Für Wohnungslose in Kassel gibt es im Winter Notunterkünfte

Niemand muss unter der Brücke schlafen

KASSEL. Wenn die Temperaturen Frostgrade erreichen, kann das Leben auf der Straße zur tödlichen Gefahr werden. In Kassel gibt es deshalb für Menschen ohne Obdach ein Paket an Hilfsangeboten.

An erster Stelle stehen in den Wintermonaten die Notschlafstellen. Zurzeit nehmen im Schnitt elf Menschen das städtische Notschlafangebot der Sozialen Hilfe und weitere acht Menschen - vorwiegend Suchtkranke - die Betten des Vereins Drogenhilfe Nordhessen in Anspruch. Zwei Streetworker der Sozialen Hilfe sind täglich im Einsatz und gehen auch Hinweisen aus der Bevölkerung nach, wenn ein Mensch im Freien campiert. Über Notfallpläne werden von Polizei und Bahnhofsmission auch am Wochenende Mitarbeiter des Sozialamts alarmiert, die sofort helfen.

„Wir können dankbar sein, dass es so etwas gibt“, sagt Ingrid Kaltwasser. Zwei Jahre hat die 62-Jährige auf der Straße gelebt, bevor sie vor fünf Jahren ein anderer Wohnungsloser auf die Notschlafstellen hinwies. „Es war um die Weihnachtszeit und ich war froh, dass ich nicht mehr im Gebüsch schlafen musste. Mir kommen heute noch die Tränen, wenn ich daran denke.“ Später bekam sie von der Sozialen Hilfe eine feste Bleibe vermittelt. Kassel war 1990 die erste Stadt in Hessen, die Notschlafstellen eingerichtet hat. Dafür gab es zwei Gründe, sagt Wolfgang Kraft vom Sozialamt. Es sei ein „extrem kalter Winter“ gewesen und es gab deutschlandweit Todesopfer in der Wohnungslosenszene. Außerdem hatte die Grenzöffnung viele Menschen nach Kassel gelockt, die hier ohne Unterkunft gestrandet waren. Damals habe man für 60 Menschen Feldbetten aufgestellt.

Das Budget der Stadt Kassel für Notschlafstellen umfasst im Jahr 87 250 Euro. Die Drogenhilfe erhält 27 250 Euro und der Verein Soziale Hilfe 60 000 Euro. Er finanziert davon in den Sommermonaten außerdem das betreute Wohnen. VIERTE LOKALSEITE

Von Christina Hein

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