Hunderte Menschen besuchten am „Tag der offenen Moschee“ die Gebetshäuser von Muslimen in Kassel

„Vorurteile aus der Welt schaffen“

Interesse: In der Mevlana-Moschee in Oberzwehren lassen sich Roswitha Steinbrück (von links) und Brigitte Henkel von Mahmut Eryilmaz, Dialogbeauftragter der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Kassel-Mattenberg, die Gebetsnische erklären. Foto: Schaffner

Kassel. Ein großes Interesse von Seiten der Kasseler, die einmal eine Moschee von innen sehen und sich über den Islam informieren wollten, gab es am Tag der Deutschen Einheit. Seit 1997 findet am 3. Oktober bundesweit auch der Tag der offenen Moschee statt. In Kassel hat diese Veranstaltung Tradition und wird von zunehmend mehr Menschen wahrgenommen.

Das wurde auch am Freitag deutlich: Kurz nachdem beispielsweise die Moschee der Ahmadiyya-Muslim-Jamaat-Gemeinde auf dem ehemaligen Gelände der Graf-Haeseler-Kaserne in Niederzwehren ihre Türen geöffnet hatte, strömten bereits die Besucher herbei.

Intensive Gespräche

In allen Räumen waren die Mitglieder der Religionsgemeinschaft schon bald in intensive Gespräche mit Nichtmuslimen vertieft. Dabei kamen viele brisante Themen, die die Menschen zurzeit bewegen, zur Sprache: seien es die Gräueltaten der Terrorgruppe Islamischer Staat im fernen Irak oder die nicht enden wollende Kopftuch-Debatte in Deutschland. „Es ist wichtig, miteinander zu reden, damit wir Vorurteile aus der Welt schaffen“, sagte Manfred Oelsen, der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, der mit Ehefrau Petra und Vereinsfreund Jürgen Menzel-Machemehl gekommen war und mit Kamel Berroudja Ziane diskutierte.

Im Gebetsraum nebenan sprachen Peter und Ingrid Ackermann aus Vellmar sowie Shqipe Rizvani und Katharina Schmitz aus Warburg mit einer Muslima über das Gebot für Muslime, sich zu bedecken. „Man hört so viel über den Islam in den Medien“, sagt Peter Ackermann, „da wollten wir diesen Tag nutzen, um uns einmal selbst einen Eindruck zu verschaffen.“ Dass es dazu ein leckeres Buffet gab, machte die Informationen besonders schmackhaft. Und so erfuhren die Gäste auch, dass die Ahamdis einer Ausrichtung des Islams angehören, die von den übrigen Muslimen abgelehnt werde. Im Ursprungsland der Bewegung, Pakistan, verfolge man sie deshalb als Ketzer.

Während des bundesweiten „Tags der offenen Moschee“, den die islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland veranstalten, haben 1000 Moscheen, mehr als ein Drittel aller Moscheen in Deutschland, Führungen, Vorträge und Ausstellungen angeboten. Die Begegnungsmöglichkeit wurde bundesweit von über 100 000 Besuchern wahrgenommen.

Von Christina Hein

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