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Diese Brücken geben Rätsel auf

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Von: Bastian Ludwig

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Diese Brücken hat lange niemand mehr genutzt: Über den Grunnelbach führen zwei Brücken. Die Bahnbrücke ist verdeckt von der vorderen, die für Fußgänger und landwirtschaftliche Fahrzeuge gebaut wurde.
Diese Brücken hat lange niemand mehr genutzt: Über den Grunnelbach führen zwei Brücken. Die Bahnbrücke ist verdeckt von der vorderen, die für Fußgänger und landwirtschaftliche Fahrzeuge gebaut wurde. © Bastian Ludwig

Wer am Grunnelbach vom Niederzwehrener Ortskern in Richtung Dez-Einkaufszentrum spaziert, kommt an zwei historischen Brücken vorbei, die von der Natur überwuchert worden sind. Wobei die zweite etwas verdeckt hinter der vom Weg gut sichtbaren Brücke liegt. Aber was hat es mit diesen verwunschenen Bauwerken auf sich, die seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt werden?

Kassel - Der Kasseler Historiker Christian Presche hat auf Basis alter Karten und Luftbilder herausgefunden, dass es sich bei der vorderen Brücke um eine Brücke für Fußgänger und landwirtschaftliche Fahrzeuge handelte. „Bereits auf einem Luftbild von 1928 ist sie zu sehen“, so Presche. Damals führte ein Feldweg von der früheren Waggonfabrik Credé (heute Dez) über den Grunnelbach in Richtung heutige Dennhäuser Straße (damals Mühlenweg). Den Weg gibt es heute nicht mehr.

Auf Luftbildern von 1936 ist zu erkennen, dass der Weg verbreitert wurde – vermutlich für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Die Bauzeit schätzt Presche auf die Zeit um den Ersten Weltkrieg. „Viel älter ist sie nicht. Denn es handelt sich um Betonbauweise mit Stahlträgern“, so der Historiker.

Luftbild aus 1929: Der Feldweg führte von Credé (Hintergrund) in Richtung Mühlenweg (Dennhäuser Straße). Vorne die Graf-Haeseler-Kaserne.
Luftbild aus 1929: Der Feldweg führte von Credé (Hintergrund) in Richtung Mühlenweg (Dennhäuser Straße). Vorne die Graf-Haeseler-Kaserne. © Junker Luftbild

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde schließlich eine zweite Brücke unmittelbar neben der bestehenden errichtet. Es handelt sich um eine Bahnbrücke für eine Strecke, die vom alten Güterbahnhof Niederzwehren an der Waggonfabrik Credé vorbei bis zum Areal des heutigen Baustoff-Recyclingbetriebes Baureka an der Dennhäuser Straße führte. Dort stand seinerzeit eine große Lagerhalle, durch die die Bahnstrecke führte. Damals gab es das benachbarte Kraftwerk noch nicht. Dies wurde erst 1956 gebaut.

Standort der Brücken: Bauwerke am Grunnelbach
Standort der Brücken: Bauwerke am Grunnelbach © HNA

Niederzwehrens Ortsvorsteher Harald Böttger glaubt, dass der stillgelegte Bahnanschluss für einen früheren Sandsteinabbaubetrieb geschaffen wurde, der sich dort einst bestand. Historiker Presche hat aber in alten Adressbüchern aber einen Hinweis auf einen ehemaligen Standort der Heeres-Standort-Verwaltung an der Dennhäuser Straße gefunden, der 1939 gebaut wurde. „Der Bahnanschluss hat vermutlich einen militärischen Hintergrund gehabt“, so Presche. Später sei das Gleis dann gewerblich genutzt worden. Genaueres konnte er aber noch nicht in Erfahrung bringen.

Auch die Stadt Kassel konnte bislang keine Auskünfte zum Baujahr oder dem Zweck der Brücken geben. Dies erfordere zunächst eine vertiefte Recherche, so ein Sprecher.

Wilfried König vom Heimatverein Dorothea Viehmann weiß zu berichten, dass durch die vordere Brücke bis heute Versorgungsleitungen laufen. Die Brücke hat einen Hohlkörper. Deshalb wurde sie bis heute wohl auch nicht abgerissen.

Weitere Infos: Haben Sie weitere Informationen zu den Bauwerken. Melden Sie sich gerne per E-Mail: kassel@hna.de

Von Bastian Ludwig

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