"World Wide Blanket" in Kassel-Niederzwehren

Kollektives Kunstprojekt: Neuer Rock aus alten Bettlaken

Sie wollen Neues aus alten Bettlaken schneidern: (von links) Elke von der Lühe holt sich Tipps von Birgit Becker, die das kollektive Kunstwerk „World Wide Blanket“ von Beginn an begleitet. Fotos:  Fischer

Kassel. In Niederzwehren kreieren Umweltaktivisten beim "World Wide Blanket" zehn Tage lang Neues aus alter Bettwäsche.

„Achte darauf, welche Spuren du hinterlässt“ steht auf einem roten Bettlaken. Daraus könnte eine neue Tasche für Elke von der Lühe aus Niederzwehren entstehen. Sie macht beim „World Wide Blanket“ mit, das Umweltaktivistinnen bis zum kommenden Sonntag, 23. Juli, in Kassel veranstalten. Bei dem kollektiven Kunstprojekt geht es um das Thema Nachhaltigkeit.

Birgit Becker und Jula-Kim Sieber aus Darmstadt sind die Initiatorinnen des Projekts. Die Idee, alte Bettlaken im Kollektiv mit Botschaften zu bemalen, sei im Jahr 2012 entstanden. Insgesamt 2000 Menschen hätten sich angeschlossen, darunter auch einige Firmen. Im Juni 2015 wurden dann die Bettlaken zusammengenäht und am Brandenburger Tor in Berlin ausgestellt. 320 Meter Kunst seien dabei herausgekommen.

„Eigentlich sollte das der Abschluss unserer Aktion sein“, sagt Birgit Becker. „Aber wir konnten unsere Bettlaken doch nicht wegschmeißen.“ Und so wurden diese bei verschiedenen Veranstaltungen bundesweit ausgestellt. Ziel der Aktivisten ist es, auf den verschwenderischen Umgang mit natürlichen Ressourcen aufmerksam machen und die Menschen zum Umdenken anzuregen.

In Niederzwehren, auf dem Gelände der Textilfirma Joko Design, haben die Umweltaktivistinnen die Bettlaken aufgehängt. Jeder, der mitmachen möchte, kann sich ein Laken aussuchen und daraus etwas Neues schaffen. Vier Nähmaschinen stehen zur Verfügung. Wer sich zum Beispiel eine neue Weste nähen möchte, kann bei Birgit Becker nach dem Schnittmuster fragen.

Setzt sich für Nachhaltigkeit ein: Jula-Kim Sieber, Initiatorin von „World Wide Blanket“.

Und Jula-Kim Sieber kann Tipps geben, wie man sich einen Rock am besten näht. Beide Frauen können auch aus den Laken einen Turban herstellen.

„Das Schöne an dieser Aktion ist, dass die Menschen einfach nur kommen müssen und sich einbringen können. Hier wird ihnen nichts vorgesetzt“, sagt Frauke Koch, die in Niederzwehren lebt.

Dass der Abschluss des „World Wide Blanket“ in Kassel stattfindet, liege zu einem daran, dass man das Gelände der Firma habe nutzen können, sagt Jula-Kim Sieber. Man habe die zehn Tage bewusst in die Zeit der documenta gelegt. Die Idee sei gewesen, dass Besucher der documenta auch bei dem kollektiven Kunstwerk in Niederzwehren mitmachen.

Nachhaltigkeit ist hier nicht nur beim Nähen zu spüren. Die Aktivistinnen haben Foodsharing in Anspruch genommen. Ein Supermarkt und eine Bäckerei haben für die Veranstaltung Lebensmittel (Obst, Gemüse, Brot, Wurst und viele mehr) kostenlos zur Verfügung gestellt, die sie nicht mehr im Laden verkaufen dürfen. „Dabei ist das alles noch gut. Daran sieht man, in welchem Überfluss wir leben“, sagt Jula-Kim Sieber

„Ich würde sagen, heute gibt es Spargelcremesüppchen“, sagt Frauke Koch. Von dem leckeren Gemüse hat der Supermarkt nämlich auch viele Stangen zur Verfügung gestellt.

Der „World Wide Blanket“ findet bis zum Sonntag, 23. Juli, in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 27, täglich ab 11 Uhr statt. Samstags gibt es jeweils ab 19 Uhr ein Bühnenprogramm, einen Vortrag zur Geschichte des WorldWideBlanket und Livemusik.

www.WorldWideBlanket.org/info

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