Viele Kasseler beschweren sich über zugestellte Gehwege

E-Scooter in Kassel: Nun gibt es auch Tretroller von Tier

Rollen nun auch durch Kassel: E-Scooter der Firma Tier.
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Rollen nun auch durch Kassel: E-Scooter der Firma Tier.

An diesem Mittwoch startet der dritte Anbieter von E-Scootern in Kassel: Der Branchenführer Tier stellt 350 Tretroller auf die Straße. Die Nutzer freut das, Kritiker sind jetzt schon genervt.

Kassel – Zwei Monate nachdem die ersten E-Scooter in Kassel aufgestellt wurden, startet an diesem Mittwoch der dritte Leihanbieter. Nach der Kasseler Firma Skooty, dem US-Unternehmen Bird verleiht nun auch das Berliner Start-up Tier Tretroller in der Stadt. Der deutsche Branchenführer will 350 Scooter aufstellen. Damit stehen in Kassel 800 Tretroller zur Verfügung.

Laut Philip Reinckens, dem aus Kassel stammenden Deutschland-Chef von Tier, ist aber auch damit das Potenzial noch nicht ausgeschöpft: „Es ist gut möglich, dass noch ein weiterer Anbieter kommt. In einer Stadt mit 200 000 Einwohnern kann man ohne Probleme 1000 Scooter unterbringen.“

Doch Kritiker stören sich jetzt schon an den E-Scootern. „Es gibt eine latente Beschwerdelage“, sagt ein Sprecher der Stadt – über verbotenes Fahren auf Gehwegen und wild abgestellte Fahrzeuge. Darum bittet man im Rathaus um Rücksichtnahme: „Die Fahrzeuge sind so abzustellen, dass Fußgänger nicht gefährdet und behindert werden können.“

Auch bei Skooty gehen häufig entsprechende Beschwerden ein. Sprecher Florian Kleinschmidt glaubt, dass die Probleme durch den dritten Anbieter noch zunehmen werden: „Damit macht sich die Stadt keinen Gefallen.“ Allerdings können Leihanbieter ihre Fahrzeuge ohne Genehmigung aufstellen. Um Konflikte zu vermeiden, fordert Annika Meenken vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) darum: „Kommunen sollten Platz schaffen für E-Scooter und Autostellplätze umwidmen.“ Für die Expertin können Tretroller Teil einer nachhaltigen Verkehrswende sein.

Trotzdem bleibt es umstritten, wie grün E-Scooter sind. Verkehrsplaner Prof. Carsten Sommer von der Uni Kassel verweist auf Untersuchungen, nach denen durch E-Scooter „vor allem Wege per Rad und Fuß ersetzt werden“. In Wellington in Neuseeland wurden durch sie dagegen 21 Prozent der Autofahrten ersetzt. Klug eingesetzt können sie laut Sommer einen „vermutlich kleinen Beitrag zur Verkehrswende leisten“.

Den Ärger über E-Scooter auf Gehwegen kann er nachvollziehen. Er findet es aber „erstaunlich, dass es keinen Aufschrei angesichts des viel höheren Flächenverbrauchs durch den Autoverkehr gibt“.

Wie bei Skooty kostet auch bei Tier die Nutzung ein Euro als Grundpreis plus 19 Cent pro Minute (bei Bird sind es 15 Cent). Mit 1000 fest angestellten Mitarbeitern in europaweit 80 Städten gilt das Berliner Start-up als Deutschlands größter E-Scooter-Anbieter. Einer der ersten Geldgeber war Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg. Gerade hat Tier zudem 210 Millionen Euro vom japanischen Investor Softbank eingesammelt.

Von Matthias Lohr

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