Aufregung seit Monaten wegen angeblichem Brückenprojekt

Zoff mit Schiedsfrau in Niederzwehren: Ortsbeirat wehrt sich gegen Gerüchte

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Dieser Brückenentwurf sorgt für Unruhe in Niederzwehren: Es handelt sich um die Semesterarbeit der Studentinnen Annika Schridde, Christina Geyer und Zeynep Nas. Schiedsfrau Iris G. will, dass diese Brücke über den Grunnelbach tatsächlich realisiert wird.

Kassel. Ein angebliches Brückenprojekt sorgt im Kasseler Stadtteil  Niederzwehren für Aufregung. Ausgerechnet eine Schiedsfrau verbreitet Gerüchte über den Ortsbeirat. Der wehrt sich nun.

Ausgerechnet die Schiedsfrau Iris G. aus Niederzwehren sorgt seit Monaten für gewaltigen Unmut im Stadtteil. An verschiedenen Stellen ist durch sie das Gerücht verbreitet worden, der Ortsbeirat würde ein Brückenprojekt über den Grunnelbach ablehnen, obwohl diese Brücke kostenlos sei.

Der Ärger über die Schiedsfrau ist mittlerweile so groß, dass der Ortsbeirat in seiner jüngsten Sitzung eine Stellungnahme, die von allen Parteien getragen wird, zu der Bürgerin abgegeben hat. Um sich gegen Behauptungen der Frau in Bezug auf das angebliche Brückenprojekt zu wehren.

Ortsvorsteher Harald Böttger (SPD) sagte, dass es solch eine Maßnahme in Niederzwehren und wohl auch noch in keinem anderen Ortsbeirat in der Stadt bislang gegeben habe. Leider sehe das Gremium sich zu diesem ungewöhnlichen Schritt gezwungen, da alle Versuche, ein realistisches Vorgehen und einen respektvollen Umgang zu erreichen, fehlgeschlagen seien.

Harald Böttger

Alles fing im April dieses Jahres an: Iris G. war damals als Gast im Ortsbeirat und erzählte in der Bürgerfragestunde, dass an der Uni eine Bachelorarbeit erarbeitet werde, bei der es um zwei Brücken für Niederzwehren geht. Sie sei mit Studenten unterwegs und betreue das Projekt. Sie habe den Eindruck erweckt, für die Uni zu arbeiten, so Böttger. Zudem habe sie behauptet, die Brücke sei mit Kassel-Wasser abgestimmt. Es fehle nur noch eine Genehmigung vom RP. Erst am nächsten Tag habe er durch eine Nachfrage bei der Stadt erfahren, dass Iris G. nicht für die Uni arbeitet und von niemandem offiziell autorisiert worden ist, in Niederzwehren eine Brücke zu bauen, so Böttger.

In der Mai-Sitzung sei Iris G. erneut erschienen und habe beantragt, dass die Brücke einen Tagesordnungspunkt bekommt, so Böttger. Er habe ihr gesagt, sie müsse ein Ortsbeiratsmitglied finden, das für sie einen Antrag zu dem Thema stelle. Dafür habe sich aber niemand bereit erklärt. Um was es in dem Antrag gehen soll, sei bis heute vollkommen offen.

Unmittelbar nach der Sitzung tauchte ein anonymer offener Brief mit der Überschrift „Armes Niederzwehren“ im Stadtteil auf, in dem dem Ortsvorsteher Stasi-Methoden unterstellt wurden und die anderen Mitglieder als Marionetten bezeichnet wurden. Zudem stand in dem Brief, dass Frau G. in der Ortsbeiratssitzung vom Ortsvorsteher beleidigt, gedemütigt und attackiert worden sei.

Auch im Heimatverein Dorothea-Viehmann nutzte die Schiedsfrau, die Kunsterzieherin im Ruhestand ist, kürzlich eine Gelegenheit, um über ihre Brücke zu reden. Das berichtete Gertrud Pierson-Coordes, Mitglied im Heimatverein, bei der Ortsbeiratssitzung. Eigentlich habe Frau G. ein Referat über die Mongolei halten wollen. Vorher habe sie den Zuhörern allerdings berichtet, dass sie Niederzwehren eine kostenlose Brücke zur Verfügung gestellt habe, die der Ortsbeirat aber nicht wolle.

Daraufhin habe er Anrufe von verschiedenen Bürgern bekommen, so Böttger, die fragten, warum er solch ein großzügiges Geschenk ablehne. Deshalb sei auch die Stellungnahme, die jetzt einstimmig beschlossen worden ist, notwendig geworden.

Iris G. war zu der Ortsbeiratssitzung eingeladen worden, habe aber abgesagt, so der Ortsvorsteher. Die HNA hat Iris G. am Donnerstag per E-Mail und Telefon um eine Stellungnahme gebeten. Vergeblich.

Hintergrund: Das Brückenprojekt

Studenten des Fachbereichs Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung (ASL) der Uni Kassel haben in diesem Semester wieder Arbeiten über mögliche Bauwerke gemacht, die in Kassel entstehen könnten. Dabei handelt es sich allerdings nur um Ideen, nicht um eine konkrete Realisierung. Drei Studentinnen kümmerten sich um den Grunnelbach. Zwischen Märchenviertel und Dorothea-Viehmann-Park verläuft der Grunnelbach, der teilweise von Fuß-und Radwegen begleitet wird. 

Er sei als Verbindung nur bedingt effektiv, finden Annika Schridde, Christina Geyer und Zeynep Nas. In ihrem Projekt „Zwischen-Zwei-Brücken“ nahmen sich die ASL-Studierenden vor, zum einen diesen Weg attraktiver zu gestalten und zum anderen, zwei Bachüberquerungen durch neue Brücken zu schaffen. Zur Vorbereitung beschäftigten sie sich mit Grimms Märchen. So wurden die Studentinnen von der „Gänsemagd“ dazu inspiriert, eine schwebende Brücke aus Holzlatten in Fachwerkoptik zu entwerfen. „Die schwankende Bewegung deutet auf den Reifungsprozess der Prinzessin hin“, so Zeynep Nas. Kosten, Finanzierungsmöglichkeiten und konkrete, formelle Umsetzungsmöglichkeiten, seien bei dieser studentischen Projektarbeit nicht untersucht worden, so der Ortsbeirat.

Die Stellungnahme im Wortlaut:

"Stellungnahme des Ortsbeirates Niederzwehren zum Thema “Zwei Brücken für Niederzwehren“

Hintergrund: Aktuell wird im Stadtteil an verschiedenen Stellen massiv das Gerücht verbreitet, der Ortsbeirat würde ein Brückenbauprojekt über den Grunnelbach ablehnen, obwohl diese Brücke kostenlos sei. 

Den Mitgliedern des Ortsbeirates und dem Ortsvorsteher wird hierbei eine Blockadehaltung, mangelndes Interesse, sowie negative Beeinflussung unbeteiligter Personen unterstellt. Weiterhin wurden anonyme Schreiben, bzw. Schreiben unter falschem Namen an Organisationen und Presse mit schon verleumderisch zu bezeichnenden Behauptungen über die Arbeit bzw. das Verhalten der OBR Mitglieder insbesondere des Ortsvorstehers gesandt.

Selbst normale Verwaltungsabläufe zwischen Ortsbeirat und den Ämtern der Stadt Kassel, führen hierbei zu ungerechtfertigten und falschen Unterstellungen.

Um Unsicherheiten in der Bevölkerung und daraus resultierende Nachfragen zu vermeiden, sieht sich der Ortsbeirat Niederzwehren gezwungen hierzu Stellung zu nehmen und eine korrekte Darstellung der aktuellen Faktenlage aufzuführen:

Fakt ist:

  • Der Ortsbeirat Niederzwehren hat bisher zu keinem Zeitpunkt ein Brückenbauprojekt über den Grunnelbach abgelehnt, im Gegenteil wurde belegbar bereits seit 2007 im OBR über eine solche Möglichkeit der Querung diskutiert, im Mai 2012 sogar ein entsprechender Beschluss für eine Querung gefasst, dieser konnte auf Grund statischer Gegebenheiten aber nicht umgesetzt bzw. finanziert werden.
  • Es gibt aktuell überhaupt keine Entscheidungsgrundlage für einen solchen Beschluss oder eine evtl. erforderliche Stellungnahme dazu.
  • Ein Projektauftrag zu diesem Thema bei der Uni Kassel ist sehr weit von einer konkreten Umsetzung entfernt und nicht als Entscheidungsgrundlage geeignet.
  • Kosten, Finanzierungsmöglichkeiten und konkrete, formelle Umsetzungsmöglichkeiten, wurden bei dieser studentischen Projektarbeit nicht untersucht.
  • Der hierzu angedachte Bereich über den Grunnelbach wird im Rahmen einer Renaturierungs und Hochwasserschutzmaßnahme seitens der Stadt Kassel zur Zeit neu geplant, das Genehmigungsverfahren kann aber wegen noch offener Grundstücksankäufe bisher nicht gestartet werden, auch hierzu gibt es einen Beschluss der OBR v. 30.08.2016, dass im Zuge der Renaturierung des Grunnelbachs die Möglichkeit einer Querung geprüft und im OBR vorgestellt werden soll.
  • Die finalen Planungsergebnisse der Stadt Kassel stellen aber eine wesentliche Grundlage für eine evtl. erforderliche Entscheidung dar.
  • Deswegen wird der Ortsbeirat Niederzwehren die Vorstellung dieser Planungen und das angestrebte Genehmigungsverfahrens definitiv abwarten.
  • Der Ortsbeirat Niederzwehren wurde von der Idee “Zwei Brücken für Niederzwehren“ erst im April in Kenntnis gesetzt.
  • Weder die Stadt Kassel noch der Ortsbeirat Niederzwehren konnten im Vorfeld Einfluss auf die Aufgabenstellung der Uni-Projektarbeiten nehmen.
  • Sowohl die Bedürfnisse des Stadtteils als auch die zu diesem Zeitpunkt bereits abgestimmte Vorgehensweise, wurden komplett außer Acht gelassen.

Problematisch ist nun, dass eine Niederzwehrener Bürgerin massiv eine tatsächliche Umsetzung der Uni-Projektarbeit anstrebt und eine kostenfreie Realisierungsmöglichkeit ankündigt. Auch hierzu die Fakten aus Sicht des Ortsbeirates:

  • Es ist nicht bekannt, wie die Brücke überhaupt aussehen soll.
  • Es wurde uns bisher noch nicht übermittelt, ob und von wem eine Kostenübernahme zugesagt wurde.
  • Wir wissen nicht, wer Bauträger dieser Brücke sein soll.
  • Wir wissen nicht, welche zusätzlichen Kosten anfallen, wie z. B. für die Statik, Gründung etc.
  • Da eine Privatperson nicht einfach ein Brückenbauwerk im öffentlichen Raum erstellen kann, stellt sich die Frage nach den Rechts- und Eigentumsverhältnissen nach Erstellung.

Es ist uns weiterhin wichtig folgende Aspekte bekannt zu geben:

  • Die Niederzwehrener Bürgerin fungierte nicht als Ansprechpartnerin/Vermittlerin zwischen dem Ortsbeirat Niederzwehren und der Uni Kassel.
  • Die Bürgerin wurde definitiv nicht vom Ortsbeirat Niederzwehren, dem Stadtteil Niederzwehren oder der Stadt Kassel zu irgendeiner Aktivität beauftragt.
  • Die Bürgerin hat sich an dieser Stelle hierzu einfach selbst ernannt.
  • Die Aussage, man habe ein „gutes Verhältnis“ zum Ortsbeirat Niederzwehren, ist definitiv falsch und führt bei Dritten zu unnötigen Irritationen und Erwartungshaltungen.
  • Der Ortsbeirat behandelt alle Personen gleich, es wird niemand bevorzugt oder benachteiligt.
  • Jedes OBR-Mitglied ist unabhängig und autark was die Wahl seiner Anträge betrifft.
  • Im Übrigen ist die Zusammenarbeit im Ortsbeirat Niederzwehren geprägt von gegenseitigem Respekt, Wertschätzung und Verständnis, auch bei differenzierter Meinungsbildung.

Sollte es also weiterhin zu Denunzierungsversuchen oder Falschaussagen von der Niederzwehrener Bürgerin über den Ortsbeirat oder zu den einzelnen Mitgliedern kommen, wird das Gremium rechtliche Schritte einleiten.

Leider sehen wir uns zu diesem ungewöhnlichen Schritt gezwungen, da alle bisherigen Versuche, ein realistisches Vorgehen und einen respektvollen Umgang zu erreichen, fehlgeschlagen sind.

Noch ein Hinweis an alle interessierten Bürger/innen: Alle Mitglieder des Ortsbeirates stehen Ihnen gerne für Fragen und Anregungen in gewohnter Weise zur Verfügung."

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