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Pool und Hütten illegal: Kasseler Ehepaar muss Bauten im Garten entfernen

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Sie haben Ärger mit der Bauaufsicht: Alle Bauten und der Pool sollen aus dem Garten von Ralf und Kerstin Günther in der Straße „Wartekuppe“ verschwinden.
Sie haben Ärger mit der Bauaufsicht: Alle Bauten und der Pool sollen aus dem Garten von Ralf und Kerstin Günther in der Straße „Wartekuppe“ verschwinden. © Ulrike Pflüger-Scherb

Die Stadt Kassel hat verfügt, dass ein Ehepaar alle Bauten aus seinem Garten entfernen muss. Dafür lagen keine Genehmigungen vor.

Kassel – Kerstin und Ralf Günther aus Niederzwehren sind traurig und sauer. Vor rund 17 Jahren hat das Paar ein Stück Wiese an der Straße „Wartekuppe“ angemietet. Auf einer Fläche von rund 900 Quadratmetern haben sich die beiden seither einen Garten eingerichtet – mit Hütte, Bauwagen und Pool. Jetzt soll alles weg, wie die Stadt Kassel verfügt hat.

Vor zwei Jahren habe der Ärger abgefangen, nachdem jemand das Nachbargrundstück gekauft habe, sagt Kerstin Günther. Der neue Eigentümer stellte sich mehrere Bauwagen auf, in denen er auch lebe. Zudem habe er sich Strom und Wasser legen lassen. Auch sie seien von den Städtischen Werken gefragt worden, ob sie Strom und Wasser auf dem Gartengrundstück haben wollen. Die Günthers ließen sich Strom legen.

Dass der neue Nachbar dort in den Bauwagen lebt, daran hätten sich andere Anwohner gestört, erzählen die Günthers. „Irgendwann hat jemand unseren Nachbarn angezeigt, dann kam das Bauaufsichtsamt“, erzählt Kerstin Günther. Aber nicht nur zu dem Nachbarn, sondern auch zu ihnen.

Paar bezahlt Architekten – doch die Stadt Kassel lehnt den Antrag ab

Für die bisherigen Bauten der Günthers liege keine Genehmigung vor und weitere Bauten seien nicht genehmigungsfähig, so ein Sprecher der Stadt. „Wird die Bauaufsicht auf einen solchen Zustand aufmerksam, ist sie zum Handeln nach Recht und Gesetz verpflichtet.“

Die Mitarbeiter der Bauaufsicht hätten ihnen mitgeteilt, dass die Bauwagen auf ihrem Grundstück nicht erlaubt seien, weil es sich bei dem Garten um einen „Außenbereich“ handele. Sie könnten aber nachträglich einen Bauantrag stellen, benötigten dafür aber einen Architekten.

Die Günthers beauftragten und bezahlten anschließend einen Architekten. Dessen Antrag auf die Genehmigung von drei Gartenhütten wurde aber von der Stadt Kassel abgelehnt. „Aus bauplanungsrechtlicher Sicht ist das Vorhaben unzulässig“, heißt es in dem Schreiben der Stadt vom 11. Mai dieses Jahres. Hinsichtlich der Erschließung sowie der Gestaltung der baulichen Anlagen weise der Garten alle Merkmale einer „ungeordneten Splittersiedlung“ auf. Die Gefahr bestehe, dass diese „Splittersiedlung“ noch ausgeweitet werde.

Sprecher der Stadt Kassel sieht keine Aussicht auf Erfolg bei neuem Bauantrag

Die Stadt schreibt auch, dass die vorhandenen baulichen Anlagen „aufgrund der wesensfremden Nutzung das Orts- und Landschaftsbild“ verunstalteten. Dabei solle ein Außenbereich mit seiner naturgegebenen Bodennutzung und seinen Erholungsmöglichkeiten für die Allgemeinheit grundsätzlich vor jeglicher Bebauung bewahrt bleiben. Nicht nur die Bauwagen der Günthers sollen verschwinden, sondern auch der Pool, ein Carport und ein Bierwagen, der im Garten steht. Gegen den Bescheid können die Günthers, die in der Nähe des Gartens wohnen, Widerspruch einlegen.

Sie haben sich einen Anwalt genommen. „Alle, die an unserem Garten vorbeigehen, bleiben stehen und sagen, wie schön wir es haben“, sagt Kerstin Günther. Eine Mitarbeiterin der Bauaufsicht habe ihr gesagt, dass sie ja einen neuen Bauantrag stellen könnten, wenn erst mal alles abgerissen worden sei.

Dass solch ein Antrag genehmigt würde, ist eher unwahrscheinlich. Der Stadtsprecher teilt mit, dass auch ein Bauantrag nach Abriss von Gartenhütte und Pool beziehungsweise Entfernung der Bauwagen keine Aussicht auf Erfolg an dieser Stelle habe. (use)

Auch Steingärten will die Stadt Kassel verbieten. Doch bei der Umsetzung konnte man sich bislang noch nicht einigen.

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