Zu viel Kohlendioxid?

Kasseler Kohlekraftwerk könnte von Sparzielen  betroffen sein

Wichtige Säule der Energieversorgung: In dem Kraftwerk an der Dennhäuser Straße wird etwa ein Drittel der Fernwärme in Kassel erzeugt. Archivfoto: Schachtschneider

Kassel. Von Plänen der Bundesregierung könnte auch die Zukunft des Kohlekraftwerks an der Dennhäuser Straße in Kassel betroffen sein.

Bis 2020 soll der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) um 22 Millionen Tonnen gesenkt werden. Weil sich abzeichnet, dass Deutschland das gesteckte Einsparungsziel von 40 Prozent verfehlt, sollen die Betreiber von fossilen Kraftwerken ihren CO2-Ausstoß reduzieren.

Betrieben wird es als Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage (KWK), die vorrangig Fernwärme produziert. „Das Kraftwerk ist wärmegeführt“, sagt Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke Energie+Wärme GmbH. Anders gesagt heißt das: die Fernwärme-Produktion gibt den Takt vor. Danach richtet sich jeweils, wie viel Strom erzeugt wird.

Ob die Pläne der Bundesregierung KWK-Anlagen ebenso wie herkömmliche Kohlekraftwerke betreffen, sei noch nicht entschieden, sagte Dr. Beate Braams, Sprecherin von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), auf Anfrage. Oberstes Ziel sei die Einsparung von Kohlendioxid. Konkrete Pläne gebe es noch nicht. „Die Überlegungen stehen ganz am Anfang“, sagte die Sprecherin.

Das Kraftwerk an der Dennhäuser Straße werde im gesamten Jahr 2014 voraussichtlich 130 000 Tonnen Kohlendioxid ausstoßen, sagte Pijanka. Nach Plan hätten es 175 000 Tonnen sein sollen. Doch weil der vorige Winter recht mild war, sei auch weniger Fernwärme produziert worden.

KWK-Anlagen sind effizienter als Kraftwerke, die nur Strom erzeugen. Laut Pijanka hat die Anlage an der Dennhäuser Straße einen Ausnutzungsgrad des eingesetzten Energieträgers „von 80 bis 90 Prozent, teils sogar darüber“. In einfachen Kohlekraftwerken liege dieser Wert bei etwa 50 Prozent und weniger.

Für die Produktion von Fernwärme in Kassel ist die Anlage an der Dennhäuser Straße eine wichtige Säule. Etwa 25 000 Haushalte und einige größere Betriebe in Kassel hängen am Fernwärmenetz. Rechnerisch ein Drittel davon, etwa 9000 Haushalte, werde mit der Kraftwerksleistung von 80 Megawatt versorgt, sagte Pijanka.

Ebenso erheblich ist die Rolle bei der Stromproduktion. Das Kraftwerk kommt auf eine Leistung von 34 Megawatt, was für etwa 32 000 Haushalte reiche. Würde die Anlage die ganze Zeit unter Volllast laufen, könnte sie rechnerisch 95 000 Haushalte mit Strom versorgen, so Pijanka. Das wären fast alle der knapp 100 000 Haushalte in Kassel. Allerdings sei diese Rechnung nur theoretisch, weil im Sommer kaum Fernwärme gebraucht werde.

Von Claas Michaelis

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