65-Jähriger aus Kassel ermordete Hans-Günter. Z aus Niederzwehren

Lebenslang für Mord aus Habgier in Kassel: Indizien ließen keine Zweifel

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Versteinerte Miene: Ohne sichtbare Gemütsregung war Georg Islam S. dem Verfahren gefolgt, auch das Urteil lebenslänglich nahm er reglos auf. Nur mit Verteidiger Klaus-Uwe Haake wechselte er leise ein paar Worte.

Kassel. Er wollte die 2025 Euro für sich und war bereit, dafür seinen alten Freund zu töten: Ein 65-jähriger Kasseler ist wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Wegen Mordes aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat ist Georg Islam S. am Dienstag von der 6. Strafkammer des Landgerichts zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Eine besondere Schwere der Schuld erkannte Richter Volker Mütze in seiner Urteilsbegründung für den 65-jährigen Angeklagten nicht. Der bei München geborene Kasseler ist nicht vorbestraft und hat sich nach Überzeugung des Gerichts spontan zur Tötung von Hans-Günter Z. entschlossen.

Verteidiger Klaus-Uwe Haake hatte Freispruch für seinen Mandanten gefordert, dessen Schuld in dem Verfahren nicht zweifelsfrei nachgewiesen worden sei.

Tatsächlich hatte der Angeklagte an allen Prozesstagen nur ein einziges Mal den Mund aufgemacht, als er zu seinen Personalien befragt worden war. Danach hatte er geschwiegen und mit gesenktem Kopf und versteinertem Gesicht auf seine tättowierten Unterarme gestarrt.

Doch für die Strafkammer waren die von der Anklage vorgelegten Indizien so eindeutig, dass keine vernünftige Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten blieben. Danach hat der seinen langjährigen Freund mit massiver Gewalt gegen den Hals, die zu mehreren Frakturen führte, getötet. Das Motiv: Hans-Günter Z. hatte 2025 Euro, die ihm nach einem Fahrradunfall von der Versicherung zugesprochen waren, aufs Konto des Angeklagten überweisen lassen, weil auf seinem Konto ein Pfändungsbeschluss lag.

Georg S. verbrauchte das Geld für sich. Als er am Vormittag des 25. September seinen Freund, für dessen Wohnung er einen Schlüssel hatte, besuchte, wollte der sein Geld haben. Das aber war schon weg. Es kam zum Streit, in dessen Verlauf Georg S. den 77-Jährigen erwürgte.

Ein Geständnis gab es nicht

Ein Geständnis gab es nicht im Mordprozess gegen Georg Islam S., denn der Angeklagte hatte eisern geschwiegen. Doch für Richter Volker Mütze und seine 6. Strafkammer ließ die Indizienkette keinen Zweifel daran aufkommen, dass nur der „heimatlose Ausländer“, als den sich Georg S. am ersten Verhandlungstag selbst bezeichnet hatte, als Mörder infrage kommt.

In seiner Urteilsbegründung hatte Mütze die Indizien nachgezeichnet, auf denen das Urteil „lebenslang“ des Landgerichts fußte.

Da war zunächst das Motiv: 2025 Euro Schmerzensgeld sind für beide Bezieher niedriger Einkommen ein Riesenbatzen Geld. Hans-Günter Z., dem die Summe von der Versicherung nach einem Radunfall im Frühjahr 2017 zugesprochen worden war, hatte das Geld aufs Konto des Freundes überweisen lassen, weil auf seinem ein Pfändungsbeschluss ruhte.

Tatort in Kassel-Niederzwehren.

Dass dies auch für das Konto von Georg S. galt, war dem wohl entfallen. Jedenfalls scheiterte er beim Versuch, fünf Tage vor der Tat 1500 Euro abzuheben, er bekam nur 675 Euro. Am Tattag, dem 25. September 2017, wies er seine Bank an, mit dem Guthaben eigene Telefonschulden zu begleichen. Damit war das Geld fast alle.

Mordmerkmal Habgier

Als Hans-Günter Z. wenig später sein Geld einforderte, habe S. spontan den Entschluss gefasst, den Freund zu töten. Damit, so Mütze, war das Mordmerkmal Habgier erfüllt. „Habgier ist rücksichtloses Gewinnstreben auch um den Preis eines Menschenlebens“, erläuterte der Richter. Zweites Mordmerkmal sei die „Verdeckung einer Straftat“, nämlich der Untreue für das ihm vom Freund anvertraute Geld. Für die Kammer habe es daher keine Alternative zur lebenslangen Haft gegeben, die das Gesetz bei Mord fordert.

Es gebe keinerlei Hinweis darauf, dass ein unbekannter Dritter durch das offene Fenster in die Erdgeschosswohnung an der Karlsbader Straße eingestiegen sei und Hans-Günter Z. getötet hat. Die Wohnung sei nicht durchsucht worden, Aufbruchspuren habe es ebenfalls nicht gegeben. Das deute auf einen Täter mit dem Wohnungsschlüssel hin – auf Georg S.

Auch die HNA floss ins Beweisepuzzle ein: Die von der Nachbarin vor Z.s Haustür abgelegte Wochenendausgabe hatte Z. noch reingeholt, die Montagsausgabe blieb liegen. Der letzte Handyanruf am Montagmorgen und die nicht angerührte Medikamentendosis für den Abend spreche für den Montag als Tattag. Die schon deutlich verweste Leiche war erst knapp zwei Wochen später gefunden worden, als der Angeklagte auf Drängen der Nachbarn die Wohnung öffnete. Nach der Tat hatte Georg S. noch mit der EC-Karte des Opfers 280 Euro abgehoben, sogar noch die Katze gefüttert.

Zur Urteilsverkündung am Dienstag durch die 6. Strafkammer waren auch mehrere Kasseler Kripo-Beamte gekommen, die im vergangenen September mit akribischer Ermittlungsarbeit den jetzt verurteilten Georg S. überführt und festgenommen hatten und die jetzt mit spürbarer Zufriedenheit den Urteilsspruch aufnahmen.

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