„Ich dachte, er schießt zurück“

Mordprozess Knorrstraße: Angeklagter gesteht Tötung von Shpetim Aloci 

Auf der Anklagebank: Der 27-jährige Maurice K. hat zum Auftakt des Mordprozesses eingeräumt, den 21-jährigen Shpetim Aloci am 1. August 2019 in Niederzwehren erschossen zu haben. Sein Verteidiger Mustafa Üstün las die Einlassung des Angeklagten vor. 
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Auf der Anklagebank: Der 27-jährige Maurice K. hat zum Auftakt des Mordprozesses eingeräumt, den 21-jährigen Shpetim Aloci am 1. August 2019 in Niederzwehren erschossen zu haben. Sein Verteidiger Mustafa Üstün las die Einlassung des Angeklagten vor. 

Dass er den 21-jährigen Shpetim Aloci mit mehreren Schüssen auf der Knorrstraße in Niederzwehren getötet hat, daran ließ der 27-jährige Maurice K. auf der Anklagebank keinen Zweifel.

Vor der zehnten Strafkammer muss sich der junge Mann aus Kassel seit Montag vor dem Kasseler Landgericht unter anderem wegen des Verdachts des Mordes verantworten.

Der Angeklagte habe am 1. August 2019 gegen 0.30 Uhr heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt, so Staatsanwältin Angela Rek bei Verlesung der Anklage. Am 29. Juli hätten sich die beiden zusammen mit einem gemeinsamen Freund auf dem Langen Feld in Niederzwehren getroffen. Es sei zu einer Auseinandersetzung zwischen Maurice K. und Shpetim Aloci gekommen, da der 27-Jährige nicht an einem Sprechgesangswettbewerb (Rap-Battle) teilnehmen wollte. Das spätere Opfer habe ihn deshalb als „Pisser“ bezeichnet, wodurch sich der Angeklagte gekränkt fühlte.

Am 31. Juli habe sich Maurice K. erneut mit dem gemeinsamen Freund getroffen. Beide waren auf der Frankfurter Straße unterwegs, kauften sich bei der Elan-Tankstelle Chips und Getränke, bevor sie sich auf eine Bank in der Knorrstraße setzten. Als Shpetim Aloci den gemeinsamen Freund anrief und ankündigte, er komme auch, habe Maurice K. plötzlich eine Waffe, eine Walther P 22, gezogen und gerufen, dass er den 21-Jährigen abknallen werde, so die Staatsanwaltschaft. Daraufhin habe der gemeinsame Freund den 21-Jährigen noch mal angerufen, um ihn zu warnen. Dieser habe die Warnung aber nicht ernst genommen und sei gegen 0.30 Uhr erschienen, um sich mit Maurice K. wieder zu versöhnen.

Der habe die Entschuldigung allerdings nicht angenommen und stattdessen mehrfach auf den 21-Jährigen geschossen. Mindestens sieben Mal. Shpetim Aloci wurde an der Hand, am Oberkörper, am Gesäß und am Rücken getroffen. Er starb noch am Tatort.

Die Schüsse bestritt Maurice K. vor Gericht nicht. Sein Verteidiger Mustafa Üstün verlas eine Einlassung, die die Tat allerdings in einem anderen Licht erscheinen lässt. Der Angeklagte behauptet zum Beispiel, dass er die Waffe bereits am 29. Juli auf dem Langen Feld dabei hatte. Dort hätte man Schießübungen machen wollen. Auch Shpetim Aloci habe die P 22 ausprobieren wollen. Er kenne sich mit Waffen aus und habe auch selbst eine Waffe, habe der 21-Jährige behauptet. Plötzlich habe sich Shpetim Aloci mit der Waffe an der Handfläche verletzt und geblutet. Er habe Maurice K. daraufhin aufgefordert, sein Blut zu trinken. Damit nicht genug. Der 21-Jährige habe ihn provoziert, sexuelle Anspielungen gemacht und ihn als „Wichser“ bezeichnet. Schließlich habe er auch noch damit gedroht, ihn beziehungsweise seine Familie zu töten, so der Angeklagte in der Einlassung. Er habe diese Drohungen sehr ernst genommen. Zu dieser Zeit habe er nicht nur viele Drogen wie zum Beispiel Marihuana und Spice konsumiert, sondern auch unter psychischen Problemen wie Verfolgungswahn und Krampfanfällen gelitten.

In der Nacht zum 1. August habe Shpetim Aloci wieder gedroht, ihn umzubringen, so der Angeklagte. Als er deshalb aus der Knorrstraße verschwinden wollte, sei ihm der 21-Jährige gefolgt und habe ihn auf den Hinterkopf geschlagen. Daraufhin habe er sich umgedreht und seine Waffe aus dem Hosenbund gezogen, so Maurice K. Der gemeinsame Freund habe gerufen, dass er auf Shpetim schießen solle.

Aus Reflex habe er seine Hand hochgezogen und den ersten Schuss abgegeben. „Ich dachte, er schießt zurück und habe weiter geschossen“, so der Angeklagte. Am Ende habe er gar nicht mehr gewusst, wie viele Schüsse er abgegeben habe. Nachdem er realisiert habe, dass er Shpetim Aloci erschossen hatte, sei er weggelaufen. Beim Weglaufen habe er noch gesehen, dass der gemeinsame Freund den am Boden liegenden toten Shpetim gefilmt habe.

Der Prozess wird am Freitag, 15. Mai, fortgesetzt.

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