Kraftwerk Dennhäuser Straße im Fokus

Klimaschutzexperten fordern: Kassel soll schneller weg von der Kohle

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Stein des Anstoßes: das Kraftwerk Dennhäuser Straße, in dem pro Jahr fast 100 000 Tonnen (Braun-)Kohle verbrannt werden. Das Urteil des Umweltexperten Katzschner: „Eigentlich müsste man es abschalten.“ 

Nach dem angekündigten Kohleausstieg bis 2028  rückt das Kasseler Kraftwerk Dennhäuser Straße in den Blick. Umweltexperten fordern: Die Stadt soll schneller weg von der Kohle.

Wenig Heizwert und viel Ausstoß von Kohlendioxid: Braunkohle weist die schlechteste Klimabilanz aller Energieträger auf. Dabei wird Braunkohle auch noch im Kraftwerk Kassel an der Dennhäuser Straße zur Produktion von Fernwärme und Strom verbrannt – und zwar fast 100 000 Tonnen pro Jahr.

Die Ankündigung

Bei Umwelt- und Klimaschutzexperten stößt die Kohleverbrennung zunehmend auf Kritik. Daran ändert auch die kürzliche Ankündigung von Stadt und Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV) nichts, den Kohleausstieg bis 2028 – und damit zwei Jahre früher als geplant – schaffen zu wollen. Wissenschaftler und Umweltgruppen fordern, dass Kassel so schnell wie möglich von der Kohle wegkommt und das aus dem Jahr 1987 stammende Kraftwerk abgeschaltet wird (siehe Interview unten). Hingegen will die KVV dort bis 2028 rund 28 Millionen Euro investieren.

Die Beschlusslage

Die Mehrheit der Stadtverordneten hat jetzt eine Resolution beschlossen, wonach Kassel bis 2030 klimaneutral werden soll. Abgesehen von der Einrichtung eines Klimaschutzrates, wird auch diese Resolution wenig konkret. Das Kraftwerk, das Braunkohle aus unterschiedlichen deutschen Revieren verbrennt, bleibt als ein Hauptverursacher von Kohlendioxid unerwähnt. Absichtserklärungen zum Klimaschutz wurden in Kassel schon einige beschlossen. Es mangelt aber nach wie vor an Kriterien, wie diese Absichten – etwa das im Klimaschutzkonzept erklärte Ziel, die Treibhausgas-Emissionen alle fünf Jahre um zehn Prozent zu reduzieren – erreicht und kontrolliert werden können.

Die Forderung

Dort setzt auch die Kritik des neuen Bündnisses „Kassel kohlefrei“ von 15 Umweltgruppen an. Es fordert den Ausstieg bis 2023 und rechnet vor, dass die Kohleverbrennung in Kassel jährlich 150 000 Tonnen Kohlendioxid verursacht.

Die Wirkung

Der Druck von Wissenschaftlern, Aktivisten und dem Protest auf der Straße zeigt Wirkung in der Politik. Die Linke erklärte bereits, die Forderung zum Kohleausstieg bis 2023 zu unterstützen. Die rotgrünen Koalitionäre hakten jetzt im Ausschuss nach, wann das Kraftwerk frühestmöglich aus der Kohleverbrennung aussteigen könne. Geplant sei 2028, meinte dazu Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Ob Technik und Versorgungssicherheit einen früheren Ausstiegstermin zuließen, sei noch unklar.

Hintergrund: Kraftwerk Kassel

Die Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV) will bis zum Jahr 2028 „weitgehend“, so Geschäftsführer Dr. Michael Maxelon, aus der (Braun-)Kohleverbrennung ausgestiegen sein. Als Ersatz soll zunehmend Klärschlamm und künftig auch Altholz im Kraftwerk in der Dennhäuser Straße verfeuert werden. Das Kraftwerk versorgt rund 30.000 Haushalte und viele Betriebe mit Fernwärme. Bisher werden laut KVV rund 95 000 Tonnen Kohle pro Jahr im Kraftwerk verfeuert. Schon jetzt, also ohne die derzeit im Bau befindliche Trocknungsanlage, werden 65.000 Tonnen Klärschlamm verbrannt. Nach Fertigstellung (Anfang 2020) sollen es 100.000 Tonnen sein. Rechnerisch solle das etwa 20.000 Tonnen Kohle pro Jahr einsparen. Heißt: Jährlich würden dann immer noch 75.000 Tonnen Kohle benötigt.

KVV-Geschäftsführer Dr. Michael Maxelon bezeichnete bei der Ankündigung zum Kohleausstieg 2028 Klärschlamm als wichtigen Bestandteil für den Ausstieg.

Im vergangenen Dezember protestierten Aktivisten für den Kohleausstieg. 250 Menschen gingen auf die Straße.

Bei einer kuriosen Protestaktion seilten sich im Februar Klima-Aktivisten vom Gebäude des Kaufhof ab. Auf einem großen Banner stand: "Kohleausstieg ist und bleibt Handarbeit". 

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