Aus vor 50 Jahren

Jetzt im Video: Die Sitta-Credette - das Volksmoped aus Kassel

Kassel. Als vor 50 Jahren die Firma Credé in Niederzwehren abgerissen wurde, bedeutete das auch das Aus für das Moped Sitta-Credette, das in der Nachkriegszeit dort gebaut wurde.

Dabei belegte die Credette zeitweise sogar Spitzenplätze bei den Zulassungszahlen deutscher Mopedhersteller.

Paul Schirakowski (77) ist einer der besten Credette-Kenner der Region. Der Rentner aus Fuldabrück-Dennhausen hat insgesamt sieben Exemplare in seiner Sammlung. Ein Teil davon ist im Kasseler Technik-Museum ausgestellt. „Die Credette ist sehr selten zu finden und wenn, dann wird sie für viel Geld gehandelt“, sagt Schirakowski.

Das Zweirad, das eher wie ein motorisiertes Fahrrad wirkt, wurde zwischen 1954 bis 1957 in drei Versionen produziert: Credette I bis III. Viele Bauteile wie Klingel, Pedale, Beleuchtung, Gepäckträger und Sattel entsprechen der Fahrradtechnik. „Doch die Credette schaffte in der Spitze 60 km/h, obwohl sie nur bis 45 km/h zugelassen war“, erzählt Schirakowski.

Moped-Zeitschrift: In dem Heft aus den 50ern wird die Sitta-Credette III getestet.

Das Moped wurde von den Kasselern im Auftrag der Firma „Sitta“ aus Sittensen (zwischen Hamburg und Bremen) produziert. „Bei Credé gab es damals freie Kapazitäten, weil der Waggonbau nicht mehr so gut lief“, sagt Schirakowski. Also suchte die Firma zunehmend andere Betätigungsfelder. Der 1,7 PS starke Motor wurde von der Firma „Ilo“ aus Pinneberg (nördlich von Hamburg) geliefert.

Schirakowski war als Zwölfjähriger mit dem Credette-Fieber infiziert worden. Seinerzeit lebte er in der Kasseler Fiedlerstraße und ein befreundeter Stadtverordneter bot dem Jungen an, er dürfe dessen Credette fahren, wenn er sie regelmäßig putzen würde. Darauf ließ er sich gerne ein. „Der Stadtverordnete war mit seiner Credette sogar im Frankreich-Urlaub unterwegs“, erzählt Schirakowski.

Die Brüder: Dieses Foto aus den 50er-Jahren zeigt Paul Schirakowskis Brüder Kurt (am Steuer) und Manfred.

Auch in zeitgenössischen Werbeprospekten warb Credé damit, dass die Credette urlaubstauglich ist. Auf Fotos wird dokumentiert, wie sie die Alpenpässe spielend meistert. Bei vollem 4,5-Liter-Tank konnten ohne Tankstopp Entfernungen von bis zu 300 Kilometer zurückgelegt werden.

Die erste eigene Credette bekam der gelernte Schriftsetzer Schirakowski im Alter von 15 Jahren. Ein Onkel, der bei Credé arbeitete, verschaffte ihm ein Ausstellungsstück für 150 DM. Ein absolutes Schnäppchen, denn eigentlich kosteten die Modelle zwischen 500 und 650 DM.

Die Leidenschaft für das Credette-Sammeln kam dann vor 25 Jahren. „Wenn Sie älter werden, wollen Sie ein Stück Jugend zurückgewinnen. Es ist wunderbar, wenn man eine defekte Maschine repariert, die seit Jahren nicht mehr gelaufen ist und die plötzlich wieder atmet.“

Ein Teil seiner Sammlung ist ausgestellt: Paul Schirakowski hat drei seiner Sitta-Credette dem Technik-Museum überlassen.

Rubriklistenbild: © privat

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