Durch Überfall flog Verstoß auf

Jugendschutzgesetz bei Burger King missachtet: „Das war eine Ausnahme“

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Nimmt seinen Arbeitgeber in Schutz: Der 17-jährige Umut Güler, Mitarbeiter bei Burger King in Niederzwehren, erklärt, dass er selbst angeboten habe, bis Mitternacht zu arbeiten. In seiner Freizeit moderiert der Jugendliche beim Freien Radio Kassel. Foto:  Pflüger-Scherb

Kassel. „Es war schon ein Schock für mich. Zwei Tage lang ist mir durch den Kopf gegangen, was hätte alles passieren können“, sagt Umut Güler aus Kassel. Der 17-Jährige ist die Aushilfskraft, die in der Nacht zum Montag bei einem Überfall bei Burger King in Niederzwehren von einem Unbekannten mit einer Pistole bedroht worden ist (HNA berichtete).

Doch nicht nur über den Überfall macht sich der 17-Jährige, der älter wirkt, Gedanken, sondern auch über die Kommentare, die seitdem im Internet verbreitet werden. Wie die HNA berichtet hatte, hätte Umut Güler um kurz nach Mitternacht, als der Überfall geschah, gar nicht mehr arbeiten dürfen. Laut Jugendschutzgesetz ist das nämlich nur bis 23 Uhr gestattet.

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Die Pressestelle von Burger King hat sich mittlerweile auch für den Gesetzesverstoß entschuldigt und angekündigt, dass eine Schulung der Mitarbeiter zum Thema Jugendschutz folgen wird.

„Im Internet wird jetzt nur auf Burger King drauf gehauen und so getan, als ob dort Kinder zum Arbeiten gezwungen werden“, sagt Güler. Das sei aber nicht der Fall.

Er habe seit Februar dieses Jahres einen 450-Euro-Minijob bei Burger King (7,70 Euro Stundenlohn). Am Sonntag sei es das erste Mal gewesen, dass er bis Mitternacht gearbeitet habe, normalerweise höre er früher auf. Er habe aber am Samstag mitbekommen, dass die Schichtleiterin für die Spätschicht am Sonntag noch jemanden suche, da eine Kollegin erkrankt sei. Er habe daraufhin angeboten, die Spätschicht bis Mitternacht zu übernehmen. Zudem habe er seinen Vater um Erlaubnis gefragt. „Das war eine Ausnahme, ein Engpass.“

Da Umut Güler in Harleshausen wohnt, werde er abends nach dem Arbeiten auch von seinem Vater abgeholt. So war das auch für Sonntag geplant. Dass der Raub dazwischen kam, das konnten weder der 17-Jährige noch sein Vater wissen. „Ich wäre aber genauso erschrocken gewesen, wenn ich bereits 18 oder 25 Jahre alt wäre“, sagt Güler, der hofft, im kommenden Jahr einen Ausbildungsplatz als Tramfahrer bei der Kasseler Verkehrsgesellschaft zu bekommen. Der Jugendliche moderiert in seiner Freizeit auch beim Freien Radio Kassel.

Er finde die Bestimmungen des Jugendschutzes richtig, sagt der 17-Jährige. Aber die Empörung, die jetzt wegen seiner Spätschicht gemacht werde, könne er nicht nachvollziehen. Er habe viele Freunde in seinem Alter, die bis weit nach Mitternacht ausgehen. „Da macht keiner Theater, außer den Eltern vielleicht.“

Zunächst Tagschichten

Nach dem Überfall hat Umut Güler bereits wieder bei Burger King gearbeitet. Bislang aber nur mittags und nachmittags. Derzeit mag er Burger lieber im Hellen verkaufen.

Der Räuber, der bei dem Überfall vermummt war, ist laut Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch noch nicht gefasst.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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