Ein Jahr Corona

„Nichts tun ist keine Lösung“: Sie haben in Kassel den Neuanfang in der Pandemie gewagt

Marc-Christopher Großberndt und Nina-Maria Kroh von „Satt und Glücklich“
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Probierten eifrig aus: Marc-Christopher Großberndt und Nina-Maria Kroh von „Satt und Glücklich“ in der Pestalozzistraße wollen sich nicht beschweren, sondern sind kreativ.

Vor einem Jahr wurde die Gefahr durch Corona auch in unserer Region immer realer. In dieser Woche blicken wir auf die vergangenen zwölf Monate und das Leben mit dem Virus ausführlicher zurück.

Kassel – Zwei Unternehmer-Duos, zwei gastronomische Schwerpunkte, zwei Neuanfänge mitten in der Pandemie. „Satt und glücklich“ versüßen den Kasselern den Alltag mit Kuchen und Cupcakes, und das Schindelhaus setzt auf die herzhafte regionale Küche. Beide sagen: Die vergangenen Monate haben sie bestens für die Zukunft gewappnet.

„Satt und glücklich“: Im Januar des vergangenen Jahres haben sich Marc-Christopher Großberndt (28) und Nina-Maria Kroh (26) gegen Studium und Beruf entschieden, um sich komplett auf die Arbeit als „Satt und glücklich“-Macher zu konzentrieren. Vollzeit. Um davon zu leben. Ein Jahr und zwei Lockdowns später führen sie ihren 2019 gegründeten Catering-Service weiter und sind in das ursprünglich als vorübergehender Standort genutzte Café Hahn dauerhaft eingezogen.

Rückblickend haben sie im richtigen Moment den richtigen Schritt gemacht. „Mittlerweile finanziert der Café-Betrieb das Catering, nicht mehr andersherum“, sagt Großberndt. Das Geschäft mit Kuchen und Cupcakes floriert. „Man hat jedes Wochenende aufs Neue Bedenken, so viel Geld für besondere Zutaten auszugeben. Doch dann reißen die Leute einem den Kuchen aus der Hand“, berichtet der gelernte Mechatroniker, der das Back-Handwerk so wie seine Partnerin von der Oma gelernt hat.

Entscheidend in der aktuellen Situation wie auch sonst sei es, flexibel zu sein, sagt Kroh. Nachdem wenige Wochen nach Eröffnung des Pop-up-Cafés im Bistro Hahn die Nachfrage der Kunden stieg, das Café dauerhaft zu betreiben, habe man sich entschlossen zu bleiben und organisatorisch munter herumprobiert – von der Fünf-Tage-Woche mit kompletter Karte über den reinen Kuchenlieferservice bis hin zum Mitnehm-Café am Wochenende. Weil in der Weihnachtszeit Herzhaftes nicht gut ging, habe man sich vorerst auf Süßes konzentriert.

„Sich über die Situation beschweren und nichts tun ist für uns keine Lösung“, meint die einstige Wirtschaftsstudentin, die auf ihrem Instagram-Kanal fleißig neue Kreationen präsentiert. Den beiden gehe es gerade nicht darum, Geld zu verdienen, sondern zu überleben und den Leuten etwas Gutes zu tun. Zum Überleben hätten auch November- und Dezemberhilfe einen Teil beigetragen.

Wurden zu Gastronomie-Allroundern: Karina Appelhans (links) und Janin Klein standen während des Lockdowns auch mal selbst in der Küche.

Schindelhaus: Ganze sechs Wochen lebten Janin Klein (31) und Karina Appelhans (30) ihren Traum, im neu eröffneten Schindelhaus Gäste zu empfangen. „Wir hatten Glück, es lief vom ersten Tag an, das Biergarten-Wetter holte viele Gäste, die Geschäfte liefen“, sagen die beiden zum Start des Restaurant-Betriebs ab dem 17. September – bis der Lockdown kam und sie in ihrer noch sehr jungen Erfahrung als eigenständige Gastronomen vor große Herausforderungen stellte.

„Leicht überfordert mit der neuen Situation“ haben sie eine Mitnehm-Karte erstellt, sich bei Lieferdiensten angemeldet und Werbung gestartet – „um die Zeit zu überstehen“, sagt Klein. „Der Gedanke, aufzugeben, kam nie. Eher: Jetzt haben wir eine neue Herausforderung, wie kriegen wir die hin“, ergänzt Appelhans.

Obwohl die Kunden mitspielen und bestellen, laufe der Betrieb bis heute kostendeckend, aber nicht gewinnbringend. Es halfen Rücklagen, die Mitarbeiter kamen in Kurzarbeit. Doch weil das Personal nach und nach wegbrach, standen Klein und Appelhans dann auch selbst in der Küche. Mittlerweile haben sie für fünf Tage die Woche wieder einen Koch.

Trotz allem sind sie froh, eröffnet zu haben. „Wir mussten jetzt so viel mitmachen, das hat uns für die Zukunft gewappnet. Ich wüsste nicht, was uns jetzt noch den Boden unter den Füßen wegziehen könnte“, sind sich die mittlerweile nur noch eingeschriebenen Studentinnen einig. „Und ohne Lockdown hätten wir einiges nicht gelernt.“ (Anna Lischper)

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