Debatte um Durchfahrtsperre

Nachdem Pkw durch die City raste: Wie sicher ist die Innenstadt von Kassel?

Schutz für Besucher des Festivals der Artisten: Diese filigranen Poller wurden im Dezember 2019 zwischen dem Modehaus Sinn und dem Fridericianum in der Innenstadt von Kassel aufgestellt.
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Schutz für Besucher des Festivals der Artisten: Diese filigranen Poller wurden im Dezember 2019 zwischen dem Modehaus Sinn und dem Fridericianum in der Innenstadt von Kassel aufgestellt.

Nach einer wilden Verfolgungsjagd durch die Innenstadt von Kassel wird nun über die dortige Sicherheit diskutiert. Die Stadt äußert sich zu Durchfahrtsperren.

Kassel – Mit bis zu 100 km/h ist ein BMW-Fahrer in der Nacht zu Sonntag über die Kasseler Königsstraße gerast, um einer Polizeikontrolle zu entkommen. Die Polizei sprach von einer „hochgefährlichen und rücksichtslosen Fahrt“ des 19-jährigen Mannes über die Fußgängerzone, der später in Bettenhausen gefasst werden konnte. Es sei großes Glück gewesen, dass durch diese Fahrt keine Menschen verletzt worden seien.

Wie aber werden Passanten in der Kasseler Innenstadt vor solchen Situationen geschützt? Bereits im Dezember 2019 hatte die Stadt Kassel angekündigt, ein Konzept für Durchfahrtsperren zu erstellen. Das Geld für das Konzept werde in den Haushalt eingestellt. Ziel sei es, so hieß es zumindest vor eineinhalb Jahren, dass feste Einrichtungen angeschafft werden sollen, die im Boden versenkbar sind.

Kassel mit Konzept für Durchfahrtsperren: „Innenstadt kann nicht rund um die Uhr abgeriegelt werden“

Das ist bislang offenbar noch nicht geschehen. „Eine Fußgängerzone mit Straßenbahn und zahlreichen Zugängen kann auch mit Rücksicht auf Rettungsfahrzeuge, Ver- und Entsorgung, Lieferdienste nicht rund um die Uhr abgeriegelt werden“, teilte am Dienstag ein Sprecher der Stadt auf Anfrage mit. Mehr nicht.

Die Debatte um Durchfahrtsperren kam in Deutschland zum ersten Mal nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche am 19. Dezember 2016 auf. Damals kam auch Kassel in den Fokus der bundesweiten Berichterstattung. Das lag daran, dass der Kasseler Weihnachtsmarkt bis zu diesem Zeitpunkt bundesweit der Einzige war, der an den Wochenenden Betonpoller aufstellte. Die schweren Hindernisse sollten die Besucher des Marktes vor möglichen Angriffen mit einem Lkw schützen.

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An die mobilen Poller zur Abwehr von Terrorangriffen mit Lkw hatten sich die meisten Besucher zuletzt in der Vorweihnachtszeit gewöhnt. Im Dezember 2019 stellte die Stadt Kassel auch filigrane Schutz-Poller zwischen dem Modehaus Sinn und dem Fridericianum auf, um die Besucher des Zirkus Flic Flac vor möglichen Terrorangriffen durch Amokfahrer zu schützen. Im vergangenen Jahr war das nicht erforderlich, da der Weihnachtsmarkt und das Zirkusfestival aufgrund der Corona-Pandemie ausgefallen waren. In diesem Jahr sollen beide Events allerdings wieder stattfinden. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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