Neu gegründeter Verein möchte rhetorische Fähigkeiten in Kassel fördern – auch Wettkämpfe geplant

„Nicht labern, debattieren!“

Haben Spaß am Debattieren: Gökcan Göksu (links) und Ufuk Olgun, die kürzlich den Debattierclub Kassel gegründet haben. Foto: Holscher

Kassel. Das lateinische Motto des Vereins klingt schon etwas nach Zündstoff: Bellum verborum – Krieg der Worte. „Manchmal werden einige bei den Debatten schon emotional“, sagt Gökcan Göksu, der den Debattierclub mit Ufuk Olgun jetzt gründete und ihm vorsteht. Darum ginge es in ihrem Verein aber nicht. Im Debattierclub sollen vor allem die rhetorischen Fähigkeiten trainiert werden. „Jeder, der einen offenen Geist und ein großes Mundwerk hat, kann mitmachen“, sagt Göksu.

Der 30-jährige Ufuk Olgun hat schon an Debattierveranstaltungen in anderen Städten teilgenommen. „Es wird nicht viel gelabert, sondern zu bestimmten Themen debattiert“, sagt Olgun, der sein Studium der Politikwissenschaften abgeschlossen hat und jetzt an der Uni Kassel promoviert. Die Themen könnten dabei ganz unterschiedlich sein, zum Beispiel: Todesstrafe ja oder nein?

„Außerdem macht es einfach unheimlich Spaß, gegeneinander anzutreten.“

Ufuk Olgun

Die beiden haben schon häufiger beobachtet, dass die Menschen nicht mehr argumentieren können. Deshalb wollen sie den Verein in Kassel etablieren. „Außerdem macht es einfach unheimlich Spaß, gegeneinander anzutreten“, sagt Olgun. Auf die Teilnehmer warten dabei mehrere Herausforderungen: Erst einige Minuten bevor die Debatte losgeht, wird ihnen das genaue Thema genannt – eine Vorbereitung ist kaum möglich. In der Debatte gibt es dann eine Regierung und eine Opposition, die gegeneinander antreten. Beide Seiten bestehen aus mehreren Rednern und vertreten jeweils eine Meinung. „Da fliegen dann auch mal die Fetzen, aber am Ende gibt man sich die Hand und alles ist gut“, sagt Olgun.

Anschließend entscheidet eine Jury oder das Publikum, welche Seite überzeugender war. Bewertet werden Auftreten, Stimme, Haltung und Argumente.

Der Unterschied zu einer normalen Diskussion bestehe in den Regeln, der die Debatte folgt: „Bei einer alltäglichen Diskussion sprechen die Menschen aus der eigenen Erfahrung und am Ende gibt es kein Ergebnis“, sagt Olgun, der in Berlin aufwuchs. Bei einer Debatte müsse überzeugend argumentiert werden. „Teilweise auch gegen die eigenen Ansichten – es kann also vorkommen, dass man eine Meinung vertreten muss, die man nicht teilt“, sagt der 28-jährige Gökcan Göksu, der in Kassel Politikwissenschaften studiert.

„Und nebenbei lernt man , wie man besser und sicherer auftreten kann“, sagt Göksu. Das helfe einem zum Beispiel in Bewerbungsgesprächen. Wenn es gut läuft, will der Verein auch Politiker zu Showdebatten einladen und Turniere veranstalten, die beispielsweise vom Zeitverlag gesponsert werden.

Debattiert wird mittwochs im Raum 0212 der Uni Kassel an der Nora-Platiel-Straße 6, ab 19 Uhr. Der genaue Termin des nächsten Treffens wird auf der Homepage bekannt gegeben: http://zu.hna.de/debatte1501

Von Max Holscher

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