Denkmalschützer haben Wandbild untersucht

Am Magazinhof: NS-Wandbild soll saniert werden

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Soll saniert werden: Das Wandbild an einem der Silos am Magazinhof. Im Korb des Hubwagens ist Denkmalschützerin Astrid Obermann zu sehen.

Niederzwehren. Das Wandbild aus Kratzputz (Sgraffito) am Silo II des Magazinhofs in Niederzwehren sorgt für neuen Unmut im Stadtteil. Das Bild an dem ehemaligen Getreidespeicher der Wehrmacht stellt einen Erntezyklus dar und zeigt einen Bauern, der eine Keule schwingt - wie zur Abwehr eines Feindes.

Für Niederzwehrens Ortsvorsteher Harald Böttger (SPD) steht fest: Das ist eindeutig ein Symbol für die Blut-und-Boden-Ideologie der Nationalsozialisten. Das sehen Hessens Denkmalschützer genauso, ziehen daraus aber einen ganz anderen Schluss. Das Sgraffito sei „ganz im Sinne der heroischen NS-Propaganda zur Bauzeit des Ersatzverpflegungsmagazins“. Und deshalb sei es schützenswert.

In den vergangenen Tagen haben Astrid Obermann, Mitarbeiterin des Landesamtes für Denkmalpflege in Wiesbaden, und Restaurateur Thomas Dietrichsen das Sgraffito, das nach dem Zweiten Weltkrieg überputzt worden ist, genauer unter die Lupe genommen. Mit einem Hubwagen fuhren sie das Wandbild ab. Lose Partien habe man mit Mörtel befestigt, zudem habe man Risse verschlossen, sagt Obermann. „Das Bild soll auf alle Fälle erhalten werden“, sagt die Denkmalschützerin. Derzeit stehe aber noch nicht fest, ob der momentane Zustand einfach nur konserviert oder beschädigte Teile des Wandbilds rekonstruiert würden. Was die Restaurierung kosten könnte, darüber will Obermann derzeit keine Schätzungen abgeben.

Derzeit ist auch noch völlig unklar, wer die Kosten dafür übernehmen soll. „Ich wäre froh gewesen, wenn das Bild endlich verschwunden wäre. Es ist unvorstellbar, dass es jetzt auch noch mit Steuergeldern wiederhergestellt werden soll“, sagt Ortsvorsteher Böttger.

Derzeit befindet sich der Magazinhof, der unter Denkmalschutz steht, noch im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Die Bima hat mittlerweile allerdings mit der Vermarktung des Areals begonnen. So könnte auch ein künftiger Eigentümer verpflichtet werden, die Kunst aus dem Dritten Reich zu sanieren.

Es sei geplant, dass das Gutachten zum Sgraffito noch vor dem Verkauf durch das Landesamt für Denkmalpflege erstellt und den Interessenten zur Verfügung gestellt wird, teilt Bima-Sprecher Guido Déus auf Anfrage der HNA mit.

Im Rahmen des Angebotsverfahrens hätten Interessenten zunächst Gelegenheit, bis zum 29. August Kaufgebote für den Magazinhof abzugeben. Ein erster Besichtigungstermin habe bereits stattgefunden, so Déus. (use)

Einen ausführlichen Hintergrund zur Geschichte des Bildes und des Magazinhofes finden Sie in der gedruckten Montagsausgabe der Hessischen Allgemeinen.

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