwagen-Abstellplatz nahe der Kupferstraße werden VW-Mitarbeiter ab 1. November 1000 zusätzliche Parkflächen nutzen können. Die brauche man auch, sagt Werkssprecher Rudi Stassek: Zum einen sei der Personalstamm deutlich gewachsen - aktuell arbeiten 16 200 Menschen im Werk, das sind gut 2000 mehr als vor fünf Jahren. Zum anderen seien die Schichtsysteme flexibler geworden, so dass es für viele schwieriger geworden sei, Fahrgemeinschaften zu bilden.

Eine noch stärkere Aufwärtsentwicklung hat der Neuwagenvertrieb an Werksangehörige genommen. Wurden 2005 noch insgesamt 9000 Autos an die Belegschaft ausgeliefert, so rechnet Kundencenter-Leiter Christoph Becker für dieses Jahr mit 16 000 Fahrzeugen, zuzüglich 2500 Dienstwagen. Immer mehr der Belegschaftswagen würden geleast, der Anteil solcher Fahrzeuge mit Wolfsburger Kennzeichen belaufe sich aktuell auf etwa 85 Prozent.

Das Leasinggeschäft mit Werksangehörigen sei ein zunehmend wichtiger Absatzkanal für die Neuwagen des Konzerns, sagt Becker. Auch Haushaltsmitglieder der VW-Mitarbeiter könnten solche Fahrzeuge zu Sonderkonditionen beziehen. Und mit speziellen Leasingangeboten für Auszubildende mache es VW möglich, dass sich schon Berufseinsteiger mit frisch erworbenem Führerschein ihren Auto-Traum erfüllen könnten, ohne sich mit hohen Bargeldsummen oder Finanzierungsbeträgen zu binden.

Von Axel Schwarz

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