Nicht einfach: Auch nach Privatinsolvenz kann es Probleme mit Banken geben

Kassel. Arbeitslosigkeit oder Krankheit, Ratenkäufe ohne Überblick oder gescheiterte Hauskäufe – viele Wege führen in die Überschuldung. Ein möglicher Ausweg ist die Privatinsolvenz. Am Ende steht der finanzielle Neuanfang, doch das bedeutet nicht, dass ehemalige Schuldner keine Probleme mehr haben.

Das hat ein 55-jähriger Kasseler erlebt. Er ist durch die Privatinsolvenz gegangen und war einer von 373 Menschen, denen das Amtsgericht Kassel 2011 eine Restschuldbefreiung erteilt hat. Beim Abschluss des Insolvenzverfahrens nach sechs Jahren mussten die Gläubiger ihr Geld abschreiben. Kein Guthabenkonto Seine bisherige Bank, die Kasseler Sparkasse, wollte den 55-Jährigen nach seiner Aussage nicht mehr als Kunden behalten.

Auch andere regionale Banken hätten ihm kein Konto eröffnet – auch keines nur auf Guthabenbasis für das Hartz-IV-Geld und den Lohn aus einem Nebenjob. Erst die Postbank habe ihn aufgenommen. Drei Jahre bleibt die Insolvenz in der Kredit-Datenbank Schufa gespeichert. „Solche Fälle gibt es immer wieder“, sagt Eva Raabe, Leiterin der Verbraucherzentrale Nordhessen.

Sie kennt die Probleme von Menschen ohne Konto: „Dann kann man gar nicht arbeiten. Wo soll das Geld hin?“ Viele versuchten es über die Bankverbindung des Partners oder andere Notlösungen. Einen Rechtsanspruch auf ein Konto gibt es nicht. Raabe hofft auf eine EU-Regelung, die das Problem endgültig löst. Derzeit bieten die Banken zwar ein Jedermann-Konto auf Guthabenbasis an, aber nur aufgrund einer Selbstverpflichtung. Lediglich den hessischen Sparkassen ist es gesetzlich vorgeschrieben.

Das gelte aber nicht, wenn der Kunde für die Sparkasse unzumutbar sei, sagt Sparkassen-Pressesprecher Michael Krath – zum Beispiel wenn er seine Schulden nicht zurückgezahlt hat. „Das ist auch zum Schutz all jener Kunden, die ihre getroffenen Vereinbarungen einhalten“, sagt Krath, der sich wegen des Bankgeheimnisses nicht zum Fall des 55-Jährigen äußerte.

Die Sparkasse sei bemüht, dass ihre Kunden erst gar nicht so hohe Schulden aufhäufen, sagt Krath. Und selbst wenn es zur Insolvenz komme, sei die Kündigung nicht automatisch: „Ein Girokonto kann im Einzelfall auf Guthabenbasis weitergeführt werden, wenn der Insolvenzverwalter zustimmt und keine Forderungen seitens der Sparkasse bestehen.“ Martina Göbel von der Schuldenberatungsstelle der Stadt kann das nachvollziehen. Generell sei die Sparkasse „sehr schuldnerfreundlich“. Nur wenn sie selbst Gläubiger bei einer Privatinsolvenz sei, werde es wie bei anderen Banken schwierig.

Von Marcus Janz

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