Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) von Kriminalpolizei und Zoll wird in Kassel aufgelöst

Niederlage für Rauschgiftfahnder

Wolfgang

Kassel / Wiesbaden. Das Innenministerium in Wiesbaden hat Fakten geschaffen: Wie sich bereits vor Monaten angedeutet hat, steht die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) von Kriminalpolizei und Zoll in Kassel kurz vor der Auflösung. Das bestätigte am Montag Madlen Weyhrich, Sprecherin des Landespolizeipräsidiums (LPP).

Die Neuorganisation der Ermittlungsgruppe sei notwendig geworden, weil sich der Zoll eine Zentralstelle der GER in Hessen gewünscht habe, sagt Weyhrich. Dafür biete sich das Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden an. In Kürze würden Polizei und Zoll einen neuen Vertrag unterzeichnen. Dieser Zentralisierung fällt die GER in Frankfurt allerdings nicht zum Opfer. Der Standort Frankfurt bleibe auch mit Blick auf den Flughafen erhalten, sagt Weyhrich. Vor Wochen wurde noch darüber diskutiert, ob auch die GER in Frankfurt, der Stadt, in der Innenminister Boris Rhein (CDU) demnächst Oberbürgermeister werden will, aufgelöst wird.

„Die besseren Argumente“

„Die Frankfurter hatten wohl die besseren Argumente, ihre GER zu erhalten“, sagt Karl-Heinz Siemon, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und Mitglied im Personalrat des Polizeipräsidiums Nordhessen. Siemon bedauert die Auflösung der vierköpfigen GER. Auch aus geografischen Gründen kann er die Entscheidung nicht nachvollziehen. In den benachbarten Städten Wiesbaden und Frankfurt bleiben die Ermittlungsgruppen erhalten, in Nordhessen werde die GER hingegen aufgelöst.

Im Polizeipräsidium Nordhessen sei jetzt eine interne Umschichtung erforderlich, um die Bekämpfung der Drogenkriminalität weiter zu gewährleisten. „An der Qualität und Quantität“ der Arbeit der Drogenfahnder werde sich in Kassel nichts ändern, sagt LPP-Sprecherin Weyhrich.

Das sieht die SPD ganz anders: Als eine „nicht nachvollziehbare und eklatante Fehlentscheidung“ betrachten die beiden Kasseler SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Decker und Uwe Frankenberger die Auflösung. „Landesregierung und obere Zollverwaltung haben damit gegen jede polizeitaktische Vernunft Fakten geschaffen.“

Rückzug aus der Fläche

Dies sei ein Rückschlag vor allem im Kampf gegen die organisierte Drogenkriminalität, den die GER in Nordhessen bisher erfolgreich geführt habe“, sagen die Sozialdemokraten.

Eine Verlagerung auf die Ebene des LKA bedeute einen Rückzug aus der Fläche. Das bedeute auch, dass auf das örtliche Rauschgiftkommissariat K 34 mehr Arbeit zukomme. Wenn das Kommissariat weiter erfolgreich arbeiten soll, müsse es personell verstärkt werden, sagen Decker und Frankenberger.

Gegen eine Auflösung der GER in Kassel hatte sich auch die örtliche Staatsanwaltschaft ausgesprochen. Grund: Die Drogenfahnder hätten in den vergangenen Jahren ausgesprochen gute Erfolge erzielt. Archivfoto: Koch

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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