Besichtigung erst nach Geldzusage

Wohnungsnot in Kassel: Ein Mieter nutzt das bei der Nachmietersuche dreist aus - horrende Forderung

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Wohnungsbesichtigung nur nach Zusage für Küchenkauf: Eine umstrittene Wohnungsanzeige auf E-Bay-Kleinanzeigen sorgt für Diskussionsstoff.

Die Wohnungsnot ist in Kassel groß. Diese Situation versuchen auch einige Mieter bei der Suche nach Nachmietern für sich zu nutzen. Hier ein Beispiel.

Kassel – Das Angebot klang für Fabio Straubinger erst mal verlockend: 470 Euro Warmmiete für eine 65 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung in Niederzwehren. Weil sein Bruder eine neue Bleibe sucht, nahm Straubinger mit dem Inserenten der Anzeige bei Ebay-Kleinanzeigen Kontakt auf. Doch was er dann erlebte, empfand er als Frechheit.

„Suche einen Nachmieter für meine Wohnung“ ist auf Ebay-Kleinanzeigen zu lesen. Also schrieb Straubinger den aktuellen Mieter an. Doch um sich die teilmöblierte Dachgeschosswohnung überhaupt anschauen zu können, müssen sich Interessen wie Straubinger zunächst auf ein Geschäft einlassen. 

Ohne Geldzusage kein Besichtigungstermin

Sofort wollte der Inserent wissen, ob man bereit sei, für 3000 Euro die Einbauküche und ein Sofa zu übernehmen. Für Straubinger war das zu viel Geld. Er fragte, ob es trotzdem möglich sei, die Wohnung zu besichtigen. Dies wurde abgeblockt.

Der Mieter teilte ihm mit, dass er zunächst nur Besichtigungstermine für Personen ermöglicht, die ihm das Mobiliar auch abkaufen. Auch nannte er auf Nachfrage nicht, wer der Vermieter ist oder wo sich die Wohnung genau befindet.

Auch Straubingers Freundin, die den Mieter unter ihrem Account nochmals anschrieb, blieb erfolglos. Wieder wollte der Mieter zunächst eine Zusage, dass das Mobiliar für 3000 Euro übernommen wird. Auch das Argument, dass sie für eine Kaufentscheidung zunächst die Möbel vor Ort sehen müsse, ließ er nicht gelten.

„Das ist eine Frechheit“, sagt Straubinger. Es sei natürlich völlig normal, dass Nachmieter Möbel gegen Bezahlung übernehmen. Dafür müssten aber doch zumindest im Vorfeld ein Besichtigungstermin und ein Kennenlernen des Vermieters möglich sein.

Polizei: Kein strafbares handeln - doch moralisch fragwürdig

Auch die HNA probierte unter Pseudonym, die Wohnung zu besichtigen. Wieder verlangte der Mieter zunächst eine feste schriftliche Zusage, dass das Mobiliar – in diesem Fall für 3500 Euro – übernommen wird. Er habe einen „sehr guten Draht“ zum privaten Vermieter und könne dann ein gutes Wort einlegen, damit man die Wohnung auch bekomme. Ob der Vermieter etwas von den Geschäften seines Mieters weiß, ist unklar.

Nach Auskunft der Polizei ist ein solches Verhalten nicht strafbar. Es liege keine Täuschung vor, da ja offenbar tatsächlich Mobiliar als Gegenwert angeboten werde. Es sei insofern nur moralisch fragwürdig, so eine Polizeisprecherin. Der Mieter hat auf HNA-Anfrage zu seinem Verhalten mit zwei lachenden Smileys reagiert.

Das sagt der Mieterbund: Seriös ist so etwas nicht

Der Mieterbund Nordhessen rät Mietinteressenten von solchen Geschäften ab. Zwar sei es grundsätzlich möglich und auch nicht unüblich, dass Nachmieter von den aktuellen Mietern Möbel übernehmen – dann aber nur nach vorheriger Besichtigung der Wohnung und des Mobiliars. „Eine Zusage im Vorfeld würde ich nicht geben. Da kauft man ja die Katze im Sack“, sagt Maximilian Malirsch, Geschäftsführer des Mieterbundes. 

In Zeiten der Wohnungsnot würden Mieter auf diese Weise in die Rolle eines Maklers schlüpfen. Nach dem Motto: „Der Nachmieter kauft mir alte Möbel ab und ich setze mich für ihn beim Vermieter ein.“ Wenn es um 500 Euro gehe und der Interessent zuvor die Wohnung sehen könne, sei dies wohl hinzunehmen, nicht aber bei Summen von 3000 Euro. „Es gab schon Leute, die haben Geld für Möbel bezahlt und anschließend die Wohnung nicht bekommen. Deshalb würde ich von vorschnellen Zahlungen abraten. Seriös ist so etwas nicht“, sagt Malirsch. 

Insgesamt hält er das Ausnutzen von Wohnungsnot für die eigenen Geschäfte für moralisch fragwürdig. In solchen Fällen wie dem aktuellen rät er Mietern, ihre Einbauküchen an den Vermieter zu verkaufen. Für den wirke sich eine Einbauküche wertsteigernd aus. Er könne dadurch höhere Mieten erzielen.

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