Unterricht zu Regeln und Sitten in Deutschland

Wohnheim für jugendliche Flüchtlinge: Neun Jungs ziehen jetzt ein

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Letzter Rundgang durch die Zimmer: Jeder Jugendliche hat ein eigenes kleines Zimmer mit Bett, Schrank und Schreibtisch. Unser Bild zeigt Regj Hisenaj, der die neue Wohngruppe der Roland-Berger-Stiftung leitet.

Kassel. Am Montag zieht Leben ein im Neubau an der Frankfurter Straße direkt neben der HNA. Die Roland-Berger-Stiftung nimmt ihr Wohnheim für jugendliche Flüchtlinge in Betrieb. 

Zum Start werden neun Jungen im Alter von 14 bis 17 Jahren aufgenommen. 

Die jungen Männer stammen aus Afghanistan, Eritrea und Somalia und sind ohne ihre Familie nach Deutschland gekommen. Die meisten von ihnen waren bislang übergangsweise in der Inobhutnahme im ehemaligen Motel 24 in Waldau untergebracht. Als sie sich vergangene Woche ihr neues Zuhause schon einmal anschauen durften, habe er eine große Vorfreude gespürt, berichtet Stiftungsvorstand Dr. Tobias Raffel. „Wir hoffen, dass sie hier zur Ruhe kommen und langsam Fuß fassen können.“ Die Jugendlichen waren mitunter Jahre auf der Flucht und vollkommen auf sich allein gestellt.

Spaghetti als Leibgericht

Dirk Ippen

Im Obergeschoss gibt es für jeden ein kleines Zimmer mit Bett, Schrank und Schreibtisch als Rückzugsort. Das Gemeinschaftsleben findet im Erdgeschoss statt, das einen hellen Wohn- und Essbereich mit offener Küche bietet. Am ersten Tag gibt es Spaghetti Bolognese – das haben sich die Jugendlichen so gewünscht. Viel Platz nehmen außerdem ein Schulungsraum und der Bildungsraum ein, der mit Computern ausgestattet ist. Dort können die Jungen mit Selbstlernprogrammen ihr Deutsch verbessern.

Tagsüber gehen die Jungen in die Schule, am Nachmittag ist in der Wohngruppe eine Stunde Lern- und Hausaufgabenzeit Pflicht. „Wir legen Wert auf eine intensive Bildungsförderung“, betont Raffel. „Das bedeutet aber auch, dass wir viel von den Jugendlichen fordern.“

Orientierung in neuer Kultur

Tobias Raffel

Einmal pro Woche steht abends IKB auf dem Programm: eine interkulturelle Bildungsstunde. Dabei werden die Unterschiede zwischen den Regeln und Sitten im Herkunftsland und in Deutschland thematisiert. Etwa, dass Mann und Frau hier gleichberechtigt sind, Religion Privatsache ist und wie Demokratie funktioniert.

Ein siebenköpfiges Team um Leiter Regj Hisenaj kümmert sich um die Jungen, auch nachts ist immer ein Betreuer da. Insgesamt bietet das Haus Platz für zwölf Jugendliche. „Wir gehen davon aus, dass das Haus in den nächsten Monaten voll besetzt sein wird“, sagte Raffel. Auch wenn die Flüchtlingszahlen insgesamt zurückgehen, ist der Hilfebedarf im Bereich unbegleiteter Jugendlicher nach wie vor groß (siehe Hintergrund)

Ermöglicht wurde die neue Einrichtung auch durch die Stiftung von HNA-Verleger Dr. Dirk Ippen. Die Ippen-Stiftung hat den in Holzbauweise errichteten Neubau finanziert und vermietet das Haus nun an die Partnerstiftung. Er unterstütze das Projekt aus voller Überzeugung, sagte Ippen: „Jungen Menschen, gleich aus welchem Hintergrund, Entwicklungschancen zu geben, ist weniger eine Last als eine Chance für unser Land.“

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