Mord in Niederzwehren

Lebenslange Haft für Mord: 42-Jähriger weinte bei Urteilsverkündung

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Urteilsspruch am Montag: Wegen Raubmordes an einer 74 Jahre alten Frau in Niederzwehren hat das Landgericht Kassel den Angeklagten – hier mit seinem Verteidiger im Hintergrund – zu lebenslanger Haft verurteilt.

Kassel. Für den Mord an einer 74-jährigen Frau in deren Wohnung in Niederzwehren muss ein 42 Jahre alter Mann aus Kassel lebenslänglich hinter Gitter.

Die 6. Strafkammer sah am Montag mit Habgier und Raub mit Todesfolge gleich zwei Mordmerkmale erfüllt. Die Kammer mit Richter Volker Mütze an der Spitze erkannte allerdings nicht auf eine „besondere Schwere der Schuld”, sodass der Angeklagte mit einer minimal 15 Jahre dauernden Haft rechnen darf.

„Frau B. musste sterben, weil Sie Geld brauchten”, so fasste Mütze das Geschehen am Pfingstmontag vergangenen Jahres in dem Haus an der Perlengasse zusammen. Der Angeklagte hatte seinen Job verloren, das Arbeitslosengeld zu spät beantragt, es fehlten ihm rund 400 Euro für die Mai-Miete.

Ursula B., ehemalige Nachbarin seiner Eltern, kannte der Angeklagte als vermögend. Bei ihr hofft er entweder auf einen Job als Gärtner, vor allem aber auf einen „kleinen Privatkredit”, um die Miete bezahlen zu können. Gegen 19.30 Uhr habe er bei Ursula B. geklingelt, die den Mann freundlich hereinbat und zum Abendessen einlud, schilderte Richter Mütze den Verlauf des Abends, wie er sich der Kammer darstellt.

Nach anfangs freundlicher Atmosphäre kippte die Stimmung offenbar, als der Angeklagte nach Geld fragte. Die Rentnerin lehnt ab und versuchte wohl, den Angeklagten zu verabschieden.

An der Wohnungstür kam es zu einem Handgemenge, bei dem die Frau zu Boden ging. Um die Hilferufe zu ersticken, drückte ihr der Angeklagte Mund und Nase zu, die Frau erlitt mehrere Rippenbrüche und blutende Gesichtsverletzungen.

Vermutlich als die Frau schon tot war, ging der Angeklagte zu ihr, legte sie mit dem Gesicht nach unten auf ein Kissen. „Ich bin noch mal hin und habe geguckt, ob sie mir noch was leihen kann“, sagte er später vor der Polizei aus, die ihm über Telefonprotokolle auf die Spur gekommen war und ihn rund sechs Wochen nach der Tat festgenommen hatte.

Für Richter Mütze war diese Aussage typisch für den Angeklagten, der eine „vermeidende Persönlichkeit” habe, unangenehme Dinge derart perfekt verdränge, dass sie mit ihm nichts mehr zu tun haben.

Gestern klappte diese Strategie im voll besetzten Gerichtssaal nicht mehr. Als Richter Mütze die grausamen Details der Tat schilderte, wischte sich der Angeklagte immer wieder die Tränen aus den Augen, schlug die Hände vors Gesicht und starrte blicklos ins Leere. Ob er sich endlich der eigenen Verantwortung für den Tod eines Menschen stellte oder an seine bevorstehende Zeit im Gefängnis dachte, blieb dabei offen. Der Sohn des Opfers, der als Nebenkläger am Prozess teilgenommen hatte, wollte gestern keine Bewertung des Urteils abgeben: „Meine Mutter ist tot“, sagte der sichtlich aufgewühlte Mann. Mehr gebe es nicht zu sagen.

Verteidiger Jan Hörmann kündigte an, Revision gegen das Urteil einlegen zu wollen. Er hatte auf Körperverletzung mit Todesfolge plädiert und eine „aus dem Ruder gelaufene“ Situation geschildert.

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