Langes Feld voller Munition: Experte entdeckte 750 Kilo Brandbomben

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Hat viel zu tun auf dem Langen Feld: Mirko Zeuner vom Kampfmittelräumdienst PD Bohr- und Sondiergesellschaft mit einem Bombensplitter.

Kassel. Wo sich ab 2017 erste Gewerbebetriebe ansiedeln sollen, befand sich vor 70 Jahren eine Kraterlandschaft. Auf Luftbildern von 1945 ist zu sehen, dass das Lange Feld von Bombentrichtern übersät war.

Gleichzeitig waren auf dem Areal in Niederzwehren vier große Flakgeschütze stationiert, um Bomber in großer Höhe zu beschießen. Im Zuge des Umbaus zum Gewerbegebiet hat der Kampfmittelräumdienst in den vergangenen sechs Monaten 750 Kilo Bomben und Munition aus dem Boden geholt. Auch die Überreste der alten Flakstellung wurden abgerissen.

Lexikonwissen:

Das Lange Feld im Regiowiki

Mirko Zeuner aus der Nähe von Würzburg ist im Auftrag der Stadt mit der Beseitigung der Blindgänger beschäftigt. „Einer der größten Funde war eine 50-Kilo-Brandbombe“, erzählt er. Insgesamt habe er seit dem Start seiner Untersuchung im April 40 Brandbomben, diverse Kleinmunition und Bombensplitter geborgen.

Dabei hat er bisher nur schmale Korridore untersucht, auf denen Straßen, Leitungen und Kanäle verlaufen. Rechts und links davon vermutet er noch jede Menge weiterer Blindgänger. Zum Teil lag die Munition in sieben Metern Tiefe.

Zudem war Zeuner damit beauftragt, die Überreste der alten Flakstellung zu beseitigen. Sie gehörte zu einem Flak-Abwehrring um die Stadt, erzählt Gerhard Rinder, Ortsbeiratsmitglied von Niederzwehren. Bestückt war die Stellung auf dem Langen Feld einst mit sechs kleineren Flaks und vier 8,8-Zentimeter-Flaks – damals auch Acht-Acht genannt.

„Diese Flugabwehrkanone war berühmt-berüchtigt“, sagt Zeuner. Grund dafür war ihre Reichweite. Sie konnte Ziele in über zehn Kilometer Höhe treffen. Übrig geblieben war von der 1941 errichteten Stellung auf dem Langen Feld nur noch eine einen Meter dicke Bodenplatte. Diese hat Zeuner herausgebrochen und zerlegt. Sie diente zuletzt noch Modellfliegern als Standort.

Auf den alten Luftbildern konnte Zeuner erkennen, dass einst zu der Anlage ein Munitionsbunker, ein Splitterschutzwall und eine Kantine für die Mannschaft gehörten. Zudem befand sich in der Nähe ein Kriegsgefangenenlager. „Die Kriegsgefangenen wurden damals dafür eingesetzt, die Munition aus dem Bunker zu holen und zur Flak zu tragen“, erzählt Zeuner. Keine ungefährliche Aufgabe.

Anhand der Luftbilder konnte der Kampfmittelexperte auch rekonstruieren, dass die transportablen Flaks nach der Bombardierung Kassels am 22. Oktober 1943 an einen anderen Ort verlegt wurden. „Man sah offenbar keinen Sinn mehr, die Stadt gegen Luftangriffe zu verteidigen“, so Zeuner.

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