Gericht verurteilte 22-Jährigen zum zweiten Mal wegen Drogenhandels, beließ es aber bei erster Strafe

Nicht mehr, aber auch nicht weniger

Kassel. Mit 220 Kilogramm Haschisch, 135 Kilo Amphetaminen und 90 000 Extasy-Tabletten hat ein 22-Jähriger einen schwunghaften und durchaus gewinnbringenden Handel aufgezogen.

Doch das ist nur ein Bruchteil seiner Drogengeschäfte zwischen 2008 und 2009. Bereits im vergangenen Jahr hatte er vor dem Landgericht eingeräumt, im großen Stil mit Drogen gehandelt zu haben. Deshalb war er zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Da sich im Nachhinein weitere Taten aus diesem Komplex offenbart hatten, saß er nun ein zweites Mal auf der Anklagebank. Die Strafe blieb dieselbe.

Nach seiner Festnahme hatte er bei der Polizei die Namen seiner Dealer und des Kurierfahrers, der den Stoff aus Holland nach Kassel brachte, verraten. Sie sind dingfest gemacht worden und hatten den 22-Jährigen als Abnehmer verpfiffen. So kam noch mehr ans Tageslicht als durch sein Geständnis schon bekannt war

Mit 18 hatte der Angeklagte seine Karriere als Drogenhändler gestartet. Sein größter Deal sollten 130 Kilo Cannabisharz - in einem Wohnmobil aus Marokko nach Deutschland geschmuggelt - werden. Doch bei einer Kontrolle wurden die Kuriere geschnappt. Wegen dieses und weiterer Deals war der 22-Jährige 2010 vom Landgericht zusätzlich wegen Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Bei einem seiner Geschäfte hatten Kunden während der Übergabe Pistolen gezückt und waren ohne zu zahlen verschwunden. Er machte denjenigen ausfindig, der seiner Meinung nach für das geplatzte Geschäft verantwortlich war und beauftragte eine Gruppe von Schlägern, aus ihm heraus zu prügeln, wo sich die Drogen befanden.

Jetzt räumte der 22-Jährige auch die neuerlichen Vorwürfe ein. In der Haft besann er sich offenbar darauf, dass der Drogenhandel nicht der richtige Weg ist: Er arbeitet als Geselle in der Anstaltsküche und hat sich bei der IHK für einen Meisterlehrgang als Koch beworben. „Mein Ziel ist, in den offenen Vollzug zu kommen, und wenn es mit dem Meister nicht klappt, will ich wenigstens Fachabitur machen.“

Er war vor anderthalb Jahren von derselben Kammer des Landgerichts verurteilt worden, die jetzt über die neuen Vorwürfe befinden musste. „Wir sehen nicht, weshalb wir jetzt eine höhere Strafe aussprechen sollen“, sagte der Vorsitzende Richter mit Verweis darauf, dass die nun angeklagten Taten zu einem alten Komplex gehören. Die bisherige Haft, so der Richter, habe offenbar Wirkung erzielt. Deshalb blieb es bei dem Urteil aus dem Vorjahr. (pas)

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