Sport, mehr Gelassenheit und viel mehr Liebe

Vorsätze 2022: Das haben sich Kasseler für das neue Jahr vorgenommen

Sebastian Klein (von links), Frederik Siebold und Tim Gude liefen gestern wie viele andere durch die Karlsaue Kassel.
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Sie haben das neue Jahr mit Sport begonnen: Sebastian Klein (von links), Frederik Siebold und Tim Gude liefen gestern wie viele andere durch die Karlsaue. Das Blöde bei guten Vorsätzen: Oft werden sie nicht lang durchgehalten.

Welche Vorsätze haben Sie für 2022? Das haben wir Prominente und andere Kasseler gefragt. Die Antworten sind überraschend.

Ilana Katz (59, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde): Für 2022 nehme ich mir vor, mehr an die Gerechtigkeit zu glauben. Mir keine Sorgen wegen Unwichtigkeiten zu machen und die kleinen Dinge im Leben zu genießen. Außerdem will ich mehr Zeit zum Malen finden.

Lars Bode alias DJ Lars Palmas (55, DJ, Verkäufer in der Tonträgerabteilung von Saturn): Ich möchte endlich wieder die Menschen mit meiner Musik glücklich machen, sie tanzen lassen, ekstatisch, so wie vor Corona. Weiterhin soll unsere Wohnung schöner werden. Da ich handwerklich nicht sehr geschickt bin: Vielleicht besuche ich an der Volkshochschule einen Heimwerkerkurs.

Sabine Wackernagel (74, Schauspielerin): Ich möchte im neuen Jahr gar nichts anders machen. Ich genieße meine immer größer werdende Familie und ich bin dankbar dafür, dass ich so viele gute Freundinnen und Freunde habe. Außerdem werde ich auch 2022 nicht andauernd jammern und meckern, sondern weiterhin alle Menschen hier und überall auf der Welt bewundern, die trotz Krieg Elend und Krisen mit Mut, Kreativität, Fantasie und Empathie unser Leben zu verbessern versuchen.

Timon Gremmels (45, SPD-Bundestagsabgeordneter): Mir ist es wichtig, Entscheidungen der Politik und ihre konkreten Auswirkungen noch besser zu erklären und so nachvollziehbarer zu machen. Darüber hinaus will ich meinen Beitrag dazu leisten, die zunehmend gespaltene Gesellschaft nach dem Ende der Pandemie wieder zusammenzuführen. Privat will ich ein paar Kilos abnehmen. Dadurch, dass das jetzt in der HNA steht, erhöht das den Druck auf mich.

Evelin Höhne (51, Malerin): Mein Plan für das neue Jahr ist ganz einfach: eine kleine Portion Extraglück und die Zeit unvergesslich machen, nicht mehr so genervt sein. Und vielleicht eine Sofortrente gewinnen.

Christopher Posch (45, Anwalt): Eigentlich halte ich ja nicht so viel von Neujahrsvorsätzen, aber für 2022 habe ich mir vorgenommen, mir Zeit zu nehmen, um einen tollen, interessanten documenta-Sommer zu verbringen. Corona hin oder her.

Thomas Bockelmann (66, ehemaliger Intendant des Staatstheaters): Ich nehme mir vor, den Menschen meine Fehler besser zu verzeihen. Ich möchte Freundschaften pflegen, achtsam und zugewandt durchs Leben gehen und schreiben. „Alles, was lange wärt, ist leise…“ (Ringelnatz)

Christian Geselle (45, Kasseler Oberbürgermeister): ich bin kein Freund des Brauchs, gute Vorsätze zum Jahreswechsel vorzunehmen und diese womöglich nach wenigen Wochen wieder über den Haufen zu werfen. Ich versuche, meinem Wertekompass stetig zu folgen und überdenke diesbezüglich mein Handeln unabhängig irgendwelcher Fristen.

Marc Kosicke (50, Sportmanager, Berater von Jürgen Klopp): Ich will weniger Zeit am Handy und mehr in der Sonne sowie bei Fußball-Jugendspielen in der Region und auf dem Tennisplatz verbringen – und in der Ankleide immer das Licht ausmachen.

Yvonne Ransbach (46, Moderatorin): Ich will unsere Autos zum Wohle des Familienfriedens nicht wie einen Saustall hinterlassen, mehr Energie in die bisher nicht ganz erfolgreiche Erziehung des Hundes stecken und beim Golf Handicap 25 erspielen. Außerdem werde ich ein weiteres Familien-Sabbatical in Kapstadt vorbereiten.

Peter Dams alias Brian O’Gott (57, Comedian): Ich möchte gerne jedem Stadtteil von Kassel ein kleines vertontes Gedicht widmen. Und ich würde gern den Entwickler der Legobausätze meiner Kinder (die mit den winzigen Teilen) zu seinem Geschäftssinn beglückwünschen und ihm eine reinhauen.

Boris Mijatovic (47, Grünen-Bundestagsabgeordneter): Für 2022 ist mein Vorsatz ein Besuch meiner Verwandten in Bosnien-Herzegowina. Eine Cousine hat geheiratet, ein Onkel ist verstorben. In den letzten zwei Jahren hat Covid das Reisen leider massiv eingeschränkt. Ich hoffe, dass dies im neuen Jahr wieder besser möglich ist.

Laura Hottenrott (29, eine der besten deutschen Marathonläuferinnen): Für 2022 habe ich mir vorgenommen, meine Doktorarbeit Anfang des Jahres einzureichen. Mein sportliches Ziel ist es, bei der Europameisterschaft im August in München meine beste Leistung zu zeigen und mit dem deutschen Team um eine Medaille zu laufen. Desweiteren möchte ich mich nicht zu sehr über Dinge ärgern, die ich nicht ändern kann, und mehr positive und weniger negative Nachrichten konsumieren.

Timo Israng alias Dark Vatter (46, Musiker): Nach zwei nicht nur für uns Bühnenkünstler herausfordernden Jahren lautet mein guter Vorsatz: Nicht den Glauben an die Menschheit verlieren! Kobb hohr un nidd unnerkrijjen lassen!

Sebastian Schulze-von Hanxleden (51, Chef der Veranstaltungstechnikfirma Ton Direkt): Ganz oben auf der Liste steht mehr private Gelassenheit, endlich Sport, im richtigen Moment öfter mal die Klappe halten sowie viel bewusste Zeit mit meiner Familie und für mich, für mehr frische Luft und Lebensqualität. Beruflich sehne mich nach Events und Messen ohne pandemiebedingte Einschränkungen, und ich hoffe auf mehr Sonne als 2021.

Thorsten Bauer (44, Ex-Fußballer und Geschäftsführer der Barmer-Geschäftsstelle): Ich will mehr auf die Gesundheit unserer Familie achten und persönliche Beziehungen mehr pflegen. Wir haben im letzten Jahr eindrucksvoll gezeigt bekommen, wie wertvoll Gesundheit ist und wie wichtig es ist, sein Leben immer zu genießen.

Manuela Strube (41, seit dem 1. Januar Bürgermeisterin von Baunatal): Ich will mich schnell in meinem neuen Amt einarbeiten. Privat möchte ich ausreichend Zeit mit meiner Familie und Freunden verbringen, welche zuletzt zu kurz gekommen sind. Und ein Vorsatz gilt jedes Jahr: Pünktlichkeit.

Bernd Gieseking (63, Kabarettist): Ich will eigentlich nichts anders machen. Viele gute Vorsätze, das kann ja auch bedeuten, dass im abgelaufenen Jahr vieles schief gelaufen sein könnte. Darum schau ich gerne auf das Schöne vom letzten Jahr und versuche, das fortzuführen. Bei mir ist das überraschend wieder Sport. Ich habe mir schon mehr als zehn Kilo runtergeschwommen, da will ich weiter machen. Glück liegt für mich in der Bewegung, auch im Wandern. Vor zwei Jahren war ich auf der Zugspitze, letztes Jahr eine Alpenüberquerung. Ich knobele gerade am Ziel, an der Herausforderung für 2022.

Maren Matthes (57, Geschäftsführerin Kultursommer Nordhessen): Der Klassiker: Zweimal die Woche richtig sportlich sein. Der philosophische Vorsatz: Die Gelassenheit bewahren, was immer das Leben auch bringt. Der berufliche Vorsatz: Immer eine Schlechtwettervariante parat haben.

Ronny Blume (40, ehrenamtlicher Übungsleiter bei der WVC Kassel): Ich suche für mich als Rollstuhlfahrer immer noch eine berufliche Tätigkeit. Mit 40 Jahren ist das schwierig. Ehrenamtlich will ich mich weiter für Menschen engagieren, die noch mehr beeinträchtigt sind, als ich es bin. Außerdem will ich meine Ausbildung zum Woga-Instructor nachholen. Da macht man Yoga auf dem SUP-Board.

Bernhard Schüler (42, Pianist des Jazz-Trios Triosence): Nach Monaten der Arbeit am Computer rund ums neue Album werde ich endlich wieder mehr Klavierspielen und neue Songs komponieren. Aus dem gleichen Grund will ich wieder mehr Sport machen – außerdem umziehen, am liebsten nach Ahnatal.

Ronja Block (33, Tätowiererin, ehemals bei Jenny B’s Tattoo): Ich werde im neuen Jahr noch mehr Liebe leben, Liebe teilen und Liebe empfangen. Mit meiner Tochter werde ich Hochbeete anlegen und Heilkräuter pflanzen. Ich werde mir ein Harmonium zulegen und Mantren singen. Für die Umwelt, die Tiere und meine Gesundheit werde ich mich noch mehr roh-vegan ernähren. Mein Ziel ist es, Social Media nur noch einmal im Monat für fünf Tage zu nutzen.

Sabine Schormann (60, documenta-Geschäftsführerin): Mein guter Vorsatz 2022 ist, mit Ruangrupa und dem großartigen, engagierten Team die documenta fifteen trotz der widrigen Corona-Umstände so vorzubereiten, dass wir im Sommer gemeinsam mit ganz Kassel und vielen Besuchern und Besucherinnen aus aller Welt die Umsetzung des Lumbung-Konzepts erleben und genießen können.

Markus Knierim (59, Betreiber des Live-Clubs Theaterstübchen): Die Zeiten der Vorsätze sind schon lange vorbei. Das hat eh nie geklappt. Wenn ich etwas ändern wollte, habe ich das sofort gemacht und nicht erst gewartet, bis das neue Jahr kommt. Aber ich habe einen Wunsch: Ich wünsche uns allen unser normales Leben zurück und dass endlich wieder andere Dinge als Corona im Vordergrund stehen. Und ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit meinem Vater seinen 90. und meinen 60. Geburtstag feiern zu können.

Wolfgang Schroeder (61, Politik-Professor): Mit  über 60 sind Vorsätze kein Thema; Wünsche ja. Ich wünsche mir weiterhin die Kraft, das umzusetzen, was mich begeistert. Studierende mit der toleranzbegabten Idee der Demokratie zu begeistern, um zum Beispiel die Weiterentwicklung des Sozialstaates voran zu bringen. Die Universität Kassel ist dafür ein idealer Ort.

Mehmet Göker (42, Versicherungsunternehmer, der in der Türkei lebt): Jemand, der Änderungen in seinem Leben von einem Datum abhängig macht, wird sie niemals erreichen. Ich will 2022 neue Kulturen kennenlernen und werde das erste Mal in meinem Leben nach Australien und Südamerika reisen. Definitiv werde ich nächstes Jahr auch nach Deutschland kommen - in Kassel freue ich mich auf eine Krakauer. 

Rusko Star (33, Multitalent): Meine Vorsätze für 2022 sind noch selbstbewusster, stärker, mutiger und generell hotter zu werden. Aber das werde ich eh immer. Deswegen wünsche ich all das vor allem Deutschland. Ich möchte mehr Menschen inspirieren, so zu sein, wie ich. Wow ich bin so ein guter Mensch einfach dass ich das mit euch teile. Oh, und mehr Cabrio fahren habe ich mir auch noch vorgenommen.

Moritz Wesseler (42, Direktor des Fridericianums): Auf das neue Jahr freue ich mich voller Hoffnung und Zuversicht! Die Spielpause des Fridericianum nutze ich für intensive Recherchen, sodass unser Programm unmittelbar nach der documenta fifteen wieder starten kann. Dabei soll es in gewohnter Weise die zentralen Fragen der Kunst der Gegenwart und damit einhergehend des gesellschaftlichen, insbesondere nachhaltigen Lebens reflektieren. Apropos documenta – Natürlich bin ich sehr auf die kommende Großausstellung gespannt. Sie verspricht eine Vielzahl innovativer Impulse zu geben – nicht nur für den Kunstbetrieb. 

Katharina Koch (35, Fleischermeisterin): Für 2022 wünsche ich mir, dass unsere wunderbare regionale Spezialität, die Ahle Wurst, auch über die Grenzen Nordhessens hinaus noch bekannter wird. Im Documenta-Jahr sehe ich dafür sehr gute Chancen. Und ich möchte mich auch weiterhin als Botschafterin unserer schönen Region und unseres Handwerks engagieren.

Matthias Gibert (61, Krimi-Schriftsteller): Zum einen ist da der Gedanke, mit etwas wacheren Augen durch das Leben zu gehen. Wie leben in einem der schönsten und sichersten Länder der Welt und ich habe mich dazu entschlossen, mir diese Tatsache 2022 noch deutlich mehr zu vergegenwärtigen als bisher. Weiterhin werde ich das Jahr dazu nutzen, endlich die beiden Themen Patientenverfügung und Testament abzuschließen. Das habe ich bisher, trotz immer wieder aufkommender mahnender Stimmen, erfolgreich prokrastiniert.

Katja Friedenberg (36, Sängerin): Ich nehme mir für 2022 vor, meine Vorsätze auch durchzuziehen. Vor allem, wenn es darum geht, meine Freunde und Familie zu sehen, wann immer möglich. Das war auch schon vor der Pandemie zu kurz gekommen. Und für den Fall, dass doch nicht immer so geht, habe ich hier schon ein neues Instrument stehen, dass ich dieses Jahr lernen möchte. Beim nächsten Konzert dann vielleicht schon mit kleinem Theremin-Feature.

Claudia Grünert (49, Yoga-Lehrerin, Kassel.Yoga): Das Leben genießen in vollen Zügen, es ist ein Geschenk, und nichts ist selbstverständlich. Wichtig sind Respekt, Demut und Leichtigkeit.

Steffi Schürmann (35, Geschäftsführerin der Neuen Denkerei): Mit der Neuen Denkerei wollen wir nach zwei Jahren Sparflamme, endlich wieder richtig durchstarten. Wir wollen ganz viel neues Denken und jede Menge Spaß am Arbeiten nach Nordhessen bringen. Weil wir doch alle, auch die meisten Unternehmen, gemerkt haben, dass es an der Zeit für neues Denken ist, denn die alten Wege funktionieren nicht mehr. 

Patrick Weilbach (34, Vorstand von Piper Deutschland): Ich will etwas weniger Projekte zeitgleich vorantreiben und wieder mehr Zeit in die persönliche Entwicklung investieren. Allerdings ist dies eher der Wunsch, da es ein forderndes Jahr wird, in dem es gilt, sich im Spannungsverhältnis zwischen Inflation und der Gier an den Finanzmärkten auf schwierige Zeiten einzustellen und die Firma und private Vermögenswerte darauf vorzubereiten. Daher lautet der Vorsatz nicht der zu Beginn gewünschten Bequemlichkeit zu verfallen.

Kattia Vides (33, Realitiy-TV-Star, Influencerin): Ich möchte mehr Zeit mit meiner kolumbianischen Familie verbringen und meine beruflichen Weiterbildungen schnell abzuschließen.

Steve Turn (40 plus, Betreiber des Techno-Clubs Kleiner Onkel): 2021 war eine Katastrophe in Sicht aufs Kulturleben, im Speziellen aufs Club-Leben. Wir können nur hoffen, dass es besser wird und sich die zuständigen der Stadt mal wirklich der Sache annehmen und unsere Branche unterstützen. (Matthias Lohr)

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