Beliebtes Fotomotiv im Bergpark, aber die Aue ist voller Kot

Niedliche Nilgänse überfluten Kassel: Darum sind sie auch eine Gefahr

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Begehrtes Fotomotiv: Die Nilgänse am Fontänenteich im Bergpark.

Kassel. Der Kasseler Bergpark hat eine neue Attraktion: Nilgänse begeistern Besucher. Auch in der Aue breiten sich die Tiere aus, die auch eine Gefahr sind. In Frankfurt wurden sie abgeschossen.

Es ist nicht wirklich übermittelt, aber es besteht schon der Verdacht, dass der Herkules derzeit ein ganz klein bisschen neidisch ist. Er hat nämlich als begehrtes Fotomotiv im Bergpark mächtig Konkurrenz bekommen: von sechs Nilgänsen, die am Fontänenteich anzutreffen sind. Ob morgens, mittags, abends: Familie Nilgans ist fast immer da – Papa, Mama und vier Kleine, wobei die Kleinen gar nicht mehr so klein sind.

„Das sind unsere Schätzchen“, sagt Forstwissenschaftler Winand Jaszczynski, der Jagd- und Fischereibeauftragte der Museumslandschaft Hessen Kassel. „Sie werden wirklich oft fotografiert.“ Und als kürzlich mal wieder die beleuchteten Wasserspiele stattfanden, hätten sich die Verkäuferinnen eines Getränkestandes am Fontänenteich kaum eingekriegt. Da zeigten sich die Nilgänse mal wieder von ihrer besten Seite. Sie tauchen ja immer im Pulk auf, und oft kuscheln sich die vier Kleinen dann so zusammen, dass sie als großes Wollknäuel durchgehen.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt. 

Das Problem ist aber, dass die Geschichte über die Niedlichkeit dieser Tiere hinausgeht. Die Nilgänse machen nämlich auch Probleme. Am Fontänenteich halten die sich noch in Grenzen. Da gibt es nur das eine Pärchen mit seinen Kleinen. Die Familie ist auch in der Lage, andere Wasservögel zu vertreiben; viele Schwäne zum Beispiel gibt es hier oben wohl auch deswegen seit geraumer Zeit nicht mehr. Aber das ist nichts gegen die Situation in der Aue. „Da haben sich die Nilgänse zu einer Katastrophe entwickelt“, sagt Winand Jaszczynski. Mehr als 100 Nilgänse leben hier inzwischen. Sie breiten sich wohl auch wegen des milden Klimas immer mehr aus, wie Experten seit einigen Jahren feststellen, wildern in fremden Nestern, verdrängen durch ihr terretoriales Verhalten andere Wildtiere – und sorgen für mächtig Dreck.

Die Wege und Wiesen verkoten, was sich zur Gefahr auswachsen kann. Schließlich können über den Kot der Gänse Krankheiten auf den Menschen übertragen werden. In Frankfurt, wo die Nilgänse auch vermehrt auf dem Gelände eines Freibades auftauchten, haben sie deshalb schon einige der Tiere erschossen, um das Risiko einzudämmen. „Das ist die Ultima Ratio“, sagt Winand Jaszczynski, der aber auch auf eine andere Möglichkeit hinweist. Zunächst könnten auch laute Knalle ausreichen, um die Nilgänse dort zu verscheuchen, wo sie nicht erwünscht sind. Da es sich bei ihnen um sehr intelligente Tiere handelt, merken sie sich, wo es geknallt hat und wer die Schüsse ausgelöst hat.

Die Nilgänse am Fontänenteich betrifft das alles nicht. „Sie sind ja unsere Freunde“, sagt Winand Jaszczynski und schmunzelt dabei ein wenig schelmisch. Er schätzt, dass die Kleinen jetzt drei bis vier Monate alt sind, es dauert nicht mehr lange, dann sind sie flügge, trennen sich von den Eltern und ziehen davon. Dann muss der Herkules auch nicht mehr neidisch sein.

Fakten zur Nilgans

Die Lebenserwartung der Nilgänse beträgt 15 Jahre. Die Brutzeit liegt bei 28 Tage.

Von außen ist nicht zu erkennen, welches Geschlecht eine Nilgans hat. Männchen und Weibchen sehen nahezu identisch aus. Sie kümmern sich gemeinsam auch um die Aufzucht des Nachwuchses.

Ursprünglich kommt die Nilgans aus Nordafrika; wohl im 17. Jahrhundert ist sie in Parks nach Europa gekommen und hat sich hier auch durch Zuzüge ausgebreitet. Interessant: Manche bezeichnen die Nilgans als Halbgans, manche als Halbente.

Die Nahrung von Nilgänsen besteht aus Gräsern, Würmern, Schnecken, Wasserpflanzen und kleinen Krebstieren. Winand Jaszczynski, der Jagd- und Fischereibeauftragte der Museumslandschaft Hessen Kassel, weist darauf hin, dass die Tiere nicht gefüttert werden sollen.

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