Angebote für Immobilie abgegeben

Magazinhof: Muss das Nazi-Wandbild bleiben?

Monumentales Wandgemälde am Silo II des Magazinhofes: Denkmalschützer und ein Restaurator haben das Wandbild aus Kratzputz im Sommer dokumentiert. Archivfoto: Koch

Kassel. Es gibt mehrere Interessenten, die den Magazinhof in Niederzwehren, das ehemalige Getreidelager der Wehrmacht, kaufen wollen. Ärger gibt es dabei um ein Wandbild aus der Nazi-Zeit.

Am 12. September war die Frist für ein Angebotsverfahren für die denkmalgeschützte Immobilie abgelaufen. Laut Klaus Armbrecht von der Abteilung Verkauf der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) sind mehrere Gebote für das gesamte Areal mit einer Fläche von 37.000 Quadratmeter eingegangen. Zum Teil planten die Interessenten, Gewerbe anzusiedeln, andere wollten Wohnraum schaffen, andere eine Mischung aus beidem. Deshalb führe die Bima am heutigen Donnerstag ein erneutes Gespräch mit der Stadt, um abzustimmen, was auf dem Gelände realisiert werden kann.

Nicht weniger wichtig wird ein Gespräch am kommenden Montag sein, das die Bima mit dem Landesamt für Denkmalschutz und der Unteren Denkmalschutzbehörde, die bei der Stadt Kassel angesiedelt ist, anberaumt hat. Dass der gesamte Komplex unter Denkmalschutz steht, darüber gibt es wohl keine Debatten mehr. Umstritten ist allerdings nach wie vor ein Wandbild aus Kratzputz (Sgraffito) am Silo II des Magazinhofs. Das Bild an dem ehemaligen Getreidespeicher der Wehrmacht stellt einen Erntezyklus dar und zeigt einen Bauern, der eine Keule schwingt – wie zur Abwehr eines Feindes.

Ein Symbol für die Blut-und-Boden-Ideologie der Nationalsozialisten, das spaltet. Es gibt viele Menschen in Niederzwehren, die das durch Wind und Wetter angegriffene Bild, das nach dem Krieg überputzt worden war, gar nicht mehr sehen wollen.

Hessens Denkmalschützer sehen das ganz anders. Das Sgraffito sei „ganz im Sinne der heroischen NS-Propaganda zur Bauzeit des Ersatzverpflegungsmagazins“. Und deshalb sei es schützenswert.

Bei der Bima setzt man derweil auf Bewegung unter den Denkmalschützern. „Wir hoffen, dass das Bild nicht unbedingt für Kassel erhalten bleiben muss“, sagt Armbrecht. Eigentlich müsse es doch reichen, dass das Wandgemälde dokumentiert worden sei. Auf Kosten der Bima haben Denkmalschützer und Restauratoren das Gemälde in diesem Sommer genau unter die Lupe genommen. „Wir warten nur noch auf ein Gutachten der Unteren Denkmalschutzbehörde“, sagt Armbrecht.

Bei der Stadt Kassel will man sich zu den weiteren Vorgaben für den Magazinhof erst äußern, wenn das Gespräch mit dem Landesamt für Denkmalschutz am Montag geführt worden ist, sagt Ingo Happel-Emrich auf Anfrage der HNA. (use)

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