Prostitution in der „Villa Kassel“

Nach Beschwerden: Bordell in Niederzwehren soll wieder schließen

Bordell in Niederzwehren: Die Immobilie an der Leuschnerstraße ist nach Angaben der Nachbarn rund zwei Jahre lang umgebaut und im März als „Villa Kassel“ eröffnet worden. Die Stadt Kassel hat jetzt ein Verfahren eingeleitet, um die Prostitution im Wohngebiet zu stoppen. Foto:  Koch

Kassel. Sechs Frauen, die der Prostitution nachgehen: Das ist derzeit die Situation in einem Haus an der Leuschnerstraße. Zum Ärger der Nachbarn.

Statt Mutter, Vater und zwei Kinder, wie es einer Nachbarin von dem neuen Käufer angekündigt worden war, sind in das Wohnhaus an der Leuschnerstraße 50 in Niederzwehren Roxana, Maya, Wiki, Agnes, Ella und Lisa eingezogen. Sechs junge Frauen, die seit Mitte März dort in der „Villa Kassel“ der Prostitution nachgehen.

Zum Ärger vieler Anwohner, die sich seit der Eröffnung mehrfach bei der Stadt über die Prostitution in ihrer Nachbarschaft beschwert haben. Auf Anfrage der HNA erklärte Ingo Happel-Emrich, Sprecher der Stadt, dass die Stadt die „Villa Kassel“ schließen lassen will. „Ein Bordellbetrieb ist im allgemeinen Wohngebiet nicht zulässig.“ Man habe deshalb ein bauaufsichtliches Verfahren zur Nutzungsuntersagung eingeleitet.

Am 16. März dieses Jahres war die „Villa Kassel“ eröffnet worden, nachdem das Haus wohl zwei Jahre lang umgebaut worden war. Auf der Internetseite des Bordells wird damit geworben, dass sechs internationale Damen verschiedene Sexualpraktiken anbieten. „Im Stil der Jahrhundertwende erleben Sie in der Villa Kassel eine märchenhafte Atmosphäre, die Ihre intimsten Wünsche und Träume wahr werden lässt“, ist zu lesen.

Ein Alptraum aber für so manchen Nachbarn. „Das ist eine Zumutung, das passt nicht in ein Wohngebiet“, sagt ein Anwohner. Da viele Freier sich offenbar nicht trauten, direkt vor dem Bordell zu parken, stellten sie ihre Autos auf Nachbargrundstücken beziehungsweise in Seitenstraßen ab, wo es ohnehin nur wenige Parkplätze gebe.

Eine Anwohnerin sagt, dass von dem Bordell nicht „nur brave Bürger als Kunden, sondern auch ein dubioses Klientel angezogen wird“. „Das macht ein ungutes Gefühl“, zumal die Prostituierten ihre Dienste täglich ab 10 Uhr vormittags anböten und das Haus auch am Schulweg für viele Kinder im Stadtteil liege. Zudem sei ein Saunahäuschen in den Garten des Bordells gebaut worden, wo die Sexarbeiterinnen auch ihre Dienste anböten.

Sie sei von dem Käufer regelrecht veräppelt worden, erzählt eine andere Nachbarin. Er habe ihr vor zwei Jahren gesagt, dass er das Haus für seine Familie gekauft habe. Gerüchte, dass die Immobilie als Bordell umgebaut wird, habe es aber bereits seit dem vergangenen Frühjahr gegeben, sagt eine andere Nachbarin. Wer der Betreiber des Bordells sei, wisse man aber nicht.

Ersten Ermittlungen der Kripo zu Folge sollen die Betreiber aus Göttingen kommen, so Kriminalhauptkommissar Peter Keyser (K 12). Dort gibt es es ein Pendant zur „Villa Kassel“, die „Villa Göttingen“.

Unter der Telefonnummer auf der Internetseite der „Villa Kassel“ war bislang keiner der Betreiber zu erreichen.

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