Tödlicher Unfall im April

20-Jähriger bekommt Bewährung für Todesfahrt in Kassel

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Schwerer Zusammenstoß: Bei dem Unfall im April 2016 prallte der Audi mit großer Wucht in die Fahrerseite des Peugeot. Der Autofahrer aus Gilserberg erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen, der Audi-Fahrer wurde jetzt verurteilt.

Kassel. Der 20-jährige Kasseler, der am 28. April vergangenen Jahres auf der Frankfurter Straße einen 57-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis totgefahren hat, ist nun verurteilt worden.

Tödlicher Unfall auf der Frankfurter Straße in Kassel

Zehn Monate Haft auf Bewährung, 2000 Euro an die Johanniter-Unfallhilfe und zwei Jahre Führerschein-Entzug - Amtsrichter Pree überschritt mit seinem Urteil sogar das Strafmaß, das die Anklage gefordert hatte. „Sie tragen mit ihrem unsinnigen Fahrmanöver ganz allein die Verantwortung für den Tod des Mannes. Das Opfer hat nichts falsch gemacht“, sagte der Richter zur Urteilsbegründung.

Andererseits habe der junge Auszubildende sich vorher nichts zu Schulden kommen lassen, hatte keinen Punkt in Flensburg und bisher ein tadelloses Leben geführt. Seine Sozialprognose sei sehr gut.

Nach der Anhörung von sieben Zeugen und einem Sachverständigen hat sich das tragische Geschehen so abgespielt: Der Angeklagte war gemeinsam mit zwei Freunden in einer Shisha-Bar im Zentrum Kassels. In einem schwarzen Audi A5 und einem roten Golf ging's gegen 19.30 Uhr heimwärts Richtung Mattenberg.

Zeugen schilderten die „eilige“ Fahrt des Angeklagten ab dem Weinberg mit hohem Tempo und häufigen Spurwechseln. Der Auszubildende hingegen beschrieb sich als besonnenen Fahrer. Mit maximal 60 km/h seien beide Autos nebeneinander stadtauswärts gerollt. Richter Pree dazu: „Das glaube ich Ihnen nicht. Sie sind außerordentlich sportlich gefahren. “

"Lebensmüder" am Steuer

Tatsächlich schilderten Zeugen, die von dem Audi rechts überholt worden waren, von einem offenbar „Lebensmüden“ am Steuer. Hinweise auf ein Rennen zwischen Audi und Golf allerdings gab keiner der Zeugen. Der Angeklagte: „Es war kein Rennen.“

An der Einmündung Silberbornstraße kam es zum Unfall. Ein Autofahrer hatte vor der Straße auf der rechten Spur angehalten, und dem späteren Opfer die Vorfahrt gewährt. Der 57-Jährige wollte nach links in die Stadt abbiegen und tastete sich vorsichtig über die linke der zwei Fahrspuren.

Der Zeuge sah nur noch „einen schwarzen Schatten“ im Rückspiegel heranfliegen, Sekundenbruchteile später krachte der Audi in die Fahrerseite des Peugeots. Der Gilserberger starb wenig später im Krankenhaus.

Über 70 km/h schnell

Unfallanalyst Peter Schmidt von der Dekra taxierte das Tempo des Audi auf 71 bis 88 km/h. „Wäre der Audi 50 km/h gefahren, hätte der Unfall durch eine Gefahrenbremsung abgewendet werden können“, urteilte der Gutachter.

Der 20-Jährige, ein gepflegter junger Mann mit Fachhochschulreife, bat die Hinterbliebenen des Toten um Entschuldigung. „Die Strafe kann immer nur symbolisch sein. Der Tod eines Menschen ist durch nichts auszugleichen“, sagte Pree.

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