Schwerverletzte Frau auf Weg der Besserung

Messerattacke in Kassel: Die Frage nach dem Warum bleibt

Kassel. Nach dem brutalen Überfall auf zwei Frauen an der Frankfurter Straße vor einer Woche liegt das Motiv des Täters weiter im Dunkeln.

Der 50-jährige Kasseler, der im dringenden Verdacht steht, am Mittwochabend zwei Frauen mit einem Küchenmesser attackiert und verletzt zu haben, äußert sich nicht zu der Tat. Er sitzt seit Donnerstag in Untersuchungshaft. „Was den Mann dazu bewogen hat, unvermittelt auf die beiden Frauen loszugehen, ist Gegenstand der Ermittlungen“, sagte Polizeisprecher Torsten Werner auf Anfrage der HNA.

Die 34-jährige Frau aus Kassel, die nach der Messerattacke in Lebensgefahr schwebte, ist inzwischen auf dem Weg der Besserung. Heute soll sie die Intensivstation voraussichtlich verlassen. Ihre 49-jährige Begleiterin, mit der sie zuvor einen Elternabend in der Johann-Hinrich-Wichern-Schule besucht hatte, erlitt lediglich leichte Verletzungen. Unter den psychischen Folgen des Erlebten litten jedoch beide Frauen nach wie vor, so Polizeisprecher Werner.

Ohne das mutige Eingreifen eines Zeugen hätte die Attacke womöglich tödlich enden können. Der 20-jährige Yasar Atasoy war am Mittwoch gegen 22 Uhr mit dem Auto auf dem Heimweg nach Fuldabrück, als er auf dem Gehweg an der Frankfurter Straße sah, wie ein Mann eine Frau angriff und Hilfeschreie hörte. „Als ich ausstieg, lag die Frau schon auf dem Boden, und der Mann hockte auf ihr und hat auf sie eingestochen“, schildert er die Situation.

Torsten Werner

Ohne nachzudenken, habe er eingegriffen: „Es war einfach klar, dass da jemand Hilfe brauchte. Dass es wirklich um Leben und Tod ging, wusste ich in dem Moment noch nicht.“ Seine Erfahrung als Ringer und im Kampfsport mag dem jungen Mann zugute gekommen sein. Erst gelang es ihm, dem Angreifer das Messer abzunehmen. Dann setzte er den 50-Jährigen mit einem Faustschlag ins Gesicht vorübergehend außer Gefecht und wandte sich der schwerverletzten Frau zu. „Sie hat immer gesagt: Ich sterbe“, erinnert er sich. „Und ich habe ihr zugeredet: Nein, Du stirbst nicht.“

Erst als er gehört habe, dass die Frau außer Lebensgefahr war, sei die Anspannung von ihm abgefallen, sagt Atasoy. Er fragt sich, warum er der Einzige war, der in der Situation am Mittwochabend anhielt. „Da sind ja noch mehr Autos langgefahren.“ Der 20-Jährige hofft, dass sein Beispiel auch andere Menschen ermutigt, Zivilcourage zu zeigen.

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