Hans-Günter Z. wurde im September 2017 ermordet

Aus Habgier erwürgt: Anklage will lebenslang für 65-Jährigen aus Kassel

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Tatort: In einem Haus an der Karlsbader Straße in Kassel-Niederzwehren wurde Hans-Günter Z. von seinem langjährigen Freund getötet. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Haftstrafe für den 65-Jährigen.

Kassel. Wegen Mordes aus Habgier soll ein 65-jähriger Mann aus Kassel nach Ansicht der Staatsanwaltschaft lebenslang hinter Gitter. Er soll im September 2017 seinen Freund in Niederzwehren getötet haben.

Einen entsprechenden Antrag stellte Anklägerin Völker Mittwoch im Mordprozess vor der 6. Strafkammer des Landgerichts.

Der Angeklagte Georg S. mit den langen, strähnigen Haaren, dem üppig wuchernden weißen Kinnbart und den vielen Tattoos auf den Unterarmen hörte die Strafforderung der Staatsanwältin mit gesenktem Kopf und ohne sichtbare Gemütsregung.

Er hatte die gesamte Verhandlung über geschwiegen. Trotzdem sah ihn die Staatsanwältin eindeutig als überführt an, am 25. September 2017 – einen Tag nach der Bundestagswahl – seinen langjährigen Freund Hans-Günter Z. in dessen Wohnung in Niederzwehren erwürgt zu haben. Er habe einen Schlüssel zur Wohnung gehabt, seine DNA war an Hals und Pullover der erst knapp zwei Wochen nach der Tat aufgefundenen Leiche gefunden worden.

Staatsanwältin Völker schilderte Hintergründe und Ablauf der Tat: Im Frühjahr 2017 hatte Hans-Günter Z. einen Fahrradunfall, für den ihm ein Schmerzensgeld von 2025 Euro zugesprochen wurde – für ihn eine „immense Summe“.

Freund Georg S. übernahm den ganzen Papierkram mit der Versicherung und ließ das Geld am 19. September auf sein Konto überweisen, weil auf dem von Z. ein Pfändungsbeschluss lag.

Am 20. September versuchte der Angeklagte, 1500 Euro von seinem Konto abzuheben. Das misslang. Er hatte wohl schlicht vergessen, dass auch auf seinem Konto eine Pfändung anhängig war. Also hob er nur 675 Euro ab, die er für sich verbrauchte.

Am Sonntag, 24. September, ging Hans-Günter Z. zur Wahl, am Montag benutzte er um 9.39 Uhr zum letzten Mal sein Handy. Dann kam Georg S. und Z. forderte sein Geld. Das aber war weg, denn mit den verbleibenden 1500 Euro hatte S. seine eigenen Schulden bezahlt, sich damit – so Völker – der Untreue und Unterschlagung schuldig gemacht.

Tatort Karlsbader Straße in Kassel

Um diese Straftat zu verdecken, habe er sich spontan entschlossen, den Freund zu töten. Es kam zu heftigen Gewaltanwendungen am Hals des Älteren, die zu mehreren Frakturen und zum Tode führten. An den folgenden Tagen kehrte der Angeklagte in die Wohnung zurück, fütterte die Katze, veränderte die Rollos und hob mit der EC-Karte des Toten noch 280 Euro ab.

Erst knapp zwei Wochen später öffnete er auf Wunsch besorgter Nachbarn die Wohnung, in der der Tote lag. Wenig später wurde er als Verdächtiger festgenommen, sitzt seither in Untersuchungshaft.

Am Freitag will Verteidiger Klaus-Uwe Haake ab 9 Uhr in Saal D 130 sein Plädoyer halten. Zur Urteilsverkündung kommt die 6. Strafkammer von Richter Volker Mütze am Dienstag, 14. August, um 13 Uhr zusammen.

Von Thomas Stier

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