Das Land überlegt, bei der Bereitschaftspolizei in Niederzwehren eine Erstaufnahmestelle zu eröffnen

Bereitschaftspolizei in Niederzwehren: Aufnahmestelle für Flüchtlinge?

Eine mögliche neue Außenstelle für die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE): Das frühere Wohnheim für Polizeianwärter bei der Bereitschaftspolizei in Niederzwehren. Foto:  Koch

Niederzwehren. In Niederzwehren kursiert das Gerücht seit Wochen: Das Land Hessen plant, in einem leer stehenden Gebäudekomplex der Bereitschaftspolizei eine Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge einzurichten.

Die Hauptstelle befindet sich in Gießen. Dort sind derzeit an zwei Standorten 4000 Menschen, die meisten kommen aus Albanien und Syrien, untergebracht. Weitere 80 Flüchtlinge befinden sich in einer Außenstelle in Bad Arolsen, 320 Menschen in Kirchhain.

Nach Angaben von Gabriele Fischer, Sprecherin des Regierungspräsidiums Gießen und Fachaufsicht der Erstaufnahmeeinrichtung, ist es in Gießen bereits sehr eng geworden. „Es ist wichtig, diesen Standort langfristig zu entlassen.“ Demnächst sollen deshalb weitere Außenstellen in Neustadt (Kreis Marburg-Biedenkopf) und Büdingen (Wetteraukreis) eröffnet werden. „Wir suchen aber noch weitere Standorte in Hessen“, sagt Fischer.

Schlafzimmer im Zwei-Zimmer-Apartment: Früher haben sich drei Polizeischüler solch ein Zimmer geteilt.

Ob die Bereitschaftspolizei in Kassel ein möglicher Standort wäre, dazu will sich Esther Walter, Sprecherin des Sozialministeriums, nicht äußern. Sie sagt nur: „Wir prüfen derzeit verschiedene Standorte, um weitere Erstaufnahmeeinrichtungen für Hessen zu schaffen.“ Das Land habe der Stadt mitgeteilt, dass es mit dem Gedanken spiele, eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge bei der Bereitschaftspolizei einzurichten, sagt Petra Bohnenkamp, Sprecherin der Stadt Kassel. Näher könne man sich dazu nicht äußern. „Um die Planungen für landeseigene Liegenschaften kümmert sich Wiesbaden.“ Fest steht, dass es am 9. März eine Besichtigung des Komplexes gab, der Ende der 1960er- / Anfang der 1970er-Jahre als Wohnheim für Polizeianwärter errichtet wurde.

Nach Angaben von Kriminaloberrätin Beate Theis, Abteilungsleiterin des Standorts in Niederzwehren, mussten die Polizeischüler aus dem Gebäude im Jahr 2013 ausziehen. Grund: Die Brandschutzbestimmungen seien nicht mehr erfüllt worden.

Bis zu 500 Flüchtlinge

Sollten hier künftig Flüchtlinge untergebracht werden, müsste das Land ergo in den Brandschutz investieren und die gesamte Immobilie sanieren. Vor allen Dingen müssten die Sanitäreinrichtungen instand gesetzt werden.

In dem Komplex sind Zwei-Zimmer-Apartments mit jeweils einem Waschbereich untergebracht. Die Apartments waren jeweils für drei Polizeischüler gedacht. Die Duschen und Toiletten sind auf den Fluren. Dem Vernehmen nach soll sich bei der Begehung im März herausgestellt haben, dass hier Platz für bis zu 500 Flüchtlinge wäre. Die Kosten für die Sanierung könnten bis in die Millionen gehen.

Derzeit leben 904 Flüchtlinge in der Stadt Kassel. Nach Angaben von Petra Bohnenkamp sind davon 463 Personen in den vier großen Gemeinschaftsunterkünften, 110 Personen in den kleineren Unterkünften und 331 Personen in Wohnungen untergebracht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.