Einige werden sofort bedient, andere müssen warten

Neue Hauptpost: Ungleiche Behandlung der Kunden?

Zentraler Post-Standort: Die Neue Hauptpost an der Unteren Königsstraße, die offiziell Postbank-Finanzcenter heißt. Foto:  Herzog

Kassel. Gibt es in der Neuen Hauptpost an der Unteren Königsstraße Kunden erster und zweiter Klasse? Postkunde Jörg Fricke hat diesen Eindruck gewonnen.

Als er wie andere Besucher lange und geduldig in der zentralen Warteschlange angestanden hat, beobachtete der Kasseler zu seiner Verblüffung, wie mehrere andere Kunden direkt zu einem der Schalter marschiert sind - und dort ohne Wartezeit prompt bedient wurden.

Die Postbank, Betreiberin des Dienstleistungsgebäudes, bestätigte auf HNA-Anfrage, dass es diese Praxis gibt. Eine Bevorzugung oder Herabsetzung bestimmter Kundengruppen sei zumindest nicht beabsichtigt, beteuerte eine Sprecherin.

Fricke jedenfalls findet das empörend. Zumal für keinen der Wartenden erkennbar sei, was sich da eigentlich abspielt. Er habe in der Mittagspause ein Postgeschäft erledigen wollen, wie häufig um diese Zeit sei die Filiale sehr voll gewesen: „Fast 20 Minuten habe ich Schlange gestanden.“

Jörg Fricke

Von sechs Schaltern sei etwa die Hälfte mit Postmitarbeitern besetzt gewesen. Als er schließlich an vorderste Stelle vorgerückt war, sei der Schalter rechts außen frei geworden. Doch nicht Fricke kam zum Zuge, sondern ein anderer Kunde, der vom Eingang schnurstracks dorthin marschierte. Als dieser bedient war, sei gleich der nächste Seiteneinsteiger gekommen und etwa zwei Briefsendungen in kürzester Zeit losgeworden. „Das ist ja wie in der Apartheid“, schimpft Fricke, der weder Verständnis noch eine Erklärung für die beobachtete Vorzugsbehandlung hat.

Von einem Postmitarbeiter, der ihn schließlich aufrief, forderte Fricke Aufklärung. Das seien eben Firmenkunden, sei er bündig beschieden worden. Einleuchtend findet Fricke das nicht: „Die hatten ja nur ein, zwei Umschläge dabei und keine großen Postmengen.“ Da könne ja jeder kommen und sagen, dass er ein Geschäft betreibe, um sich 20 Minuten Wartezeit zu ersparen.

Iris Laduch- Reichelt

Postbank-Sprecherin Iris Laduch-Reichelt räumte ein, sie könne die Irritation des Kunden nachvollziehen. Zur Erklärung sagte sie, es gebe an anderer Stelle im Haus eine spezielle Einlieferungsstelle für Großkunden, die allerdings nur vormittags und am späten Nachmittag geöffnet sei. „Eine durchgehende Öffnung lohnt sich für uns nicht“, sagte die Sprecherin. Als Service für die Firmenpost-Lieferanten, die den Filialmitarbeitern persönlich bekannt seien und teils mehrfach täglich kämen, gebe es das informelle Abkommen, dass sie zwischendurch kleinere Sendungsmengen direkt am rechten Schalter abgeben dürften. Eine besondere Kennzeichnung gebe es dort nicht.

Die Kritik, dass dies aus Sicht anderer Kunden „nach Kungelei aussieht“, leuchte ihr ein, sagte Laduch-Reichelt. Sie wolle die zuständige Fachabteilung bei der Postbank darauf aufmerksam machen, „dass diese gelebte Praxis in den Filialen einen negativen Eindruck hervorruft“. Für das Unternehmen „gibt es keine Kunden 1. und 2. Klasse“, betonte die Postbank-Sprecherin.

Es könne auch bespielsweise kein Zahnarzt ankommen und auf einer Bevorzugung als Firmenkunde bestehen: „Da gibt es Verträge mit der Post, bei denen man schon gewisse Mindestmengen bringen muss.“

Von Axel Schwarz

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