Prostitution in reinem Wohngebiet in Niederzwehren ist nicht zulässig

Gericht entscheidet: Ende für Bordell "Villa Kassel" an Leuschnerstraße

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Ende der Prostitution: Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Kassel musste der Bordellbetrieb in der „Villa Kassel“ an der Leuschnerstraße 50 umgehend eingestellt werden.

Niederzwehren. Das Bordell „Villa Kassel“, das erst am 16. März dieses Jahres an der Leuschnerstraße in Niederzwehren eröffnet hatte, muss nach einer Entscheidung der Zweiten Kammer des Verwaltungsgerichts (VG) Kassel sofort schließen.

Offenbar haben die Sexarbeiterinnen bereits ihre Dienste eingestellt. Die Tür wird jedenfalls nach Klingeln nicht mehr geöffnet, zudem ist im Internet keine Werbung der „Villa Kassel“ mehr zu finden.

Nach Angaben von Matthias Spillner, Pressesprecher des VG, hat das Gericht einen Eilantrag der Betreiberin des Bordells gegen die Nutzungsuntersagung der Stadt Kassel Ende September abgelehnt. Die Stadt Kassel hatte zuvor eine baurechtliche Nutzungsuntersagung für den Betrieb ausgesprochen. Begründung: Ein Bordell sei in einem allgemeinen Wohngebiet, um das es sich an der Leuschnerstraße handele, nicht zulässig.

Diese Rechtsauffassung hat das VG jetzt geteilt. Zwar gebe es für den Bereich an der Leuschnerstraße keinen Bebauungsplan, aber es handelt sich nach Ansicht des Gerichts dennoch um ein reines Wohngebiet. Das hatte die Bordellbetreiberin anders gesehen. Wegen der Aral-Tankstelle sowie eines Rewe- und eines Aldi-Marktes an der Leuschnerstraße handele es sich um ein Mischgebiet.

Dieser Argumentation sei das VG nicht gefolgt, so Spillner. Die Einkaufsmärkte und die Tankstelle seien zu weit entfernt von dem Grundstück an der Leuschnerstraße 50. Zudem lägen die Märkte westlich der IC-Strecke, die die Leuschnerstraße mehrere Hundert Meter vom Grundstück entfernt kreuze.

Massive Beschwerden

Die Nutzung des Grundstücks als Bordellbetrieb und die damit einhergehenden Störungen hätten eine wesentliche Störung des Wohnfriedens an der Leuschnerstraße 50 dargestellt, so Spillner über die Entscheidung des VG.

Nachdem die Prostituierten im Frühjahr dort ihre Arbeit aufgenommen hatten, hatte es massive Beschwerden aus der Nachbarschaft gegeben. Anwohner fürchteten unter anderem, dass ihre Häuser durch das Bordell an Wert verlieren. Sie hatten sich deshalb mehrfach bei der Stadt beschwert, die daraufhin gegen das Bordell vorgegangen war.

Nachdem die Stadt jetzt beim Verwaltungsgericht im Eilverfahren gesiegt habe, so Sprecher Ingo Happel-Emrich, werde man Vollstreckungsmaßnahmen ergreifen, soweit dies erforderlich werden sollte. Infrage käme in einem solchen Fall insbesondere die Versiegelung des Bordells.

Ein Einschreiten der Stadt gegen die Prostitution scheint allerdings nicht mehr erforderlich zu sein.

Gegen die Entscheidung des VG kann Beschwerde eingelegt werden.

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