Mann gab sich am Telefon als Polizist aus

„Eine absolute Unverschämtheit“: Seniorin durchschaut Schockanrufer

Die Polizei sucht Zeugen für einen Diesel-Diebstahl in Dorfitter. (Symbolbild)
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Häufige Betrugsmasche: Ein Mann hat sich am Telefon als Polizist ausgegeben. (Symbolbild)

Als Elsbeth Göbel am Nachmittag das Geschehen schildert, ist sie immer noch fassungslos: „Eine absolute Unverschämtheit“, sagt sie. Ein Unbekannter hatte versucht, die Seniorin mit einem Schockanruf zu überrumpeln.

Kassel – Unbekannte hatten die 80-Jährige aus Niederzwehren am Mittag angerufen und ihr mitgeteilt, dass ihr Sohn in einen Autounfall mit Todesfolge verwickelt sei – ein sogenannter Schockanruf. Geschockt ist im ersten Moment Elsbeth Göbel wirklich. „Mir haben die Knochen gezittert“, beschreibt sie es. Die weinerliche Männerstimme, die sie gegen 13.20 Uhr am Mittwoch anruft, habe ihr gesagt, ihr Sohn sei zu schnell unterwegs gewesen und habe eine rote Ampel überfahren. Dabei sei es zu einem Unfall gekommen, bei dem jemand gestorben sei. „Ich wusste ja, dass mein Sohn gerade mit dem Auto unterwegs zu seiner Arbeitsstelle ist“, sagt die Seniorin. „Das hat alles gepasst. Wenn mein Sohn Nachtschicht gehabt hätte, hätte ich ja gleich gedacht, da stimmt irgendwas nicht.“

Die Unbekannten hatten sich am Telefon als Beamte der Kriminalpolizei ausgegeben, so Göbel. Die Rufnummer ist unterdrückt. Sie antworten auf die Frage, ob ihr Sohn verletzt ist, dass er körperlich unversehrt sei, aber unter Schock stehe. Die Szenerie im Hintergrund klang in der Tat so, als wenn die Person sich noch am Unfallort befindet, beschreibt es die Seniorin. Natürlich denke man ja auch, dass der Sohn sich in einer solchen Situation bei seinen Eltern meldet. „Man hätte meinen Sohn als Unfallverursacher festgenommen und er könne nur auf freien Fuß kommen, wenn ich eine Kaution von 5000 Euro zahle, erklärte mir der unbekannte Mann am Telefon“, sagt Göbel. Bei dieser Aussage wird die Kasselerin dann stutzig. Von so einer Kautionszahlung hat sie nie zuvor gehört. Als sie ihren Verdacht äußert, legt der Unbekannte auf.

Im Nachhinein denkt Göbel, sie hätte schon viel früher nachhaken müssen. Denn die Polizei teilt solche Unfallnachricht nicht am Telefon mit. „Aber in dem Moment war ich dann erstmal überrumpelt“, sagt sie. Eine Erklärung, wie die Unbekannten an ihre Telefonnummer gekommen sein könnten, hat Göbel nicht. Schon vor Jahren hat sie die nämlich aus dem Telefonbuch löschen lassen.

Die Kasseler Polizei bestätigt, dass es derzeit wieder eine Welle von betrügerischen Schockanrufen gibt, bei denen sich Unbekannte als Polizisten ausgeben. Am Mittwoch hätten sich Betroffene aus Ahnatal, Calden und der Stadt Kassel gemeldet. „Ein Fall, in dem Geld gezahlt wurde, ist uns bisher glücklicherweise nicht bekannt“, so eine Sprecherin. (kme)

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