Der Niederzwehrener Sportverein feiert ab heute seinen 100. Geburtstag

Drei „Köche“ für Olympia

Die Jugendarbeit wird bei Olympia groß geschrieben: Auf dem Bild sind Spieler der F bis D-Jugend zu sehen. Rechts hinten steht Karl-Heinz Koch, Vorsitzender seit 1992. In der ersten Reihe (von links) sind die Nachwuchskicker Szabi (11), Ben (8), Samuel (8), Gianluca (8), Alexander (8), Lukas (8), Yannis (9) und Emirhan (11) zu sehen. Foto:  Malmus

Niederzwehren. Mit dem ersten Spiel konnten sie sich wahrlich nicht rühmen. Als vor 100 Jahren die Sportvereinigung 1914 Niederzwehren (der Vorgänger der Sportvereinigung Olympia 1914 Kassel) gegründet wurde, fehlte vielen Spielern wohl noch die Praxis: Mit 25:1 wurde das erste Fußballspiel gegen Viktoria Bettenhausen auf der Dönche verloren.

Danach ging es aber aufwärts: So gewannen die Kicker aus Zwehren zum Beispiel die Fußball-Stadtmeisterschaft (1927 und 1934) und die Bezirksmeisterschaft (1936). Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wird vielen Kickern lange in Erinnerung geblieben sein. Denn die Spieler des im August 1945 gegründeten SV Olympia (später gab es die Namensänderung) verstießen gegen das Versammlungsverbot der Besatzungsmächte. 43 Vereinsmitglieder nahmen am 15. Oktober 1945 nichtsdestotrotz an einer Spielersitzung im Vereinslokal Adam Siebert teil. Das hatte Konsequenzen: Die Militärpolizei wurde aktiv, es gab Einzelverhöre, die 43 Olympianer wurden vier Tage im Gefängnis in Wehlheiden inhaftiert.

Über diese Geschichte können die 510 Mitglieder von Olympia, die heute den 100. Geburtstag des Vereins im Restaurant Olympia feiern, mittlerweile lächeln. Viele werden sich aber lieber an die 70er-Jahre erinnern. 1976 gelang der Aufstieg in die Oberliga Hessen. Fast 5000 Zuschauer besuchten in der Saison 1978/79 das Derby gegen den KSV Hessen Kassel auf dem Spielfeld an der Leuschnerstraße.

Zudem hatten die Olympianer einen guten Riecher: 1977 wurde die Tennisabteilung gegründet und eine Anlage mit vier Plätzen gebaut. Man war gerüstet für den Tennisboom in Deutschland, der in den 80er-Jahren durch Steffi Graf und Boris Becker entstand. Zwischenzeitlich hatte der Verein 800 Mitglieder, sagt der Vorsitzende Karl-Heinz Koch. Inzwischen sind es etwa 300 weniger, aber bei Olympia ist man stolz auf den großen Anteil an Kindern und Jugenlichen: 270 Nachwuchsspieler spielen aus ganz Kassel und dem Landkreis trainieren bei Olympia. Kinder verschiedener Nationalitäten. „Wir haben alle Jugendklassen besetzt“, sagt Koch. Der Verein sei für seine gute und zuverlässige Jugendarbeit bekannt.

Allerdings benötige man mehr ehrenamtliche Helfer, um diese Arbeit fortzusetzen. „Davon hängt auch ab, ob wir in zehn Jahren unseren 110. Geburtstag feiern können. Zudem wünscht sich Koch, dass mehr erwachsene Mitglieder (ob nun Fußballer oder Tennisspieler) dem Verein treu bleiben, auch wenn sie nicht mehr aktiv sind. „Das würde unsere finanzielle Situation verbessern“, sagt Koch, der bereits seit 1992 an der Spitze des Vereins steht.

Es sei übrigens keine Voraussetzung, Koch zu heißen, um Vorsitzender der Olympianer zu werden, sagt der Chef. So scheint es aber fast. Von 1959 bis 1985 hieß der Vorsitzende Walter Koch und von 1919 bis 1939 Kaspar Koch.

Der Festakt mit Musik, Reden und Ehrungen wird heute Abend ab 19.14 Uhr, im Saal des Restaurants Olympia, Korbacher Straße 30, gefeiert.

Sportverein Olympia im Regiowiki: http://regiowiki.hna.de/Spvgg._Olympia_1914_Kassel

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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