Nachbarn des getöteten Rentners in Kassel: Verdächtiger hatte Schlüssel

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Wohnen im Nachbarhaus: Harald und Monika Klemmstein beschreiben Hans-Günter Z. als freundlichen Menschen.

Kassel. Nachbarn des getöteten Hans-Günter Z. (77) berichten, dass der Tatverdächtige einen Schlüssel für die Wohnung des Opfers hatte.

Dass in dieser kleinen Siedlung ein Mensch umgebracht werden könnte, damit hätten Monika und Harald Klemmstein nie gerechnet. „Hier klaut keiner einen Schlüpfer von der Wäscheleine“, sagt Monika Klemmstein. Um so erschütterter war das Ehepaar, als es erfahren hat, dass der 77-jährige Hans-Günter Z., der in ihrem Nachbarhaus gelebt hat, getötet worden ist. Die beiden wohnen in einem der Mehrfamilienhäuser der Wohnstadt an der Karlsbader Straße in Niederzwehren.

„Das war ganz schlimm, die ganze Woche“, sagt die Frau. „Die ganze Zeit war die Spurensicherung da.“ „Das war das volle Programm“, fügt ihr Mann hinzu. Die Klemmsteins haben am Donnerstagmorgen auch durch Zufall beobachtet, wie der 64-jährige Bekannte von Hans-Günter Z. festgenommen worden ist. Der Mann steht unter dringendem Tatverdacht, den 77-Jährigen umgebracht zu haben. Wie die HNA berichtete, ist ein Untersuchungshaftbefehl wegen des Verdachts des Totschlags gegen den Mann am Freitagnachmittag erlassen worden.

Der Verdächtige wohne nicht weit entfernt, in einer benachbarten Straße. „In einem ehrenwerten grauen Haus“, sagt Monika Klemmstein. Von den Bewohnern dieses Hauses höre man keine guten Geschichten. Dort soll vor Jahren auch mal eine Prostituierte gewohnt haben, die den Lehrer ihres Kindes mit einer Peitsche geschlagen hat. Aus Ärger. Das erzählt man sich jedenfalls im Viertel.

Die Klemmsteins berichten, dass sie am Donnerstag im Vorbeifahren beobachtet haben, wie vor diesem grauen Haus mehrere Beamte gegen 8.30 Uhr in Zivil gestanden hätten. „Einer hatte eine Pistole dabei.“ Die Klemmsteins erzählen auch, dass der Bekannte einen Schlüssel zur Wohnung von Hans-Günter Z. hatte.

Dem Vernehmen nach soll der Festgenommene auch die Wohnungstür am Freitag, 6. Oktober, geöffnet haben, nachdem Nachbarn im Hausflur den Verwesungsgeruch bemerkt und ihn verständigt hatten.

Die Klemmsteins können nur Gutes über Hans-Günter Z., dessen Lebensgefährtin vor mehr als einem Jahr gestorben ist, erzählen. Die Frau habe schon früher in der Wohnung gelebt. Nachdem ihr erster Mann gestorben sei, habe sie irgendwann Hans-Günter Z. in einem Urlaub kennengelernt. Er zog danach zu ihr.

Oft seien die beiden Hand in Hand in die Vereinsgaststätte der TSG Niederzwehren gegangen. Geheiratet haben die beiden nie, sagt Monika Klemmstein. „Die Edith hat immer gesagt, das ist mein Verlobter.“ Und auch als die Edith krank geworden sei, habe sich Hans-Günter Z. sehr um sie gekümmert. „Der hat sie auch im Rollstuhl rumgefahren und bis zum Schluss gepflegt.“

Der Balkon von Hans-Günter Z.: Der 77-jährige Rentner kümmerte sich auch um die Rosenpflege.

Hans-Günter Z. habe sich zudem um den Haushalt gekümmert, gefegt, die Fenster geputzt, sei immer freundlich gewesen und habe alle gegrüßt. „Jeder kannte ihn, als den Mann, der E-Bike mit Anhänger gefahren ist“, erzählt Harald Klemmstein.

Den Anhänger benutzte er für die Einkäufe. Der 77-Jährige habe nämlich kein Auto gehabt, sagt Johannes Meschede, der zwei Etagen über der Wohnung von Hans-Günter Z. lebt. „Wir hatten ein hundertprozentiges Verhältnis“, erzählt der Nachbar. Ähnlich sprechen auch andere Nachbarn über Hans-Günter Z. Da der wohl keine Angehörigen hat, fragt sich Meschede nun auch, wer seine Beerdigung organisiert. „Das tut mir alles richtig leid.“ Was der 77-Jährige früher beruflich gemacht hat, weiß Meschede nicht. „Er war aber handwerklich sehr geschickt und Rosenpflege war sein Hobby.“

Das Kommissariat 11 der Kripo hat die Soko Karlsbad eingerichtet. Die Beamten suchen weiterhin nach Zeugen, die Hinweise zu den Todesumständen des 77-Jährigen geben können. Er war am Sonntag, 24. September, dem Tag der Bundestagswahl, zuletzt gesehen worden. Am Donnerstag, 19. Oktober, berichtete die Polizei dann, dass die Leiche von Hans-Günter Z. bereits am Freitag, 6. Oktober, entdeckt worden ist.

Hinweise: Tel. 05 61/9100.

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