Nichts für Warmduscher: Feuerwehr probte die Eisrettung

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Rettung mit einer aufblasbaren und schwimmfähigen Einsatztrage: Feuerwehrmann Erik Marka zieht seinen Kollegen Artur Berger, der bei der Übung das Opfer spielte, aus dem eiskalten Bugasee.

Kassel. Obwohl die Eisflächen in Kassel nicht zum Eislaufen freigegeben sind, probt die Kasseler Berufsfeuerwehr den Ernstfall: Die Eisrettung.

Auch wenn es zu verlockend aussehen mag: Es ist verboten, die Eisflächen auf der Fulda und die zugefrorenen Seen in der Stadt zu betreten. Seit den 1980-er Jahren werden in Kassel diese Flächen nicht mehr offiziell freigegeben.

Nichtsdestotrotz gibt es immer wieder Erwachsene und Kinder, die sich aufs Eis wagen. Sollten das Eis zu dünn werden und die Personen einbrechen, dann ist hoffentlich jemand in der Nähe, der die Feuerwehr rufen kann. Die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr üben in diesen Tagen die Eisrettung, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.

„Wir haben vorhin einen Radfahrer gesehen, der über den Bugasee gefahren ist“, sagt Sebastian Opper. Er leitet am Samstagvormittag an der Seglergaststätte eine Eisrettungsübung. Dafür haben die Feuerwehrleute zunächst etwa 15 Meter vom Ufer entfernt mit einer Axt ein Loch ins Eis geschlagen.

Artur Berger und Erik Marka sind in vollisolierte und wasserdichte Rettungsanzüge gestiegen. „Solche Anzüge werden auf Ölbohrinseln getragen“, sagt Opper. „Darin könnte man stundenlang auf dem offenen Meer treiben.“

Sollte jemand Eis einbrechen, würden die beiden Feuerwehrmänner versuchen, zu dem Loch zu gelangen, um ihn rauszuholen. Am Samstagvormittag muss einer der beiden Männer im Schutzanzug das Opfer spielen. In das kalte Wasser möchte nämlich niemand freiwillig ohne diesen Anzug steigen.

Feuerwehr übt Eisrettung: Nichts für Warmduscher

Artur Berger stellt sich als Opfer zur Verfügung und geht in die kalte Buga. Sein Kollege Erik Marka krabbelt derweil mit einem Rettungsboard auf allen vieren zu der Einbruchsstelle. Es gehe darum, auf dem Eis das Gewicht gut zu verteilen, erklärt Opper. Schließlich wollen die Feuerwehrleute, die mit einem Seil von Kollegen an Land gesichert werden, nicht selbst einbrechen. An der Einbruchsstelle schiebt Marka das Board in Richtung des Kollegen, damit der sich dort festhalten kann. Es sei wichtig, dass die Feuerwehrleute den Opfern ein Hilfsmittel hinhalten und nicht die Hand, sagt Opper. „Ein Hilfsmittel kann man loslassen, die eigene Hand nicht.“

Diese Rettung funktioniert einwandfrei. Aber was passiert, wenn das Opfer nicht mehr an der Einbruchsstelle zu sehen ist?

Dann kommen die Feuerwehrtaucher zum Einsatz. Der erste Taucher geht ins Wasser, der Sicherheitstaucher bleibt am Land, um im Notfall seinen Kollegen zu unterstützen. Frank Erdmann steigt mit kompletter Montur in den See. Die Taucher sind nicht nur mit Seilen gesichert, sondern über das Tauchertelefon mit ihren Kollegen an Land verbunden. Über diese Leitung teilt Erdmann aus vier Meter Tiefe mit, dass er zwei Meter Sicht hat. Insgesamt bleibt er 14 Minuten unter der Eisdecke des Bugasees, bevor er bei Lufttemperaturen von minus drei Grad wieder an Land geht. Da wird einem allein vom Zugucken eisig kalt. Das ist nichts für Warmduscher.

Bleibt zu hoffen, dass die Einsätze der Taucher auf diese Übungen beschränkt bleiben und es in diesem Winter nicht noch einen echten Notfall kommt.

Als die Übung beendet wird, sind in einiger Entfernung Schlittschuhläufer auf der Buga zu sehen.

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