Angehörige von Shpetim Aloci im Zeugenstand

Mordprozess Knorrstraße: Vater spricht von „geplantem Mord“

Auf der Anklagebank: der 27-jährige Maurice K. aus Kassel. Zeichnung: Christine Reinckens

„Shpetim war so nett, so lieb und so hilfsbereit.“ Unter Tränen sagte gestern Nachmittag der Vater des erschossenen Shpetim Aloci vor der zehnten Strafkammer des Kasseler Landgerichts aus.

Seit dem 1. August vergangenen Jahres empfinde er Schmerz und Trauer. Er weine jeden Tag. Bis zu seinem letzten Atemzug werde er leiden, sagte der 52-jährige Mann, der aus dem Kosovo stammt und seit vielen Jahren mit seiner Familie in Kassel lebt. Er wolle von dem Täter wissen, warum er auf seinen Sohn geschossen habe. Er wolle das Motiv für den Mord erfahren, sagte der von Trauer gezeichnete Mann.

Auf der Anklagebank muss sich der 27-jährige Maurice K. aus Kassel wegen des Verdachts des Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den 21-jährigen Shpetim Aloci in der Nacht zum 1. August 2019 mit mehreren Schüssen auf der Knorrstraße in Niederzwehren erschossen zu haben. Der Angeklagte hat bereits am ersten Verhandlungstag die Tat gestanden. Er habe damals unter Drogeneinfluss gestanden, Stimmen gehört und sich verfolgt gefühlt. Zudem habe ihn Shpetim Aloci bei einem Treffen auf dem Langen Feld wenige Tage vor der Tat beleidigt. Allerdings hat er bei seinen Ausführungen auch den Eindruck erweckt, dass ein 24-Jähriger, der Shpetim und ihn eine Woche vor der Tat miteinander bekannt gemacht hatte, eine gewisse Mitschuld trägt.

Das wurde an den Worten deutlich, die Maurice K. an die 21-jährige Schwester von Shpetim Aloci nach deren Aussage richtete. Er sagte, dass er die Tat zutiefst bereue und dass es dafür keine Entschuldigung gebe. Allerdings wäre die Tat ohne den Einfluss des 24-jährigen gemeinsamen Freundes, der bei den Schüssen in der Knorrstraße dabei war, wohl nie geschehen, so der Angeklagte.

Von den Zeugen, die gestern aussagten, ließ niemand ein gutes Haar an dem 24-Jährigen, der bereits vergangene Woche seine Aussage gemacht hat. Er kannte Sheptim schon aus der Grundschule. Die frühere Freundin von Shpetim sagte, dass der 24-Jährige „kein guter Junge“ gewesen sei. Deshalb habe sie nicht gewollt, dass Shpetim weiter Kontakt zu ihm hat, weil dieser durch ihn „spielsüchtig“ geworden sei. Auch die Schwester sagte, dass der Freund ein schlechter Umgang für ihren Bruder gewesen sei. Wegen Drogen und Spielcasinos.

Eigentlich habe ihr Bruder am 31. Juli schon ins Bett gehen wollen, als er gegen Mitternacht einen Anruf von dem besagten Freund bekommen habe. Der war offenbar mit Maurice K. in Niederzwehren unterwegs.

Shpetims Vater sprach gestern von einem „geplanten Mord“ an seinem Sohn. Shpetims Freund habe gewusst, dass Maurice K. eine Waffe in der Nacht dabei gehabt habe. „Was sollte dieser Anruf?“ fragte der Vater. Wenn es dieses Telefonat nicht gegeben hätte, würde sein Sohn noch leben. Er hoffe, dass in dem Prozess vor dem Landgericht all seine offenen Fragen beantwortet würden, so der 52-Jährige.

Möglicherweise würden auch nach Ende des Verfahrens noch Fragen offenbleiben, sagte der Vorsitzende Richter Robert Winter zu dem Vater. „Aber gehen Sie davon aus, dass wir das aufklären, was wir aufklären können und was nach dem Gesetz möglich ist. Dem Vater und der Schwester von Shpetim Aloci dankte der Vorsitzende Richter gestern ausdrücklich für ihre Aussagen. Er wisse, dass das für beide ein sehr schwerer Gang gewesen sei.

Der Prozess wird am Montag, 25. Mai, fortgesetzt.

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