Frau mit Kissen erstickt

Mord an Kasseler Rentnerin: Eltern des Angeklagten wohnten neben Opfer

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Die Staatsanwaltschaft wirft dem 42-jährigen Mann vor, die Rentnerin Ursula B. mit einem Kissen erstickt zu haben.

Kassel. Die Eltern des Angeklagten wohnten im Nachbarhaus des Opfers in der Perlengasse in Niederzwehren.  Der Sohn des Opfers tritt als Nebenkläger im Prozess vorm Kasseler Landgericht auf. 

Der Mann nimmt immer wieder eine Hand vor den Mund oder stützt sein Gesicht auf beide Hände auf. Der 42-Jährige auf der Anklagebank mit Brille und gestreiftem Hemd macht einen höflichen und zurückhaltenden Eindruck. Eigentlich ein sympathischer Zeitgenosse. 

Dieser Mann muss sich seit Montag auf der Anklagebank des Kasseler Landgerichts verantworten, weil er am Pfingstmontag vor einem Jahr die frühere Nachbarin seiner Eltern in der Perlengasse in Niederzwehren getötet haben soll. Mit einem Kissen erstickt. Sein Mandant werde sich im Verlauf des Prozesses zu den Vorwürfen äußeren, kündigte Verteidiger Jan Hörmann an.

Am Montag schilderten zunächst zwei Polizisten sowie Schwägerin und Schwager des Opfers Ursula B. vor der sechsten Strafkammer, was am 16. Mai 2016 geschehen ist.

Zeitung lag noch im Briefkasten

Die 78-jährige Schwägerin der getöteten Frau sagte aus, dass sie am Mittag einen Anruf bekam. Bekannte von Ursula B. erzählten ihr, dass sie sich große Sorgen machten, weil diese nicht wie verabredet zu einer Geburtstagsfeier erschienen sei. Diese Bekannten hätten sich am Abend erneut gemeldet, weil sie Ursula B. den ganzen Tag über nicht erreichen konnten. Zudem seien die Rollläden am Haus der Schwägerin noch unten gewesen und die Tageszeitung habe noch im Briefkasten gelegen.

Daraufhin habe sie ihren Neffen, den Sohn von Ursula B., angerufen, so die 78-jährige Zeugin. Der habe ihr mitgeteilt, wo sie einen Ersatzschlüssel für die Wohnung finden könne. Nachdem ihr Mann vergeblich versucht habe, mit dem Schlüssel die Wohnung zu öffnen, habe man sich entschlossen die Polizei zu rufen. Die Beamten alarmierten zudem die Feuerwehr, die schließlich die Wohnungstür öffnete. „Wir waren alle ziemlich aufgeregt“, so die 78-jährige Zeugin.

Von den Polizisten, die allein in die Wohnung der Schwägerin gegangen seien, habe sie dann erfahren, dass diese tot ist. Ihre Schwägerin sei eine ruhige, besonnene, bescheidene und freundliche Frau gewesen, die viele Bekannte gehabt habe, beantwortete die Zeugin die Fragen der Staatsanwältin und des Verteidigers.

Sohn des Mordopfers ist Nebenkläger

Den Angeklagten kenne sie vom Sehen, so die 78-Jährige, die dessen Eltern eine Wohnung in der Perlengasse vermietet hatte. Der Mann sei bis zum Auszug seiner Eltern im Mai 2014 regelmäßig mit dem Fahrrad gekommen, um diese zu besuchen. „Der hat immer höflich gegrüßt.“ Ansonsten sei er zurückhaltend gewesen. Hin und wieder habe er mit seiner Mutter auf der Terrasse gesessen, erinnerte sich die Zeugin. Der Angeklagte habe aber nie, so wie sein Vater, für ihre Schwägerin im Garten gearbeitet.

Der Sohn von Ursula B. tritt in dem Mordprozess als Nebenkläger auf. Er soll am nächsten Verhandlungstag, am Mittwoch, 26. Juli, als Zeuge vernommen werden.

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