Soldaten-Säle werden umgebaut

Unternehmer richtet  Flüchtlingsheim in ehemaliger Haeseler-Kaserne ein

Noch eine große Baustelle: In dem ehemaligen Kasernengebäude unweit der Dennhäuser Straße sollen ab Mai Flüchtlinge einziehen. Insgesamt 195 Menschen können dort untergebracht werden. Fotos: Zgoll

Kassel. Als Erdal Eren und seine Frau Yasemin 2013 das ehemalige Kasernengebäude in Niederzwehren vom Bund kauften, hatten sie eigentlich vor, dort ein Boardinghouse einzurichten. 

Also ein hotelähnliches Apartmenthaus für Gäste mit längerem Aufenthalt. Dann erfuhr das Unternehmerpaar, dass die Stadt Kassel dringend Wohnraum für Flüchtlinge benötigt und änderte seine Pläne. Jetzt wird eine Gemeinschaftsunterkunft für 195 Asylbewerber in der Immobilie eingerichtet. Im Mai sollen die ersten Bewohner einziehen.

Drei- bis Fünf-Bett-Zimmer 

Seit November lässt Eren das dreigeschossige Gebäude mit 2400 Quadratmetern Nutzfläche aufwändig umbauen. „Im Prinzip wird bis auf die äußere Hülle alles neu gemacht“, sagt der 42-jährige Kasseler mit türkischen Wurzeln, der mit seiner Frau die Immobilenfirma IVE Consults betreibt.

Statt großer Soldaten-Schlafsäle gibt es künftig kleinere Wohneinheiten für jeweils drei bis fünf Personen. Jedes Zimmer hat ein eigenes kleines Bad mit Dusche. Auf jeder Etage gibt es zwei Gemeinschaftsküchen und größere Aufenthaltsräume. Hinter dem Gebäude sollen Spielgeräte für Kinder und ein kleiner Sportplatz zum Fußball- und Basketballspielen angelegt werden.

„Ich möchte, dass die Menschen sich hier wohlfühlen“, sagt Eren. Da die Asylbewerber in der Regel nicht arbeiten dürfen, sei es ihm wichtig, ihnen Möglichkeiten zur Beschäftigung und zur Begegnung zu geben.

Erdal Eren

Zur recht komfortablen Ausstattung mit eigenem Bad habe man sich auch entschieden, um bei einer späteren Umnutzung flexibel zu sein, erklärt Erdal. Wenn die Flüchtlingszahlen in einigen Jahren wieder sinken sollten, könnte die Gemeinschaftsunterkunft ohne großen Aufwand in ein Apartmenthaus verwandelt werden. Daher gibt in jedem Zimmer auch Anschlussmöglichkeiten für eine Kochnische.

Bis die ersten Zimmer belegt werden können, ist noch viel zu tun. Damit der kürzlich verlegte Estrich schneller trocknet, wird mit warmer Luft nachgeholfen. Dann müssen noch der Boden verlegt - PVC in Holzoptik - und die Zimmer mit Betten, Schränken, Tisch und Stühlen möbiliert werden. Auch Büros für den Hausmeister und die Flüchtlingsberatung der Caritas werden noch eingerichtet.

Wenn alles fertig ist, wolle man Anlieger und andere Interessierte zu einem Tag der offenen Tür einladen, sagt Erdal Eren. In den Nachbargebäuden befinden sich überwiegend Firmen, direkt gegenüber liegt die Moschee der Ahmaddiya-Gemeinde.

Hintergrund zur Kaserne 

Die Graf-Haseler-Kaserne wurde 1913/14 erbaut und nach dem Regiment, das dort einziehen sollte, zunächst „Fußartilleriekaserne“ genannt. 1937 erfolgte die Umbenennung nach dem preußischen Generalfeldmarschall Gottlieb von Haeseler (1836-1919). Nach 1945 dienten die Gebäude auch amerikanischen Einheiten als Unterkunft. 1994 endete die militärische Nutzung des Geländes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.