Neubau vermutlich im kommenden Jahr

Verfallener Gebäudekomplex im Märchenviertel wird abgerissen

Vor der Abriss: Der denkmalgeschützet Hof von Gerhold Reitmeier soll Anfang 2015 abgerissen werden. Auf das Grundstück an der Brüder-Grimm-Straße 43 sollen 13 Eigentumswohnungen gebaut werden. Fotos:  Koch

Niederzwehren. Neubau statt denkmalgeschützer Hof. Im Frühjahr 2015 sollen die Bagger rollen, um die Fachwerkbauten an der Brüder-Grimm-Straße 43 im Niederzwehrener Märchenviertel abzureißen.

„Ich habe vor vier Jahren, als ich die Abrissgenehmigung für den Hof bekommen habe, mit meinen Träumen abgeschlossen, sagt Gerhold Reitmeier. Der 68-Jährige spricht über die Hofanlage, die er 1986 gekauft hatte - als Alterssicherung für seine Frau und sich. Allerdings ist aus der Sanierung des Hofes nie etwas geworden. Jahrzehnte lang hatte Reitmeier Querelen mit dem Denkmalschutz der Stadt Kassel. Zu unterschiedlich waren die Vorstellungen über eine sachgerechte Sanierung des Hofes und darüber, wer die Kosten zu tragen habe.

Kürzlich hat Reitmeier ein Geschäft mit der Kasseler M & I Bauträger und Immobilien GmbH geschlossen. Das Unternehmen bekommt sein Grundstück, er erhält dafür eine neue Eigentumswohnung.

M&I will auf dem 1440 Quadratmeter großem Areal insgesamt 13 barrierefreie Eigentumswohnungen bauen. Nach Angaben von Mitgeschäftsführer Manfred Wäscher rechne man Anfang 2015 mit der Baugenehmingung. Mit dem Bau könne durchaus im kommenden Frühjahr begonnen werden. „Wir wollen aber erst anfangen, wenn ein Großteil der Wohnungen verkauft ist“, sagt Wäscher. Er hofft, mit dem Verkauf 4,2 Millionen Euro umzusetzen.

Wir bald weggeschafft: Das mobile Holzhaus von Gerhold Reitmeier.

Bevor mit Abriss und Neubau begonnen werden kann, muss Gerhold Reitmeier aber erst noch sein mobiles Haus von dem Grundstück schaffen lassen. Er hat das Holzhaus aus zwei Teilen für 4500 Euro an jemanden aus der Nähe von Körle verkauft. „Das sollte eigentlich mal meine temporäre Denkmalbauhütte sein.“

Reitmeier hatte sich nach dem jahrelangen Streit mit der Denkmalschutzbehörde die Abrissgenehmigung vor dem Kasseler Verwaltungsgericht erkämpft. Die Kosten für die Sanierung der Hofanlage seien für den Eigentümer nicht mehr zumutbar, entschieden die Verwaltungsrichter. Eine Entscheidung, die auch in zweiter Insatnz vom Verwaltungsgerichtshof in Kassel bestätigt wurde.

Reitmeier blickt jetzt nach vorne und freut sich auf seine Eigentumswohnung, die etwa an der Stelle errichtet wird, wo bislang sein mobiles Holzhaus stand. Auch wenn der Fachwerkhof abgerissen wird, schwärmt Reitmeier nach wie vor von der Lage. „Sie wohnen wie auf dem Dorf hier, obwohl ringsrum die gesamte Infrastruktur vorhanden ist. Das ist einfach traumhaft.“ Viele Kasseler wüssen gar nicht um die Schönheit des Märchenviertels in Niederzwehren.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.