Landgericht verurteilt 27-Jährigen

Mord auf Knorrstraße - Urteil gefallen

Maurice K., Angeklagter im Mordprozess Knorrstraße
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Maurice K.

Nach dem Mord in der Knorrstraße in Kassel-Niederzwehren ist nun das Urteil gefallen. Der 27-jährige Maurice K. muss in Haft.

  • Mord auf Knorrstraße in Kassel
  • Urteil für Angeklagten Maurice K. gefallen
  • Er muss wegen heimtückischen Mords lebenslang hinter Gitter

Heimtückischer Mord: So lautet die Entscheidung der 10. Strafkammer des Landgerichts, die den 27-jährigen Kasseler Maurice K. am Montag (06.07.2020) verurteilte.

Maurice K. hatte in der Nacht zum 1. August vergangenen Jahres auf der Knorrstraße in Kassel-Niederzwehren den 21-jährigen Shpetim Aloci erschossen. Die Staatsanwältin hatte das Mordmerkmal „Heimtücke“ noch ausgeschlossen und auf Mord aus niedrigen Beweggründen plädiert.

Nach Mord in Kassel: Urteil lautet heimtückischer Mord

Das sah die Kammer von Richter Robert Winter in Kassel anders: Maurice K. habe gezielt und vorsätzlich zehn Mal auf den ihm nur flüchtig bekannten Aloci gefeuert, der von mindestens sechs Projektilen getroffen und tödlich verletzt wurde. Dabei sei das Opfer arglos gewesen und habe einen Streit, dem er selbst wohl keine große Bedeutung beimaß, verbal mit dem Angeklagten klären wollen.

Tatsächlich habe Aloci den Angeklagten bei einem wenige Tage zurückliegenden Treffen in Kassel als „Pisser“ bezeichnet, was aber nicht als Beleidigung gedacht war, erläuterte Richter Winter und eher im lockeren sprachlichen Umgang des jungen Mannes begründet lag. Gleichwohl habe der Angeklagte sich schwer beleidigt und in seiner Ehre gekränkt gefühlt. In einem Telefongespräch wenige Minuten vor der Tat habe er Aloci „genau eine Minute Zeit“ gegeben, „etwas zu sagen“. Gemeint war damit wohl eine Entschuldigung, was Aloci aber überhaupt nicht verstand.

Nach Mord in Kassel: Urteil gefallen - Aussage des Angeklagten unglaubwürdig

Als beide Männer dann gegen 0.30 Uhr nahe dem DEZ-Parkplatz in Kassel aufeinandertrafen, habe Maurice K. die Walther P 22 aus dem Hosenbund gezogen und sofort geschossen, sagte der Richter. Dass sich der erste Schuss – wie vom Angeklagten behauptet – versehentlich gelöst habe, sei angesichts eines Druckpunktes von viereinhalb Kilo am Abzug unglaubwürdig. Jeder weitere Schuss habe ein bewusstes Drücken des Abzugs nötig gemacht. „Shpetim Aloci hatte nicht den Hauch einer Chance“, sagte Winter. Der heimtückische Mord stehe im groben Missverhältnis zum nichtigen Anlass. Der Angeklagte muss lebenslang hinter Gitter. (Von Thomas Stier)

Unterschiedliche Mordmerkmale

Um den Mord vom Totschlag zu unterscheiden, müssen bestimmte Mordmerkmale erfüllt sein: Etwa Heimtücke, wenn das Opfer gegenüber dem Täter arg- und wehrlos war, oder die Tat dem Verdecken einer Straftat dient, aus Habgier oder niederen Beweggründen geschieht. Die Anklage hatte auf niedere Beweggründe und nicht auf Heimtücke plädiert, weil das Opfer vor der Tat von der Tötungsabsicht durch Maurice K. gewusst habe. Er hatte sie aber nicht ernst genommen.

Im Laufe des Prozesses gestand der Angeklagte den Mord auf der Knorrstraße in Kassel. Ein Zeuge verstrickte sich während der Verhandlung in Widersprüche.

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