Pilotprojekt läuft bereits im Habichtswald

Jäger schießen bald bleifrei: Hessen-Forst stellt Munition um

Uwe Zindel

Kassel/Wiesbaden. Hessische Jäger werden ab Frühjahr mit Traditionen brechen müssen. Ab April 2015 darf im hessischen Staatswald nur noch mit bleifreier Munition gejagt werden.

Das gilt nicht nur für die Bediensteten von Hessen-Forst, sondern auch für Gäste, die an Jagden teilnehmen. Auch auf Staatswaldflächen, die Hessen-Forst zur Jagd verpachtet hat, darf dann nur noch mit bleifreier Munition geschossen werden.

„Die Verwendung von bleifreier Munition verhindert die Belastung von Böden und Wildbret“, begründet Umweltministerin Priska Hinz die Neuregelung. Für Jäger und Wild habe die bleifreie Munition keine Nachteile. Mehrere Langzeitstudien hätten einwandfrei belegt, dass sie ihrem Zweck ohne jegliche Einschränkung nachkomme.

Beim Hessischen Landesjagdverband (LJV) sieht man das anders. Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des LJV, bewertete die Initiative der Landesregierung kürzlich bei der Hubertusfeier der Hessenjäger Kassel sehr kritisch. Bislang sei durch Blei „keine wirkliche Gefährdung nachgewiesen worden“.

Es sei richtig, dass durch den Verzehr von Wildfleisch, das von mit konventioneller bleihaltiger Jagdmunition erlegten Wildtieren stammt, bislang kein Mensch krank geworden sei, sagt Annette Zitzer, Sprecherin im Umweltministerium, auf Anfrage der HNA. Allerdings wolle man aufgrund der „unbestrittenen gesundheitsgefährdenden Wirkung von Blei und der Problematik einer Anreicherung in der Nahrungskette“ alle vertretbaren Möglichkeiten zur Verringerung von Bleibelastungen ergreifen. „Der Verzicht auf konventionelle bleihaltige Munition kommt somit allen Verbrauchern zu Gute.“ In der Tierwelt seien nämlich durchaus Schäden durch bleihaltige Jagdmunition festgestellt worden, zum Beispiel bei Seeadlern in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, sagt die Ministeriumssprecherin.

Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen, kennt die Bedenken von Jägern, die über Jahrzehnte mit Blei geschossen haben. Diese kritisierten immer wieder die Präzision der bleifreien Munition und dass angeblich die Schockwirkung beim getroffenen Wild dadurch geringer sei. Mehrere Untersuchungen hätten diese Kritik aber widerlegt. Er selbst benutze seit zehn Jahren bleifreie Munition, sagt der Forstamtsleiter. Diese sei sehr präzise und wildbretschonend. Wichtig sei nur, dass die Munition zur Waffe passe.

Im Habichtswald wird seit zwei Jahren ausschließlich bleifrei geschossen. Das Forstamt Wolfhagen ist nämlich Pilotbetrieb bei Hessen-Forst. Die Erfahrungen seien durchaus positiv, sagt Zindel. Vorteil der bleifreien Munition sei auch, dass das Fleisch um den Schusskanal nicht mehr großflächig weggeschnitten werden müsse, um eine Bleibelastung zu vermeiden. Zindel vergleicht die Umstellung der Munition mit der Debatte vor 30 Jahren: Damals gab es erstmals bleifreies Benzin in Deutschland.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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