Stadt schweigt über interessierte Firmen

Größte Baustelle in Kassel ist angelaufen: A49-Anschluss für Langes Feld

Bereits fertiggestellt: Über diese Brücke werden die Lkw künftig ins Gewerbegebiet Langes Feld rollen. Noch muss aber der Autobahnanschluss Kassel-Niederzwehren umgebaut werden. Fotos: Schachtschneider

Kassel. Es ist die größte Baustelle der Stadt und doch bekommen die wenigsten Kasseler von ihr etwas mit: Auf dem Langen Feld in Niederzwehren entsteht ein neues Gewerbegebiet.

Die Bauarbeiten für den 5,4 Mio. Euro teuren Anschluss an die A49-Abfahrt Niederzwehren haben bereits begonnen. Eine Brücke steht bereits. Bis Anfang 2017 soll der Anschluss fertig sein, in dem Jahr sollen sich auch die ersten Firmen auf dem Langen Feld ansiedeln.

Die Stadt Kassel nimmt viel Geld in die Hand, um auf der grünen Wiese das Gewerbegebiet Langes Feld zu entwickeln. Im ersten Bauabschnitt sind es 15 Mio. Euro, nach Abschluss aller drei Abschnitte sollen es 70 Mio. Euro sein. Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) macht sich um die Vermarktung der Flächen keine Sorgen: „Das sind 1A-Flächen mit direktem Anschluss an die Autobahn. Ich gehe davon aus, dass die Grundstücke des ersten Bauabschnitts in fünf, sechs, sieben Jahren verkauft sind.“

Umbau der Anschlussstelle Kassel-Niederzwehren offiziell gestartet: Bertram Hilgen (vorne im Bagger) und Stadtbaurat Christof Nolda (hinten).

Ausgeschlossen von einer Ansiedlung sind der Logistiksektor und der Einzelhandel. „Wir suchen uns die Unternehmen aus. Uns liegt daran, eine hohe Arbeitsplatzdichte zu erreichen“, so Hilgen. Er gehe davon aus, dass die Stadt jährlich fünf bis acht Hektar verkaufen werde. Der Bedarf sei da. In Spitzenjahren habe die Stadt zwölf Hektar Gewerbeflächen verkauft. Allein durch den Verkauf des Areals werde die 70-Millionen-Euro- Investition zurückfließen.

Auf die Frage, welche Unternehmen im Rathaus bereits angeklopft und Interesse an einer Ansiedlung bekundet haben, gibt sich Hilgen zurückhaltend. Zu den Firmen werde er noch nichts sagen, auch zu den Branchen nicht.

Schweigen über Interessenten 

Lexikonwissen: Langes Feld im Regiowiki

In einer Presseerklärung der Stadt ist von „produzierenden Unternehmen und unternehmensbezogenen Dienstleistungen“ die Rede, die dort eine neue Heimat finden sollen. Einige Flächen seien auch so weit von der Wohnbebauung entfernt, dass dort auch eine Geräuschbelastung durch Betriebe kein Problem sei.

Neben den Erlösen aus dem Verkauf der Grundstücke verspricht sich die Stadt zusätzliche Einnahmen durch die Gewerbesteuer.

Doch bevor die eigentliche Ansiedlung starten kann, muss noch einiges an Erde bewegt werden. Für das gesamte Gebiet mit seinen 76 Hektar werden sieben Kilometer Straßen nötig sein. Kasselwasser ist derzeit dabei, auf acht Kilometern Kanäle und die zwei notwendigen Regenrückhaltebecken zu bauen. Im Anschluss werden Gas-, Wasser-, Strom- und Datenübertragungsleitungen verlegt.

Die 1,6 Mio. Euro teure Brücke über den Eselsgraben ist das bislang auffälligste Zeichen der Umnutzung des Areals. Sie steht derzeit noch allein auf der grünen Wiese. Ihre Anbindung an die A49-Abfahrt in Niederzwehren geschieht erst in den nächsten Monaten. Dafür muss die Anschlussstelle nächstes Jahr im Juli auch für zwei Wochen gesperrt werden.

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) verweist darauf, dass bei der Entwicklung des Gewerbegebiets darauf geachtet werde, dass die Funktion des Langen Feldes als Frischluftschneise für die Stadt nicht völlig eingeschränkt werde. „Mehr als ein Drittel des gesamten Gebietes werden Ausgleichs- und öffentliche Grünflächen einnehmen“, so Nolda. Etwa 30.000 Quadratmeter Blühflächen seien im Frühjahr 2014 angelegt worden. Im Herbst dieses Jahres würden noch einmal 80.000 Quadratmeter Ackerland begrünt.

Die Kritiker hatten stets den Verlust der Frischluftschneise und des Naherholungsgebietes beklagt.

Gewerbegebiet oder nicht? - Das ist das Lange Feld

Daten und Fakten rund um das Gewerbegebiet:

Im Endausbau soll das Gewerbegebiet 76 Hektar  umfassen, was der Fläche von 106 Fußballfeldern entspricht. Insgesamt wird die Stadt dann 70 Mio. Euro  investiert haben, ein großer Teil der Summe (16 Mio.) war für den Kauf der bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen angefallen. Im ersten von drei Bauabschnitten erschließt die Stadt 27 Hektar. Dafür werden drei Kilometer Straßen und acht Kilometer Leitungs- und Kanalnetz gebaut. Auf dem ersten Teilstück können die Firmen ab 2017 ihre Gebäude errichten.

Lesen Sie dazu auch:

- Der weite Weg zum Langen Feld: Kassels letzter Gewerbepark wird nun gebaut

Archivvideo: Flug über das Lange Feld

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.