Fragen & Antworten

Steuerhinterziehung: Nicht nur Bonzen tricksen

Befreit das Gewissen und bringt Straffreiheit: Die Zahl der Steuerhinterzieher in der Region, die eine Selbstanzeige erstattet haben, hat sich im vergangenen Jahr nahezu vervierfacht. Steuerfahnder gehen davon aus, dass der Anstieg mit der Berichterstattung zur Selbstanzeige von Bayern-Manager Uli Hoeneß zusammenhängt. Foto: dpa

Kassel. 511 Steuersünder aus Nordhessen sind vergangenes Jahr dem Beispiel von Bayern-Präsident Uli Hoeneß gefolgt und haben sich beim Finanzamt selbst angezeigt. Wir beantworten mithilfe der Oberfinanzdirektion Frankfurt, die für den Bereich Kassel und Nordhessen zuständig ist, Fragen zum Thema.

? Wie macht man eigentlich eine Selbstanzeige? 

!Dazu muss man schriftlich beim zuständigen Finanzamt die Beträge nacherklären, die bisher in den Steuererklärungen nicht angegeben worden sind. Vorgelegt werden müssen auch Belege, zum Beispiel die Unterlagen von Auslandskonten.

? Bleibt jede Steuerhinterziehung bei Selbstanzeige straffrei? 

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!Nicht unbedingt. Die Bußgeld- und Strafsachenstelle des Finanzamts leitet in jedem Fall ein Steuerstrafverfahren ein. Wenn die Tat zum Zeitpunkt der Selbstanzeige noch nicht entdeckt war, der Steuerbetrug vollständig erklärt wurde und die hinterzogene Steuer pro Jahr und Steuerart 50 000 Euro nicht übersteigt, wird das Strafverfahren in der Regel eingestellt. Bei höheren Beträgen kann das Verfahren eingestellt werden, wenn der Steuerpflichtige zusätzlich fünf Prozent der hinterzogenen Steuer an die Staatskasse zahlt.

? Wer muss mit Strafe rechnen? 

!Wenn die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Straffreiheit (Paragraf 371 der Abgabenordnung) nicht erfüllt sind, wird der Steuersünder bestraft. Und natürlich, wenn die Steuerfahnder ihm unabhängig von einer Selbstanzeige auf die Schliche kommen. Es drohen Geldstrafen und Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren, in besonders schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahren.

? Wer sind die Steuerhinterzieher? 

!Nicht, wie man denken könnte, nur die oberen Zehntausend. Zwar kommt man bei den 511 Selbstanzeigern in Nordhessen auf einen Durchschnittsbetrag von 70 400 Euro an hinterzogenen Steuern. Der relativ hohe Betrag komme aber durch einige „dicke Brocken“ zustande, sagte ein Sprecher des Oberfinanzdirektion. Bei der Mehrzahl der Fälle handele es sich um geringere Summen. Steuersünder gebe es in allen Gesellschaftsgruppen. Selbst Durchschnittsverdiener hätten schon versucht, Geld auf Auslandskonten vor dem Fiskus zu verstecken.

? Um was für Fälle handelt es sich in der Regel? 

!In der überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich um Hinterziehung von Einkommenssteuer. Der Klassiker ist, dass Kapital auf Konten im Ausland angelegt wird, vor allem in der Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein. Bayern-Präsident Uli Hoeneß, prominentester Selbstanzeiger im vorigen Jahr, hatte sich Anfang 2013 dem Finanzamt offenbart, als klar war, dass das Steuerabkommen mit der Schweiz scheitert.

Wie er hatten bis dahin viele Deutsche mit Schwarzgeld in der Schweiz gehofft, ihre Steuerschulden über die Schweiz bereinigen zu können – unter Wahrung der Anonymität.

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